Rheumatoide Arthritis: Das steckt hinter der Gelenkentzündung

Hände einer Frau mit rheumatoider Arthritis
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Wenn einem die Gelenke schmerzen, fällt schnell der Begriff Rheuma. Dabei umfasst Rheuma mehrere hundert Erkrankungen. Eine der häufigsten Formen ist die rheumatoide Arthritis. Schmerzende und geschwollene Gelenken über sechs Wochen sind dabei die Leitsymptome. Oft sind die Finger und Hände betroffen, die rheumatoide Arthritis kann jedoch auch in anderen Gelenken auftreten. Warum eine frühzeitige Therapie so wichtig ist, welche Rolle Entzündungen in den Gelenken spielen und was die rheumatoide Arthritis von anderen Gelenkerkrankungen unterscheidet, lesen Sie in diesem Artikel.

Was ist rheumatoide Arthritis?

Etwa einer von hundert Menschen wird in seinem Leben an einer rheumatoiden Arthritis erkranken. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, die in ihrem Verlauf fortschreitet und zu immer stärkeren Beschwerden führt. Eine andere Bezeichnung für die Erkrankung ist chronische Polyarthritis.

Gelenke verbinden per Definition zwei Knochen miteinander. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Gelenken. Ihnen gemeinsam ist, dass sie von einer Gelenkinnenhaut (Synovialis) überzogen sind. Die Synovialis produziert die Synovialflüssigkeit, die als "Schmiere" für das Gelenk benötigt wird.

Bei der rheumatoiden Arthritis kommt es durch eine chronische Entzündung zu einer Zerstörung der Gelenkinnenhaut und langfristig auch zur Zerstörung des Gelenks.

Ursachen: Wie entsteht eine rheumatoide Arthritis?

Die genaue Ursache der rheumatoiden Arthritis ist noch nicht vollständig geklärt und Gegenstand aktueller Forschung. Gut belegt ist, dass eine Fehlfunktion des Immunsystems eine wichtige Rolle im Krankheitsprozess spielt. Normalerweise kann unser Immunsystem zwischen "eigen" und "fremd" unterscheiden. Bei der rheumatoiden Arthritis gelingt dies allerdings nicht. Es liegt ein Erkennungsfehler im Immunsystem vor und im Falle der rheumatoiden Arthritis richtet sich das Immunsystem gegen die Gelenkinnenhaut.

Diese sogenannte Autoimmunität gegen die Synovialis erklärt die Entzündung als wichtiges Symptom der rheumatoiden Arthritis. Eine Entzündung entsteht immer durch das Immunsystem, da unser Körper so beispielsweise eingedrungene Bakterien bekämpft. In diesem Fall ist sie jedoch ein Zeichen der falschen Immunantwort. Diese Entzündung kann bei der rheumatoiden Arthritis nicht nur Gelenke betreffen, sondern sich auch auf Organe, wie Lunge, Herz oder Auge, ausbreiten.

Arthrose oder Arthritis? Wo ist der Unterschied?

Diese beiden Begriffe werden häufig durcheinandergebracht, da beide Erkrankungen zu Gelenkschmerzen führen. Wie schon beschrieben, handelt es sich bei der rheumatoiden Arthritis um eine entzündliche Gelenkerkrankung. Bei einer Arthrose liegt die Ursache dagegen nicht in einer Entzündung. Unter Arthrose versteht man den alters- und abnutzungsbedingten Verschleiß im Gelenk.

Wichtig ist dieser Unterschied bei der Therapie. Eine frühzeitig erkannte rheumatoide Arthritis kann man mit entzündungshemmenden Medikamenten gut behandeln.

Rheumatoide Arthritis oder Arthritis?

Neben dem Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis gibt es nochmal sehr viele unterschiedliche Krankheitsbilder, die unter den Begriff Arthritis fallen. Genau genommen versteht man unter Arthritis in erste Linie einfach eine Entzündung des Gelenks. Woher diese Entzündung stammt, kann sehr unterschiedlich sein.

Zum Beispiel kann es im Rahmen einer Schuppenflechte (Psoriasis) zu einer Gelenkentzündung kommen. Diese nennt man Psoriasis-Arthritis. Tritt eine Arthritis im Kindesalter auf, spricht man von einer juvenilen rheumatoiden Arthritis. Hier werden auch nochmal mindestens sieben Untertypen unterschieden. Die rheumatoide Arthritis bei Erwachsenen ist jedoch die häufigste Form der Arthritis.

Symptome erkennen – wie äußert sich eine rheumatoide Arthritis?

Eine rheumatoide Arthritis kann schleichend oder plötzlich wie ein Schub beginnen. Üblicherweise sind Betroffene dabei zwischen 35 und 50 Jahre alt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Das typische Symptom sind geschwollene, schmerzhafte und warme Gelenke. In der Regel sind beide Körperseiten betroffen und nicht nur eine.

Je nach Stadium der Erkrankung und Verlauf können sich ganz unterschiedliche Symptome zeigen:

  • schmerzende, geschwollene und überwärmte Gelenke, insbesondere bei Bewegung
  • verminderte Kraft in den Händen
  • steife Gelenke, gerade morgens
  • Müdigkeit
  • Muskelschmerzen
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Schmerzen der Gelenke auch in Ruhe (in späteren Stadien)
  • Rheumaknoten (harte entzündungsbedingte Knoten unter der Haut)
  • Entzündung des Rippenfells (Pleuritis)
  • trockene Bindehaut (Keratokonjunktivitis sicca)

Der Verlauf bei einer rheumatoiden Arthritis kann sich ganz unterschiedlich gestalten. Meist verursacht die Erkrankung dauerhafte Beschwerden, teils kommt es dabei phasenweise zu einer schubartigen Verschlechterung. In anderen Fällen verspüren Betroffene zwischen den Schüben nahezu keinerlei Symptome.

