Nierenschmerzen: Welche Ursache steckt dahinter?

Nierenschmerzen können ganz unterschiedliche Erkrankungen zur Ursache haben. Häufig werden schmerzende Nieren auch mit Unterleibsschmerzen oder Rückenschmerzen verwechselt. Die Nieren liegen rechts und links der Wirbelsäule, etwa zwei bis drei Fingerbreit über dem Beckenkamm und auf Höhe der untersten Rippen. Schmerzen die Nieren, reagiert dieser Bereich auf einen leichten Schlag empfindlich.

Wo die Nierenschmerzen genau auftreten (rechts, links oder beidseitig) gibt dabei weniger Auskunft über die Ursache als die verschiedenen Begleitsymptome, wie Fieber, Übelkeit oder Blut im Urin. Diese Symptome können dazu beitragen, die Ursache richtig zu deuten.

Unsere Fotostrecke liefert dazu eine Hilfestellung, kann jedoch keine ärztliche Diagnose ersetzen. Wenn Sie eine Nierenkrankheit bei sich vermuten, sollten Sie in jedem Fall dringend einen Arzt aufsuchen, da die entsprechenden Erkrankungen schwerwiegend sein können.

Weiterlesen

Nierenbeckenentzündung

Frau mit Nierenbeckenentzündung (anatomische Darstellung der Nieren) © mi-viri/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
1|9

Ist das Nierenbindegewebe entzündet, beispielsweise aufgrund einer bakteriellen Infektion, kommt es zu starken Nierenschmerzen. Je nachdem, ob nur eine oder beide Nieren betroffen sind, treten die Nierenschmerzen rechts, links oder auf beiden Seiten auf.

Ein typisches Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist außerdem abrupt auftretendes, hohes Fieber, teilweise begleitet von Schüttelfrost. Zudem kommt es zu gesteigertem Harndrang, wobei das Urinieren erschwert und von Schmerzen begleitet ist. Eine Nierenbeckenentzündung wird häufig durch eine vorangegangene Harnröhren- oder Blasenentzündung ausgelöst.

Da die Harnröhre bei Frauen deutlich kürzer (und somit anfälliger für eindringende Erreger) ist als bei Männern, sind Frauen auch öfter von einer Nierenbeckenentzündung betroffen.

Glomerulonephritis

Mann mit Glomerulonephritis beim Arzt © Djelics/E+ via Getty Images
2|9

Neben der Nierenbeckenentzündung gehört die Glomerulonephritis zu den Nierenentzündungen. Dabei sind die Nierenkörperchen von der Entzündung betroffen. Diese filtern Abfallstoffe aus dem Blut. Liegt eine Glomerulonephritis vor, ist diese Funktion beeinträchtigt. Ausgelöst wird die Entzündung vermutlich durch Ablagerungen von Antikörpern an den Nierenkörperchen. Die Entzündung tritt daher häufig als Folge einer vorangehenden Infektion auf.

Neben Nierenschmerzen können als Symptome Bluthochdruck (häufig begleitet von Kopfschmerzen), Blut im Urin, grippeartige Beschwerden und Wasseransammlungen (Ödeme), vor allem an Waden und Augenlidern, auftreten.

Akutes Nierenversagen

Mann mit akutem Nierenversagen im Krankenhaus © alvarez/E+ via Getty Images
3|9

Ein akutes Nierenversagen, auch akute Niereninsuffizienz genannt, kann mit Nierenschmerzen einhergehen. Auch Bauch- und Unterleibsschmerzen sind ein häufiges Symptom. Zudem können Abgeschlagenheit, Fieber und Übelkeit mit Erbrechen auftreten. Ein weiteres häufiges Anzeichen ist eine verminderte Harnmenge. Bei einer Menge von unter 500 Millilitern pro Tag spricht man von Oligurie, bei weniger als 100 Millilitern von Anurie. Gegebenenfalls kann die Harnproduktion auch völlig ausbleiben. Dadurch kommt es zu Wasseransammlungen in den Beinen oder im schlimmsten Fall in der Lunge.

Je nach zugrunde liegender Ursache müssen nicht alle Symptome auftreten. Auch die Intensität kann sich unterscheiden. Die Beschwerden entwickeln sich beim akuten Nierenversagen innerhalb von Stunden oder Tagen. Bei Verdacht auf akutes Nierenversagen sollte in jedem Fall schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht oder bei bereits vorliegenden starken Symptomen der Notarzt alarmiert werden. Häufig tritt akutes Nierenversagen jedoch bei Patienten auf, die sich bereits in intensivmedizinischer Behandlung befinden.

