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Narzissmus

Narzisstische Frau © Angelo Esslinger

Was macht Narzissmus aus und woran erkennt man Narzissten am besten? In ausgewogenem Maße kann Selbstliebe durchaus gesund sein. Selbstliebe in übersteigerter Form bezeichnet man als Narzissmus, in extremer Ausprägung sogar als narzisstische Persönlichkeitsstörung. Der Begriff Narzissmus geht zurück auf die antike griechische Mythologie: Narziss, ein eitler Jüngling, wies die Liebe der Nymphe Echo zurück und wurde dafür von Nemesis, nach anderen Quellen von Aphrodite, bestraft. Die Göttin verdammte ihn zu unstillbarer Selbstliebe. Eine Liebe, an der Narziss letztendlich zugrunde ging.

Narzissmus als Persönlichkeitseigenschaft

Narzissmus als Persönlichkeitseigenschaft ist daher auch in erster Linie durch eine ausgeprägte, übertriebene Selbstliebe gekennzeichnet. Moderat ausgeprägter Narzissmus führt meist zu einer hohen Anspruchshaltung gegenüber sich selbst, die zu außergewöhnlichen Leistungen führen kann.

Narzissten haben häufig eine Neigung zum Besonderen: Sie üben zum Beispiel ein außergewöhnliches Hobby aus, zeigen sich sehr statusbewusst, haben elitäre Umgangsformen oder sind beruflich außerordentlich erfolgreich. Meistens reagieren Narzissten auf Kritik unangemessen gekränkt. Ein mäßig ausgeprägter Narzissmus kann zwar für Familie, Partner und Kollegen des Narzissten anstrengend sein, führt aber nicht unweigerlich zu Problemen. Hier besteht selten behandlungsbedarf.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Narzissmus in extremer Form hingegen kann zu enormen zwischenmenschlichen Problemen führen. Insbesondere in den Bereichen Arbeit, Beziehung, Partnerschaft und Sexualität kommt es bei Narzissmus zu schwerwiegenden Konflikten. Man spricht dann von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Narzissmus: Symptome und Anzeichen

Typische Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind:

  • übertriebene Selbstliebe
  • Vorstellung, grandios und einzigartig zu sein
  • Mangel an Einfühlungsvermögen
  • übermäßige Empfindlichkeit gegenüber Kritik
  • Ausnutzen anderer für eigene Ziele
  • Übertreibung der eigenen Fähigkeiten und Leistungen
  • Suche nach extremer Bewunderung
  • arrogantes, hochmütiges Verhalten
  • häufig schlechtes Selbstwertgefühl

Obwohl narzisstische Persönlichkeiten ausgesprochen souverän und selbstsicher auftreten, sind sie dies selten. Der Narzissmus dient eher zur Kompensation tiefgreifender Minderwertigkeitsgefühle und Unsicherheiten. Narzissten suchen permanent nach Bewunderung und Anerkennung. Sie fühlen sich sehr schnell gekränkt und nie ausreichend wertgeschätzt. Dementsprechend häufig leiden Narzissten an Depressionen. Auch das Suizidrisiko ist erhöht. Narzisstische Männer sind oft von sexuellen Funktionsstörungen betroffen.

Narzissmus: Ursachen und Häufigkeit

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung kommt in der Allgemeinbevölkerung eher selten vor (unter 1%). Bei Patienten in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung schätzt man die Häufigkeit narzisstischer Persönlichkeitsstörungen auf 1-2%. Zum Vergleich: Von einer Borderline Persönlichkeitsstörung sind knapp 15% aller psychiatrischen Patienten betroffen.

Über die Ursachen und die Entstehung von Narzissmus ist nur wenig bekannt. Ein weit verbreitetes Erklärungsmodell nimmt an, dass eine Persönlichkeitsstörung aus einer Interaktion zwischen genetischer Veranlagung und bestimmten Erfahrungen in Kindheit und Jugend entsteht. Eine weitere Theorie besagt, dass der elterliche Erziehungsstil („Du bist etwas besseres“) die Entstehung von Narzissmus begünstigt.

Narzissmus: Therapie und Behandlung

Die Therapie narzisstischer Persönlichkeitsstörungen erfolgt in der Regel durch Psychotherapie. Bei gleichzeitig vorhandenen schweren Depressionen oder Suizidalität können ein stationärer Aufenthalt und eine zusätzliche medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Im Allgemeinen lassen sich sämtliche Persönlichkeitseigenschaften, auch der Narzissmus, nur schwer grundlegend verändern. Bei der Therapie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung wird daher versucht, die aus der Störung resultierenden Probleme bei der Arbeit und in Familie, Beziehung und Partnerschaft zu beheben.

Ansätze in der Verhaltenstherapie versuchen zum Beispiel durch Training sozialer Fertigkeiten Narzissten ein angemessenes Verhalten im Umgang mit anderen zu vermitteln. In Rollenspielen lernen narzisstische Personen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und andere Perspektiven zu übernehmen. Kognitive Ansätze zielen insbesondere auf Denkstile, innere Einstellungen und Überzeugungen ab, die Narzissten im Zwischenmenschlichen so häufig Probleme bereiten.

Aktualisiert: 17.07.2012 – Autor: Dr. Kathrin Holzschneider

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