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Zahnimplantate – Ein Übel an der Wurzel packen

Zahnarzt kontrolliert Zahnimplantate © istockphoto, vadimguzhva

Keine Kronen mehr, keine lockeren Zahnprothesen, dritte Zähne so fest wie die eigenen – die Aussichten klingen verlockend. Doch wie läuft solch eine Behandlung ab? Kann jeder Zahnimplantate bekommen? Welche Risiken bestehen und überhaupt – wie teuer sind Implantate? Maria K. hat ein Problem: Karies hat ihren vorletzten Backenzahn im Unterkiefer so sehr zerstört, dass eine Krone nicht mehr in Frage kommt. Der Zahnarzt schlägt vor, eine Brücke einzusetzen. Doch dafür müssen die beiden noch gesunden Nachbarzähne abgeschliffen und überkront werden, denn sie sollen den Brückenpfeiler für den fehlenden Zahn bilden. Die Alternative: ein Zahnimplantat. Damit könnten die gesunden Zähne geschont werden, die Lücke wäre geschlossen. Zahnimplantate sind künstliche Zahnwurzeln, die in den Kieferknochen regelrecht eingepflanzt werden.

Wurzeln aus Titan tragen den Zahnersatz

Diese künstlichen Wurzeln lassen das Herz jedes Heimwerkers höher schlagen – sie sehen nämlich aus wie Schrauben, Zylinder oder Dübel. Gefertigt werden die Implantate aus Titan, einem besonders gut verträglichen, widerstandsfähigen Metall, das sich in der Medizin schon seit längerer Zeit etwa für künstliche Gelenke bewährt hat. Schon in der griechischen Mythologie war einer der Titanen, der Riese Atlas, für seine Stärke berühmt, immerhin trug er das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern.

Und so tragen die Titanimplantate den Zahnersatz, meistens Kronen, aber auch Brücken, wenn mehr als zwei fehlende Zähne eine Lücke bilden. Sie können sogar Zahnprothesen sicher verankern. Die Implantate sitzen deshalb so fest, weil sie mit dem Kieferknochen quasi verwachsen.

Implantate verhindern Knochenschwund

Abgesehen von der Tatsache, dass diese dritten Zähne absolut fest sitzen, gibt es noch einen ganz entscheidenden Pluspunkt für Implantate: Sie verhindern den Knochenschwund (Atropie), denn ein nicht mehr belasteter Knochen bildet sich zurück. Wenn also ein oder mehrere Zähne fehlen und noch dazu bei schlecht sitzenden Prothesen die Knochen gar nicht mehr belastet werden, dann werden Wangen und Lippen irgendwann nicht mehr durch Kochen gestützt und man sieht eingefallen aus. Schließlich entlasten Implantate die noch vorhandenen Zähne, denn sie können, da sie ja fest sitzen, wie natürliche Zähne belastet werden.

Schmerzen und Komplikationen

Nachdem der Zahnarzt den Kieferknochen freigelegt und ein Loch hineingefräst hat, wird das Implantat eingesetzt. Die Knochensubstanz wächst zu und umschließt das Implantat. Diese Einheilzeit kann zwischen sechs Wochen und neun Monaten dauern, dann wird bei dieser häufigen sogenannten zweiphasigen Methode der Zahnersatz auf dem Implantat befestigt, meist verschraubt. Die Behandlung selbst hört sich schlimmer an als sie tatsächlich ist.

Das Einfräsen des Loches und das Einsetzen des Implantates erfolgen ambulant, eine örtliche Betäubung reicht aus. Bei der zweiphasigen Methode wird das Zahnfleisch über dem Implantat wieder zugenäht und später erneut aufgeschnitten, um eine Art Pfosten, der das Zahnfleisch formt, aufzusetzen. Bei der einphasigen Methode erfolgt dies alles in einem Arbeitsgang. Schmerzen verspürt der Patient nur in der Mundschleimhaut , doch nach einigen Tagen heilt sie schnell ab. Komplikationen wie starke Blutungen oder Schwellungen sind selten. Wird nach der Behandlung das Zahnfleisch gut gekühlt, gehen die Schwellungen meist sehr schnell zurück.

Allerdings kann es zwischen Implantat und Zahnfleisch zu bakteriellen Infektionen kommen. Daher ist eine besonders sorgfältige Mundhygiene sehr wichtig. Dies gilt auch dann, wenn das Implantat eingeheilt ist und der Zahnersatz aufgesetzt wurde. Zahnbelag gefährdet die implantierten Zähne nämlich ebenso wie die eigenen Zähne. Ein halbjährlicher Besuch beim Zahnarzt muss also sein. Wenn alles gut geht, hält so ein Implantat mindestens zehn Jahre und länger.

Keine Implantate bei schweren Erkrankungen

Grundsätzlich kann jeder Patient Zahnimplantate bekommen, eine Altersgrenze gibt es nicht. Statistiken zufolge werden pro Jahr in Deutschland etwa 450 000 Implantate eingesetzt. Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv. Implantate sind weniger geeignet für Patienten mit einer herabgesetzten Immunabwehr z.B. während einer Kortisontherapie, bei schweren Herzerkrankungen, mit einer fortgeschrittenen Osteoporose, erhöhter Blutungsneigung oder nicht medikamentös eingestellter Diabetes. Sie sollten sich gründlich beim Facharzt vor einer solchen Zahnbehandlung informieren.

Im Unterkiefer ist das Einsetzen eines Implantats meist unproblematisch, denn hier ist normalerweise genügend dichte Knochenmasse vorhanden, um ein Implantat zu stützen. Im Oberkiefer ist der Knochen weniger dicht. So kann es sogar notwendig werden, Knochen aus dem Unterkiefer oder dem Beckenbereich zu entnehmen und an die gewünschte Stelle im Kiefer einzubringen.

Aktualisiert: 24.07.2014 – Autor: proDente / Überarbeitung: Nathalie Blanck

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