Chronisches Nierenversagen

Frau mit chronischem Nierenversagen hat Schmerzen © RobertoDavid/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
4|9

Bei chronischem Nierenversagen, beziehungsweise chronischer Niereninsuffizienz, kommt es im Laufe mehrerer Jahre zu einer Abnahme der Nierenfunktion. Ausgelöst wird diese durch eine Vorerkrankung, wie beispielsweise Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Steht am Anfang der Erkrankung noch vermehrter Harndrang (auch nachts) als Symptom im Vordergrund, kommt es im späteren Krankheitsverlauf zu Beschwerden wie Nierenschmerzen, einer Abnahme der Harnmenge, Müdigkeit, Erbrechen, Übelkeit und Wasseransammlungen (Ödeme). Auch Durchfall, Juckreiz oder nächtliche Unruhe und vor das ruhelose Beine Syndrom (Restless-Legs-Syndrom) können auftreten.

Nierensteine und Nierengrieß

Frau mit Nierensteinen beim Ultraschall © iStock.com/endopack
5|9

In welcher Intensität Nierensteine Nierenschmerzen auslösen, hängt ganz von ihrer Größe und Lage ab. Sind die Steine kleiner, spricht man von Nierengrieß. Dieser kann sich durch leichtes Ziehen im Bereich der Nieren oder kleinere Mengen von Blut im Urin bemerkbar machen.

Bei größeren Nierensteinen kann es zu heftigen Schmerzen kommen, wenn die Steine den Harndurchfluss innerhalb der Harnwege blockieren. Eine Nierenkolik kann die Folge sein. Ein Arzt stellt Nierensteine mittels Ultraschall fest.

Nierenkolik

Frau mit Nierenkolik hat Schmerzen © iStock.com/Deagreez
6|9

Größere Nierensteine können eine Nierenkolik verursachen, wenn sie den Harndurchfluss durch die Harnwege verhindern. Kommt es zu einer Nierenkolik, treten plötzlich wellenartige, stechende und heftige Nierenschmerzen auf, die bis in die Oberschenkel ausstrahlen können.

Zusätzlich leiden Betroffene an Übelkeit, Erbrechen und Angstzuständen. Die Beschwerden können nur wenige Minuten dauern, aber auch über einige Stunden anhalten. Bei Verdacht auf eine Nierenkolik sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden, um bleibende Nierenschäden zu verhindern.

Nierenkrebs

Mann mit Nierenkrebs hat Schmerzen © izusek/E+ via Getty Images
7|9

Nierenschmerzen können in seltenen Fällen auch ein Symptom für Nierenkrebs sein. Häufig treten die Nierenschmerzen dann einseitig auf und es kommt (im späteren Stadium) zu einer Schwellung an der betroffenen Stelle, die sich ertasten lässt. Weitere Anzeichen für Nierenkrebs sind Blut im Urin, geschwollene Beine oder neu aufgetretener Bluthochdruck. Auch unspezifische Symptome, wie Müdigkeit, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust können auf Nierenkrebs hindeuten.

Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung

Kind mit ADPKD beim Arzt © KuznetsovDmitry/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
8|9

Eine Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die zur Bildung von mit Flüssigkeit gefüllten Zysten in der Niere führt. In den meisten Fällen wird sie bereits nach der Geburt oder im frühen Kindesalter diagnostiziert.

Chronische Nierenschmerzen sind hierbei ein häufiges Symptom. Auch Blut im Urin und Bluthochdruck können Anzeichen für eine ADPKD sein. Betroffene leiden zudem häufiger an Nierensteinen und Harnwegsinfektionen, wie einer Blasenentzündung.

Nierenschmerzen in der Schwangerschaft

Schwangere Frau hat Nierenschmerzen © damircudic/E+ via Getty Images
9|9

Treten in der Schwangerschaft Nierenschmerzen auf, kann ein sogenannter Nierenstau dahinterstecken. Die Beschwerden können einseitig oder beidseitig auftreten. Auslöser ist die in der Schwangerschaft erhöhte Menge an Körperflüssigkeit, die als Harn nur langsam von den Nieren in die Blase weitergeleitet wird. Staut sich eine größere Menge an Harn in das Nierenbeckensystem zurück, ist von einem Nierenstau die Rede.

Leichtere Formen haben keinen Krankheitswert und verlaufen oft symptomfrei. Sind die Schmerzen jedoch stark und kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Blut im Urin, sollte dringend ein Arzt konsultiert werden.

Aktualisiert: 05.05.2021 - Autor: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin