Drogenberatung bei Drogensucht

Drogensüchtige Frau bei der Drogenberatung © istockphoto, Minerva Studio

Jährlich gibt es rund 20 000 neue Drogenkonsumenten in Deutschland; gleichzeitig starben im Jahr 2009 1331 Menschen an den Folgen von Rauschgift (Quelle: BKA). Wer einmal zu einer harten Droge gegriffen hat, schafft es oft nicht mehr, davon loszukommen. Doch auch bei den legalen Drogen wie Alkohol oder Nikotin sind die Zahlen von Abhängigen erschreckend. Wenngleich deren Konsum nicht sofort abhängig macht, ist der Weg in die Sucht doch schneller, als es viele vermuten. Unabhängig von der Art der Droge gilt: Drogensucht ist eine Krankheit wie viele andere und kann dementsprechend nur mit professioneller Hilfe überwunden werden.

Definition Drogensucht

Als Sucht definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen „Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge“. Dazu gehören:

  • das unbezwingbare Verlangen, das jeweilige Mittel einzunehmen und zu beschaffen
  • eine Tendenz zur Dosissteigerung
  • psychische und oft auch körperliche Abhängigkeit von der Wirkung der Droge
  • die Schädlichkeit für den Einzelnen oder die Gesellschaft
  • der Verlust der Kontrolle über das eigene Verhalten

Drogensucht als gesellschaftliches Phänomen

Die Frage, ob und warum jemand drogensüchtig wird, ist schwer zu beantworten. Die Drogenproblematik zieht sich weltweit durch alle Bevölkerungsschichten. Zu Drogen zählen beispielsweise Cannabis, Amphetamine, Kokain, Alkohol oder Ecstasy. Ebenso gibt es verschiedenste Gründe, warum Menschen Drogen nehmen. Ob aus Frust, Schmerz, Gruppenzwang, Langeweile, wegen Depressionen oder zur Leistungssteigerung – da jede Droge eine andere Wirkung hat, gibt es auch die unterschiedlichsten Drogenkonsumenten. Sie alle eint jedoch eine Problematik: Sie sind mehr oder weniger bewusst abhängig von einem Stoff, der ihrem Körper und ihrer Psyche schwere Schäden zufügt. Um diese Abhängigkeit zu überwinden, ist professionelle Unterstützung meist unumgänglich.

Verschiedene Formen von Drogenberatung

Der erste Schritt zur Überwindung einer Drogensucht ist die Selbsterkenntnis. Solange ein Süchtiger seine Krankheit nicht als solche erkennt und sich entschließt, sie zu bekämpfen, kann er sie auch nicht überwinden. Denn keine noch so gute Therapie kann die Kraft des eigenen Willens ersetzen. Für Drogenabhängige und ihre Angehörigen gibt es mittlerweile eine breite Palette an Hilfsangeboten. Von ambulanten Beratungsstellen und Behandlungsorten über stationäre Therapie in Krankenhäusern und Kliniken bis hin zu Selbsthilfegruppen kann je nach Schwere der Sucht und Art der Droge jedem Patienten individuell geholfen werden. Viele kirchliche oder allgemeinnützige Stellen bieten sogenannte „Psychosoziale Beratungsstellen“ an. Wer sich erst einmal anonym am Telefon beraten lassen möchte, kann sich auch an die Telefonseelsorge oder an die Bundesweite Sucht- und Drogen-Hotline unter der Nummer 01805 - 31 30 31 wenden. Der Beginn einer Drogentherapie findet in der Regel in einer Beratungsstelle statt. Dort können die Suchtkranken und ihre Angehörigen über ihre Sorgen und Probleme reden und gemeinsam mit dem Berater ein geeignetes Entzugsprogramm erstellen. In manchen Fällen reicht bereits eine ambulante Behandlung, in anderen Fällen ist ein Klinikaufenthalt unumgänglich. Auch betreutes Wohnen in Kurzzeit- oder Langzeiteinrichtungen ist möglich.

Drogenberatung mit Abstinenztherapie

Das Ziel der Drogentherapie ist in jedem Fall die völlige Abstinenz von Drogen, die Wiedereingliederung des Süchtigen in die Gesellschaft, das Wiedererlernen von Alltags- und gesellschaftlichen Strukturen und ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben. Um dies zu erreichen, setzen die meisten Formen der Suchttherapie auf völlige Abstinenz. Dies ist in der modernen Drogenbehandlung jedoch umstritten - nicht nur wegen der körperlichen Schmerzen, die der Entzug den Abhängigen bereitet, sondern auch wegen der hohen Rückfallquote. Da die Betreuung der Suchtkranken nach der Therapie oft mangelhaft ist, fallen etwa 60 bis 80 Prozent schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurück, umgeben sich mit den gleichen falschen Freunden, haben Schwierigkeiten, eine Wohnung oder Arbeit zu finden und greifen daher wieder zu Drogen.

Niederschwellige Suchtberatung

Moderne Programme arbeiten niederschwellig, das heißt, sie zwingen die Therapierten nicht zur völligen Abstinenz. Stattdessen versuchen sie mit Streetworkern, Ersatzstoffbehandlung, medizinischer Unterstützung, Ausgabe von kostenlosen Einwegspritzen und Beratung, die Lebenssituation der Drogenabhängigen zu verbessern und ihnen so den Weg in ein gesünderes, selbstbewussteres Leben zu ebnen. Auf diese Weise wird nicht nur die Ansteckungsgefahr mit Aids oder Hepatitis vermindert, sondern auch die gesundheitliche und hygienische Lage der Suchtkranken verbessert. Den Weg in ein drogenfreies Leben müssen die Abhängigen hier zwar selbst finden, aber die Unterstützung, die sie aus den Beratungsstellen erfahren, kann eine entscheidende Stütze darstellen.

Aktualisiert: 20.06.2011 – Autor: Kristina Klement

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