Biodrogen und Partydrogen: Psychotrips mit Nebenwirkungen

Betrachtet man den unscheinbaren Spitzkegeligen Kahlkopf, so sieht der dünne weißliche Pilz eher harmlos aus – und genau das ist er nicht, ganz im Gegenteil. Er ruft 20 Minuten nach dem Essen Halluzinationen hervor, manchmal sind es farbenfrohe Sinneswahrnehmungen, und manchmal endet der Ausflug in die Drogenwelt in einem Horrortrip. Der Kahlkopf gehört zu den "Zauberpilzen" ("magic mushrooms"), die schon vor Jahren einen Siegeszug in die Partyszene angetreten haben und unter "Kennern" fast so beliebt sind wie Ecstasy.

Drogenkonsum hat eine lange Geschichte

Wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) berichtet ist Drogenkonsum seit Urzeiten in allen Kulturkreisen üblich. Schon vor über 10.000 Jahren nutzen Menschen Pflanzendrogen für Jagd, Krieg, Heilkunst und Rituale. In Südamerika ist der Genuss von Cocablättern seit langem üblich. Rauschpilze hatten bei den Urvölkern einen heiligen Status und wurden noch vor Entdeckung des Alkohols bei spirituellen Zeremonien verwendet.

Relativ neu ist heutzutage der Trend bei jungen Menschen zu "Biodrogen" wie den Zauberpilzen mit ihrer halluzinatorischen Wirkung: Sie sind leicht und billig aus Garten oder Natur zu beschaffen sind und unterliegen noch keinen gesetzlichen Bestimmungen.

Lebensbedrohliche Komplikationen

Rettungsdienste und Kliniken sehen sich zunehmend mit lebensbedrohlichen Komplikationen und schweren psychischen Zuständen nach Biodrogen-Konsum konfrontiert. Problematisch ist bei den häufig als Tees zubereiteten Pflanzen ihr stark schwankender Wirkstoffgehalt. Dosis und Wirkung sind kaum abschätzbar – mit dem Risiko unerwarteter Komplikationen. Die Wirkung der zahlreichen Inhaltsstoffe ist kaum erforscht.

Biodrogen: Zauberpilze & Co.

Zauberpilze gehören zu den Bio- oder Zauberdrogen. Das sind Drogen aus der Pflanzenwelt mit "psychoaktiven" Substanzen – das heißt sie verändern das Bewusstsein, rufen zum Beispiel Halluzinationen hervor. Die Zauberpilze enthalten die beiden Wirkstoffe Psilocybin und Psilocin. Sie schmecken sehr bitter, es können Übelkeit und Magenprobleme auftreten. Nach einiger Zeit kommt ein verändertes Körperempfinden hinzu, Raum- und Zeitgefühl werden anders empfunden, manche erleben Halluzinationen.

Ist die Pilzdosis zu groß, wurden sie nicht bewusst eingenommen oder befindet sich der Konsument in einem problematischem Umfeld werden häufig negative Vorstellungen hervorgerufen:

  • Angst
  • Depression
  • Verwirrtheit
  • ein Verschwimmen von Illusion und Realität

Da das vegetative Nervensystem stimuliert wurde bekommt man weite Pupillen, einen schnellen Herzschlag, hohen Blutdruck und manchmal erhöhten Blutzucker und eine erhöhte Körpertemperatur.

Neben den Zauberpilzen sind Nachtschattengewächse wie das Bilsenkraut – damit, so heißt es bei Shakespeare, wurde Hamlets Vater getötet – mit hohen Wirkstoffgehalten in Mode, außerdem mescalinhaltige Kakteen und sogar Häute exotischer Kröten. Auch die Früchte der Tollkirsche, Stechapfel und Engelstrompete enthalten Substanzen, die auf das Nervensystem wirken.

Bereits niedrige Dosen wirken stark

Biodrogen gelangen, einmal gegessen oder getrunken, schnell ins Gehirn und verursachen Wahnvorstellungen, Unruhe, Träume, Lustgefühle und die Vorstellung, fliegen zu können. "Vom Stechapfel reichen 10, 50 oder 100 Kerne aus um lebensgefährliche Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und Herzrhythmusstörungen auszulösen.

Bei Tollkirschen treten Symptome ab einer Frucht auf. Neben Akutsymptomen wie Erregung, Euphorie, Rausch und Verwirrtheit sind Halluzinationen, Gewalttätigkeit, Kontrollverlust, schwindendes Bewusstsein als besonders lang dauernde psychotische Verläufe gefürchtet," schreibt der NABU.

