Mandelsteine erkennen und entfernen – so geht's!

Mandelsteine im Mund © iStock.com/bgton

Mandelsteine oder Tonsillensteine sind kleine Gebilde im Hals- und Rachenraum, die beim Zerdrücken stinken und deshalb starken Mundgeruch zur Folge haben können. Die kleinen Klümpchen sind harmlos und können einfach entfernt werden. Wie Mandelsteine entstehen, was Sie dagegen tun können und wie man Mandelsteine selbst entfernen kann, lesen Sie im Folgenden.

Was sind Mandelsteine?

Mandelsteine sind kleine weiß-gelblich, manchmal krümelige Klümpchen, die in den Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae) oder Rachenmandeln (Tonsillae pharyngeales) entstehen. Sie werden auch als Tonsillensteine oder Tonsillolithe bezeichnet, da die Mandeln auch Tonsillen genannt werden.

Die Mandelsteine bestehen in der Regel aus Speiseresten, Zellen der Mundschleimhaut und Bakterien. Werden sie zerdrückt, verströmen einen penetranten, üblen Geruch und können der Grund für Mundgeruch (fachsprachlich als Foetor ex ore oder Halitosis bezeichnet) sein. Mandelsteine sind in der Regel vollkommen ungefährlich und können leicht entfernt werden.

Wie entstehen Mandelsteine?

Fast die Hälfte aller Menschen hat früher oder später einmal im Leben Mandelsteine. Ihre Entstehung ist bis zu einem gewissen Maße also normal.

Die Masse, aus der Mandelsteine bestehen, entsteht aus Resten unserer zerkauten Nahrung, die mit Bakterien und den körpereignen Zellen vermischt wird. Mediziner bezeichnen diese Mischung als Detritus. Während des Kauens werden diese Speisereste in die Furchen der Mandeloberfäche gedrückt. Diese werden auch Krypten genannt und reichen bis in die Tiefe der Mandeln hinein.

Im Mandelgewebe befinden sich viele weiße Blutkörperchen, die Teil des Immunsystems unseres Körpers sind. So findet der Erstkontakt des Immunsystems mit dem Speisebrei und den darin enthaltenen Bakterien in den Mandeln statt. Nach einer gewissen Zeit wird der Detritus wieder aus den Tonsillen gedrückt und anschließend heruntergeschluckt – dabei handelt es sich um einen ganz normalen Vorgang.

Hin und wieder verkalkt dieser Detritus jedoch und erscheint an der Oberfläche der Tonsillenkrypten als Mandelsteine. Die Mineralien, die zur Verkalkung führen, stammen aus der zerkauten Nahrung. Gemeinsam mit ihnen bildet der Speisebrei eine feste, mürbe Konsistenz und haftet dann in Form kleiner Klümpchen an den Mandeln.

Mandelsteine (Infografik)

Mandelsteine – © iStock.com/VectorMine

Ursachen: Wieso bekommt man Mandelsteine?

Mandelsteine haben nicht immer eindeutige Ursachen. Es gibt jedoch einige Faktoren, die dazu beitragen, dass sich Mandelsteine bilden. Da Mandelsteine in den Krypten der Tonsillen entstehen, haben Menschen, die tiefere und breitere Krypten haben, eher eine Tendenz, Mandelsteine zu entwickeln. Außerdem wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, an Mandelsteinen zu leiden, mit der Häufigkeit der bereits durchlebten Mandelentzündungen steigt.

Nach einem Infekt kann auch die Selbstreinigungsfähigkeit der Krypten unter Umständen eingeschränkt sein, und so zu längerer Einlagerung des Detritus und dadurch zu Tonsillensteinen führen. Mandelsteine können jedoch auch ein Zeichnen für ein aktiveres Immunsystem sein, da mehr weiße Blutkörperchen aktiviert werden und in die Krypten wandern, wodurch der Detritus an Masse zunimmt und zähflüssiger wird.

Symptome: Wie kann man Mandelsteine erkennen?

Mandelsteine werden entweder vom behandelnden Arzt oder von den Betroffenen selbst bei der Betrachtung des Mundraumes entdeckt. Sie können sich als weiß-gelbe Klumpen auf den Mandeln zeigen, die bei weit geöffnetem Mund sichtbar werden.

Häufig sind Mandelsteine auch ein Zufallsbefund bei CT-Aufnahmen (Computertomografie) des Schädels oder Orthopantomogrammen (Panorama-Röntgen-Aufnahme des Ober- und Unterkiefers). In diesem Fall müssen sie unter anderem von Verkalkungen der umliegenden Arterien, der Speicheldrüse oder von bösartigen Tumoren abgegrenzt werden.

