Alkohol – Die Leber trägt die Hauptlast

Alkoholisierter Mann in Bar © Karolina Grabowska / Kaboompics

Alkohol ist die Volksdroge Nr. 1. Jeder Deutsche nimmt jährlich im Schnitt 138,4 Liter alkoholische Getränke zu sich. Das schadet dem Körper in vielfacher Weise, besonders betroffen ist jedoch die Leber als zentrales Organ des Alkoholabbaus. Von einem Alkoholmissbrauch spricht man, wenn regelmäßig sehr große Mengen Alkohol getrunken werden, jedoch keine Abhängigkeit von der Substanz besteht. Bei einer Alkoholabhängigkeit ist man von der Substanz Alkohol körperlich und/oder seelisch abhängig. Alkoholismus ist eine Krankheit. Sie tritt nie plötzlich auf, vielmehr ist die Entwicklung dort hin in der Regel ein länger dauernder Prozess. Schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen sind in Deutschland alkoholabhängig, weitere acht Millionen betreiben zumindest Alkoholmissbrauch. Immerhin 74.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen dieses Missbrauchs.

Alkohol ist ein Zellgift!

Alkohol, Ethanol oder C2H5OH ist die wichtigste toxische Substanz in gegorenen Getränken. Regelmäßiger Alkoholkonsum verursacht sowohl körperliche als auch psychische Schäden. Die Leber ist dabei das zentrale Organ des Alkoholabbaus und deshalb in hohem Maße von übermäßigern Alkoholkonsum betroffen. Eine Leberschädigung ist das häufigste Resultat von fortgesetztem Alkoholkonsum. Allerdings stehen nicht alle alkoholbedingten Erkrankungen und Todesfälle im Zusammenhang mit der Leber.

Was passiert in der Leber?

Nur etwa 10 Prozent des eingenommenen Alkohols wird unverändert durch Niere und Lunge ausgeschieden, etwa 90 Prozent wird in der Leber abgebaut. Hier laufen eine Vielzahl von biochemischen Prozessen ab. So ist ein wichtiger Prozess die Umwandlung von Alkohol in Acetaldehyd. Acetaldehyd in großen Mengen schädigt jedoch die Zellfunktion der Leber und ist im Übrigen auch verantwortlich für den Kater am Morgen danach.

Des Weiteren kommt es zu einer Einschränkung des Fettsäureabbaus und gleichzeitigen Erhöhung der Neusynthese von Fettsäuren. Diese Fettsäuren werden in den Zellen der Leber abgelagert – sie verfettet sozusagen. Später kommt es dann zur Fettleber-Hepatitis und in der Folge durch Zerstörung der Läppchenstruktur der Leber zur Leberzirrhose.

Welche alkoholbedingten Erkrankungen der Leber gibt es?

  • Fettleber: Die alkoholbedingte Fettleber stellt das frühe Stadium alkoholbedingter Lebererkrankungen dar. Das nicht abgebaute Fett (s. oben) lagert sich in der Leber an und führt allmählich zu der Alkoholfettleber. Bei Alkoholverzicht bilden sich die Veränderungen jedoch wieder zurück.
  • Eine Alkoholhepatitis entsteht dann, wenn eine schon bestehende Fettleber durch massiven Alkoholkonsum weiter stark belastet wird. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu Schmerzen, grippeähnlichen Beschwerden, Verdauungsstörungen und der Gelbsucht.
  • Leberzirrhose: Die alkoholbedingte Leberzirrhose kann besonders im Frühstadium beschwerdefrei verlaufen, führt aber zu irreversiblen Veränderungen des Lebergewebes durch Umwandlung in Bindegewebe. Diese Erkrankung ist unheilbar.

Ein Glas Wein für Frauen - zwei für Männer

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung alkoholbedingter Lebererkrankungen ist ein vernünftiger Umgang mit Alkohol. Als moderater Alkoholkonsum gilt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein täglicher Alkoholkonsum von bis zu 10 g bei Frauen und bis zu 20 g bei Männern. 10 g Alkohol entsprechen etwa 0,1 Liter Wein oder 0,25 Liter Bier. Wer diese Mengen überschreitet, bei dem steigt das Risiko für Alkoholfolgeerkrankungen der Leber deutlich an.

Die WHO empfiehlt außerdem, pro Woche mindestens 1 bis 3 alkoholfreie Tage einzulegen. Der Umgang mit dem Alkohol spielt auch bei der Therapie eine entscheidende Rolle. Personen, die unter einer Fettleber, Alkoholhepatitis oder einer Leberzirrhose leiden, sollten abstinent leben. Während sich eine Fettleber und eine AIkoholhepatitis dadurch beheben lassen, sind die Veränderungen der Leber bei einer Zirrhose allerdings nicht mehr reversibel. So weit sollte man es daher gar nicht erst kommen lassen.

Der Kater danach ...

Da das Gefühl nach reichlich Alkohol ähnlich unangenehm wie ein Katarrh ist, bezeichneten Studenten im 19. Jahrhundert den alkoholischen Nach-Rausch als "Kater". Ein Kater geht mit einem massiven Bedürfnis nach Flüssigkeit einher.

Dies kommt daher, dass der Alkohol unserem Körper Wasser entzieht. Manche Getränke enthalten außerdem auch Fuselöle, die die Leber in giftige Stoffe umwandeln kann. So brummt der Schädel auch dann oft noch, wenn man bereits nüchtern ist.

Geschichte des Alkohols

Alkoholische Getränke sind keine "Erfindung" der Neuzeit, im Gegenteil - als Nahrungs-, Genuss- und Rauschmittel haben alkoholische Getränke eine jahrtausendealte Tradition. Die ältesten Aufzeichnungen finden sich bei den Sumerern (ca. 5000 v. Chr.).

In Ägypten entstand dann um 3700 v.Chr. die erste Bierbrauerei. Bier galt als Grundnahrungsmittel und wurde auch als Zahlungsmittel verwendet. So erhielten zum Beispiel Beamte und Sklaven einen Teil ihres Gehalts in Bier ausbezahlt. Auch Wein war den alten Ägyptern offenbar bekannt. Erst vor kurzem konnten Wissenschaftler Reste von Wein in der Grabkammer Tutenchamuns nachweisen.

Die erste Destillation, also die Trennung flüssiger Stoffe durch Verdampfung und Wiederverflüssigung, fand im arabischen Raum ca. 700 n. Chr. statt. Damit war die Herstellung höherprozentiger alkoholischer Getränke möglich. Erst im 11. Jahrhundert gelangte diese Methode nach Europa. So waren dann im Mittelalter Klöster wichtige Orte der Bier- und Weinherstellung.

Aktualisiert: 26.01.2017

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