Gar nicht harmlos: synthetische Partydrogen

Der Begriff Partydroge verharmlost einen scheinbar legalen und ungefährlichen Drogenkonsum, dem immer mehr Jugendliche nachgeben, weil es einfach "cool" ist, Speed, Ecstasy oder Thaipillen zumindest gelegentlich zu genießen. Partydrogen oder Designerdrogen sind synthetische chemische Verbindungen, die aus bekannten Arzneistoffen oder Rauschmitteln entwickelt wurden – manchmal professionell und "sauber", häufig genug mit gefährlichen Streckmitteln gepantscht. Sie scheinen ein harmloses Zusatzmittelchen in einer auf immer neue Erlebnis-Dimensionen ausgerichtete Spaßgesellschaft zu sein.

In der Techno-Szene werden sie zwar als Genussmittel gehandelt, doch in der Konsequenz sind sie nichts anderes als harte Drogen. So gut wie alle Designerdrogen wirken stimmungsaufhellend, stimulierend und euphorisierend. Sie können schwere Psychosen, Gehirnschäden, Depressionen und andere Krankheiten bis hin zum Tod verursachen. Kein Wunder, denn die 100 Millionen Nervenzellen, die die Signale im Gehirn weiterleiten, werden nachhaltig beeinflusst.

Stoffwechselvorgänge steuern ganz unterschiedliche psychische Zustände wie Angst oder Glück, doch bei häufiger Einnahme der Drogensubstanzen geraten Hirn und Psyche aus dem Gleichgewicht. Doch ging es anfangs nur um Genuss oder Spaß, so dienen Drogen bei labilen Menschen nach längerem Konsum immer mehr dazu, Schwächen und Hemmungen oder Schwierigkeiten zu kaschieren. Schließlich kommt man ohne Drogen nicht mehr aus – das sind seelische Entzugssyndrome.

Ecstasy – bunte Pillen

Weit über die Hälfte der Besucher von Technopartys benutzt Ecstasy (E, XTC, MDMA). Die bunten, manchmal phantasievoll bedruckten Pillen gelten als die Glücksbringer in der Szene, da sie den Botenstoff Serotonin, ein Hormon, das auch Appetit und Schlaf, den Sexualtrieb und die Körpertemperatur steuert, freisetzen. MDMA ist die Abkürzung für 3,4-Methylendioxy-methamphetamin. Es erzeugt einen entspannten, euphorischen und wachen Zustand, der normalerweise nicht von Halluzinationen begleitet wird. Stark schwankend sind jedoch die Qualität und Zusammensetzung der Pillen.

Seit 1996 unterliegt Ecstasy dem Betäubungsmittelgesetz. Oft ist die Droge mit weiteren Substanzen vermischt (Fentanyl, Heroin, Kokain, LSD und Strychnin).

Ecstasy: Pillen mit starken Nebenwirkungen

Die Droge schädigt eindeutig die Hirnfunktion. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die eine Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Rainer Thomasius aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt hat. Ein Ergebnis der Studie: Mehr als ein Viertel der Ecstasy-Konsumenten wies psychotische Störungen auf wie Halluzinationen, Personenverkennungen oder Wahnvorstellungen. Hinzu kommen Beziehungsideen, in denen Beziehungen zu Personen oder Gegenständen wahrgenommen werden, die nicht real sind.

Eine bekannte und bedrohliche Nebenwirkung von MDMA besteht in einem massiven Anstieg der Körpertemperatur ("Hyperpyrexie") über 40 Grad. Der Temperaturanstieg ist von Muskelsteifheit, Muskelzerfall und Nierenversagen begleitet. Auch eine frühzeitige intensivmedizinische Behandlung kann den Tod durch Herzversagen nicht immer verhindern.

Manchmal kommt es nach einigen Tagen zu einem "Ecstasy-Kater", der sich in Depressionen, Schlaflosigkeit und Appetitverlust äußert. Hier beginnt nicht selten ein Teufelskreis, denn der Wunsch nach der positiven Stimmung lässt viele Konsumenten zur nächsten Pille greifen.