In einigen Fällen werden Mandelsteine auch entdeckt, weil sie Symptome verursachen. Folgende Beschwerden sind in Verbindung mit Mandelsteinen bekannt:

  • Mundgeruch
  • Fremdkörpergefühl im Rachen
  • Räusperzwang
  • Ohrenschmerzen

Meistens sind Mandelsteine jedoch asymptomatisch, das heißt sie lösen keine Beschwerden aus.

Sind Mandelsteine immer sichtbar?

Mandelsteine werden erst sichtbar, wenn sie an die Oberfläche der Krypten treten. Sie werden aber in der Regel erst bei ausgiebiger Inspektion der Mundhöhle durch die betroffene Person selbst entdeckt, fallen also in der Regel nicht zufällig ins Auge.

Meistens erfolgt die Untersuchung des Mundraums erst infolge der Beschwerden, die von den Mandelsteinen ausgelöst werden. Vor allem bei Mundgeruch ist der Leidensdruck besonders hoch und bewegt die Betroffenen am ehesten, den Arzt aufzusuchen.

Mandelsteine oder Eiter auf den Mandeln – wie unterscheidet man das?

Häufig werden Mandelsteine und Mandelentzündungen (Tonsillitis) miteinander verwechselt. Die Eiterauflagerungen (Stippchen) einer Mandelentzündung erinnern stark an die Mandelsteine, und besitzen auch eine weißlich bis gelbliche Färbung. Eine Mandelentzündung geht aber meistens mit folgenden Symptomen einher, die bei Mandelsteinen nicht auftreten:

  • Halsschmerzen
  • Lymphknotenschwellung
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Rötung der Mandeln
  • Schwellungen der Mandeln

Gehäuft auftretende Mandelentzündungen begünstigen jedoch die Bildung von Mandelsteinen.

Sind Mandelsteine gefährlich?

In der Regel sind Mandelsteine ungefährlich, da sie sich leicht von selbst lösen und selten Symptome oder Komplikationen verursachen. Die häufigste Komplikation sind wiederholte Rachenentzündungen. In seltenen Fällen kann es auch zu peritonsillären Abszessen (Abszessbildung in der Gaumenmandel) und Lungenkomplikationen durch Verschlucken der Mandelsteine kommen.

Was tun gegen Mandelsteine?

Grundsätzlich müssen Mandelsteine nicht behandelt werden. Bei Beschwerden können sie aber ohne Bedenken entfernt werden. Hierbei unterscheidet man Methoden zur Eigenbehandlung und Methoden, die ärztlichem Fachpersonal vorbehalten sein sollten, da die Verletzungsgefahr bei diesen Behandlungsmethoden sehr hoch ist.

Mandelsteine selbst entfernen

Zur Eigenbehandlung der Mandelsteine können folgende Methoden und Hausmittel angewendet werden:

  • Dehnung der Kehle
  • direkte Entfernung, zum Beispiel mit der Zahnbürste
  • Absaugen durch Pipetten
  • Munddusche
  • Gurgeln

Mandelsteine entfernen durch Dehnung der Kehle

Durch einfaches Heben des Kopfes können die Kehle gedehnt und die Mandelsteine damit aus den Krypten gedrückt werden. Dieses Vorgehen hat die geringste Verletzungsgefahr und sollte daher immer zuerst durchgeführt werden.

Manche Menschen können sogar beim Schlucken mit geschlossenem Mund genügend Unterdruck aufbauen, um die Mandelsteine aus den Krypten zu saugen.

Mandelsteine loswerden mit Zahnbürste & Co.

Ist der Würgereflex nicht so stark ausgeprägt, können Mandelsteine auch mit einem Zahnbürstenstiel, einem Wattestäbchen, einem Holzspatel, dem eigenen Finger oder der Zungenwurzel entfernt werden. Dabei werden die Tonsillen in einer Aufwärtsbewegung massiert, sodass die Tonsillolithe aus den Krypten gedrückt werden.

Pipette zum Entfernen der Mandelsteine

Die Mandelsteine können auch mithilfe einer gebogenen Pipette aus den Tonsillen entfernt werden. Die gebogene Pipette wird auf die Mandeln aufgesetzt und die Mandelsteine werden mit Unterdruck aus den Krypten herausgesaugt. Diese Methode wird häufig von Ärzten angewendet, ist aber auch als Eigenbehandlung unbedenklich durchführbar.

Mandelsteine entfernen mit der Munddusche

Eine anderes Mittel gegen Mandelsteine ist die Munddusche. Bei dieser Methode wird mithilfe einer Pumpe ein Wasserstrahl erzeugt. In der Regel wird die Munddusche für die Mundpflege nach dem Zähneputzen genutzt. Mit niedrig eingestelltem Wasserdruck kann sie aber auch zur Entfernung von Mandelsteinen genutzt werden. Dabei werden die Krypten mit dem Wasserstrahl gespült. Empfohlen wird hierbei die Verwendung einer Salzwasserlösung.

Gurgeln: Mandelsteine entfernen ohne Würgen

Bei starkem Würgereiz ist eine direkte mechanische Entfernung oder eine Massage der Tonsillen mit einer Munddusche sehr unangenehm. Hier bietet es sich an, die bereits genannte Dehnung der Kehle zu versuchen oder mit antibakterieller Lösung oder Tees zu gurgeln. Es eignen sich Kräutertees wie zum Beispiel Salbei, Kamille, Wurzeleibisch oder Johanniskraut.

Ärztliche Behandlungsmethoden von Mandelsteinen

Folgende Behandlungsmethoden sollten dem ärztlichen Fachpersonal vorbehalten sein:

Roederbehandlung: Mandelsteine mit dem Saugglas entfernen

Die Roederbehandlung oder das Rödern ist eine alternativmedizinische Methode, die die Selbstreinigung der Tonsillen unterstützen soll. Zunächst werden mit einer Glasglocke (Rödersaugglas) die vorhandenen Mandelsteine aus den Mandeln gesaugt. Anschließend werden die Mandeln mit einem wattierten Haken oder einem mit Watte ummanteltem Finger massiert. Kombiniert wird dieses Verfahren auch gerne mit Mandelspülungen oder Kräutertees zum Gurgeln, um kleinere tiefsitzende Mandelsteine herauszuspülen.

Homöopathie: Stärkung des Immunsystems

In der Homöopathie werden Mandelsteine durch immunstärkende Mittel behandelt. Dabei werden unterschiedliche Pflanzenextrakte verwendet. Für die Behandlung von Mandelsteinen eignen sich der Sonnenhut, das Gift der Honigbiene und die schwarze Tollkirsche. Empfehlenswert ist eine Behandlung durch einen kundigen Homöopathen, da manche der verwendeten Stoffe in höheren Dosen gesundheitsschädigend sein können.

Kürettage zum Ablösen der Tonsillensteine

HNO-Ärzte nutzen häufig die Kürettage zur Entfernung von Mandelsteinen. Hier werden mit einem gebogenen Draht, der Kürette, die Mandelsteine vorsichtig von den Tonsillen abgelöst. Um auch die kleineren Steine mit herauszulösen, werden im Anschluss die Krypten der Tonsillen mit Wasser ausgespült. 

Laserkryptolyse unter Betäubung

Bei der Laserkryptolyse handelt es sich um ein Verfahren, bei dem die Oberflächen der Tonsillen verdampft und die Kanten der Krypten geglättet werden. So wird die Ansammlung von Detritus erschwert und die Selbstreinigungsfunktion der Mandeln erleichtert. Die Laserkryptolyse wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Mandelsteine operativ entfernen

Operativ werden Mandelsteinen nur selten entfernt. Eine OP ist nur erforderlich, wenn die Tonsillolithe schwere Beschwerden auslösen, beziehungsweise alle anderen Behandlungsansätze fehlgeschlagen sind. Häufiger sind wiederholte Mandelentzündungen der Grund für die Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie), wodurch bei vollständiger Entfernung der Mandeln auch keine Mandelsteine mehr entstehen können.

Die bloße Diagnose Mandelsteine stellt also keine Indikation für eine OP dar. 

Können Mandelsteine von selbst verschwinden?

Auch ohne eine Behandlung können Mandelsteine durchaus von selbst verschwinden. Oft treten sie nach der Entfernung jedoch wieder auf, was sehr frustrierend für die Betroffenen sein kann, da die Behandlung immer wieder durchgeführt werden muss. 

Vorbeugen: Was hilft gegen Mandelsteine?

Mandelsteine lassen sich nicht völlig vermeiden. Vorsorglich können jedoch folgende Maßnahmen ergriffen werden, um Mandelsteinen vorzubeugen:

  • Zähneputzen: Regelmäßiges Zähneputzen reinigt die Mundhöhle von Bakterien und hilft so auch, die Häufigkeit von Mandelsteinen zu verringern.
  • Gurgeln: Gurgeln mit Spülungen und Tees kann auch präventiv helfen, da sie förderlich für die Mundhygiene sind. Hier eignen sich wieder die schon genannten Kräutertees.
ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
J35.8

Aktualisiert: 19.10.2020 - Autor: Julia Scheuble, Studentin der Humanmedizin

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