Amphetamin oder Speed

Speed ist der Modename für Amphetamin oder Methamphetamin. Es gilt als Aufputschmittel und Fitmacher für lange Partynächte. Schon im Krieg, damals unter dem Namen "Weckamin" bekannt, wurde es den Soldaten verabreicht, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Es setzt das Leistungshormon Noradrenalin frei, außerdem Dopamin, das das Selbstwertgefühl steigert. Zu den Spätfolgen der Amphetamine gehört eine extreme psychische Abhängigkeit. Wer das Mittel länger eingenommen hat leidet unter Schlaf- und Ruhelosigkeit. Oft kommen Wahnvorstellungen hinzu. Der chronische Gebrauch kann zu einer schwer therapierbaren Amphetamin-Psychose führen.

Speed erhält man als weißes Pulver, manchmal in Tabletten Form, auch "Thaipille" genannt. Daneben gibt es noch die Variante Kristallspeed, in der 100 Prozent Amphetamin oder Methamphetamin stecken. Methamphetamin ist erheblich stärker als Amphetamin - bis zu 30 Stunden hält die Wirkung an, vier bis sechs Stunden wirkt "normales" Amphetamin. Nach Abklingen der Wirkung wandeln sich die euphorischen Wirkungen oft ins Gegenteil, es kommt zu Depressionen und Aggressionen. Typisch für längeren Konsum ist ein erhöhter Blutdruck in den Lungenarterien, Herzschäden, Gliederschmerzen.

Immer riskant sind der unbekannte Reinheitsgrad und Zusammensetzung der Droge. Oft werden auch Amphetamine mit anderen Drogen kombiniert, um eine stärkere Wirkung zu erhalten. Vor allem die Droge LSD ist oft mit Speed gestreckt.

LSD – Lysergsäurediäthylamid

LSD ist die Abkürzung für den komplizierten Namen Lysergsäurediäthylamid, wobei der Bestandteil Lysergsäure aus dem Mutterkorn, einem giftigen Getreidepilz, gewonnen wird. Es wurde 1938 erstmals von dem Schweizer Chemiker Albert Hofmann hergestellt. Er entdeckte die halluzinogene Wirkung eher zufällig, als er aus Mutterkornalkaloid eigentlich nur ein Kreislaufstimulans entwickeln wollte. LSD ist ein farb- und geruchloses Pulver, das als Lösung auf einen Träger, wie z.B. Löschpapier aufgebracht wird.

Fast immer kommt LSD in Form von harmlos aussehenden Papiertrips ("Trips", "Tickets", "Pappen") oder als Minipillen, die man "Mikros" nennt, auf den Markt. Mikros sind deutlich höher dosiert als die Papierchen. Sobald die Wirkung einsetzt, kann es zu Desorientierung und Gleichgewichtsstörungen, Schweißausbrüchen, Schwindel und Übelkeit kommen. Dabei ist die Reaktionsfähigkeit stark eingeschränkt. Die Pupillen weiten sich, Blutdruck und Temperatur steigen an und die Atmung beschleunigt sich.

Unter LSD kommt es zu Sinnestäuschungen wie sich bewegende Wände, Veränderung des Körperbewusstseins (fliegen können) und des Raum- und Zeitgefühls, Verschwimmen der Grenzen zwischen Person und Umwelt, Euphorie und Gedankensprüngen. Eine große Gefahr: durch die verzerrte Wahrnehmung und Halluzinationen kommt es zu Fehlreaktionen und Unfällen oder selbstzerstörerischen Handlungen.

Horrortrip und Flashbacks mit LSD

LSD ist ein Gefühlsverstärker, daher können Empfindungen, vor allem bei negativer Grundstimmung plötzlich in Angst und Panik umschlagen. So landet man auf dem gefürchteten "Horrortrip". Bei häufigem Konsum kommt es zur Toleranzbildung: die Dosis muss gesteigert werden, damit die gleiche Wirkung eintritt. In Einzelfällen kann es Wochen nach der letzten Einnahme zu sogenannten "Flashbacks" kommen. Ganz plötzlich tritt hier eine sehr unangenehme Rauschwirkung ein, ohne dass LSD konsumiert wurde.

Die größte Gefahr des LSD-Konsums ist das "Hängenbleiben" – das ist eine Drogenpsychose die dazu führt, dass der Konsument zum Beispiel immer wieder Halluzinationen erlebt, obwohl die Wirkung der Droge längst verflogen ist.

Aktualisiert: 15.01.2019 - Autor: bo

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