Welche Gelenke sind bei rheumatoider Arthritis betroffen?

Da die rheumatoide Arthritis zu den Autoimmunerkrankungen zählt, kann eine Vielzahl von unterschiedlichen Gelenken betroffen sein. Am häufigsten zeigen sich die Beschwerden an den Fingergrundgelenken, also den untersten Fingergelenken. Weitere betroffene Gelenke sind:

  • Handgelenk
  • Fingermittelgelenk
  • Knie
  • Zehengrundgelenk (Metatarsophalangealgelenk)
  • Schultergelenk
  • Sprunggelenk am Fuß
  • Gelenke der Halswirbelsäule
  • Hüftgelenk
  • Ellenbogengelenk
  • Kiefergelenk

Die betroffenen Gelenke sind dabei in absteigender Häufigkeit aufgelistet. Auch hier kann man nochmal den Unterschied zur Arthrose verdeutlichen. Die Arthritis befällt meist die Fingergrundgelenke (zwischen den Mittelhandknochen und den Fingerknochen), während die Arthrose die Fingerendgelenke befällt (Verbindung zwischen zweitem und drittem Fingerknochen).

Wie diagnostiziert man eine rheumatoide Arthritis?

Es ist sehr wichtig, eine rheumatoide Arthritis frühzeitig zu erkennen. Sind die Gelenke länger als sechs Wochen geschwollen, sollte man eine*n Facharzt*Fachärztin für Rheumatologie aufsuchen. Je länger man wartet, desto schlechter werden die Chancen, die Krankheit erfolgreich zu behandeln. Gerade in den ersten sechs Monaten sind wichtige Strukturen, wie Knorpel, Knochen oder Sehnen, noch nicht durch die Entzündung angegriffen und können mit der richtigen, medikamentösen Therapie geschont werden.

Besteht der Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis, können Ärzte*Ärztinnen auf unterschiedliche Möglichkeiten zur Diagnose zurückgreifen.

Neben der körperlichen Untersuchung spielen die Blutwerte eine wichtige Rolle. Hierbei wird ein Test auf verschiedene Rheumaproteine im Blut durchgeführt. Diese Proteine, auch als Rheumafaktoren bezeichnet, entstehen, wenn das Immunsystem sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richtet. Es gibt eine ganze Reihe an unterschiedlichen Markern, die bestimmt werden können. Sind diese positiv, spricht man von einer seropositiven rheumatoiden Arthritis.

Nicht bei jedem müssen diese Rheumafaktoren positiv sein. Man kann auch an einer rheumatoiden Arthritis erkranken, ohne Rheumafaktoren im Blut nachzuweisen. In diesem Fall spricht man von einer seronegativen rheumatoiden Arthritis.

Um in späteren Stadien die Schädigung der Gelenke zu sehen, kann man ein Röntgen der entsprechenden Gelenke durchführen.

Therapie: Was hilft gegen rheumatoide Arthritis?

Eine frühzeitige Therapie ist entscheidend für den Therapieerfolg bei der rheumatoiden Arthritis. Das Ziel der Therapie ist die "Remission". Das bedeutet, dass die Entzündung kontrolliert ist und es nicht zu weiteren Gelenkzerstörungen kommt.

Um einerseits eine Remission zu erreichen und Betroffenen andererseits die Schmerzen zu nehmen, existieren zwei Säulen in der Therapie der rheumatoiden Arthritis. Zum einen die sogenannte Basistherapie. Bei diesen Medikamenten handelt es sich um langfristig wirkende Antirheumatika. Man fasst sie unter dem Akronym "DMARD" ("disease-modifying-anti-rheumatic-drug") zusammen. Einer der ältesten Vertreter, welcher auch heute immer noch eingesetzt wird, ist das Methotrexat (MTX). Methotrexat bremst die überstarke Reaktion des Immunsystems und kann langfristig helfen, die Zerstörung der Gelenkinnenhaut zu verlangsamen.

Die zweite Säule der Behandlung sind Schmerzmedikamente wie Ibuprofen. Diese helfen zwar gegen die Symptome, aber nicht gegen die eigentliche Krankheit.

Was kann man selbst tun?

Da die "DMARDs" auf das Immunsystem wirken, ist man anfälliger für Infekte. Aus diesem Grund sollte ein vollständiger Impfschutz bestehen, um vor vermeidbaren Krankheiten zu schützen. Empfehlenswert sind zudem generelle Maßnahmen, um das Immunsystem zu stärken.

Schmerzen die Gelenke während einer akuten Entzündung, kann man probieren, diese gezielt zu kühlen, um die Beschwerden zu lindern.

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung wirken ebenfalls förderlich für die Prognose.

Prognose – ist eine rheumatoide Arthritis eine schwere Erkrankung?

Der Verlauf der Erkrankung kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Eine genaue Vorhersage ist daher schwierig. Die Prognose hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Frauen haben häufiger einen schwereren Verlauf als Männer. Auch hohe Entzündungsparameter (bestimmte Blutwerte, die eine Entzündung im Körper anzeigen können) sowie Rauchen führen eher zu einer schlechteren Prognose.

Durch die Entzündung kommt es nach und nach zur Zerstörung und Deformierung von Gelenken, was sehr beeinträchtigend im Alltag sein kann. Sind Herz oder Lunge auch von der Entzündung betroffen, kann sich dies negativ auf die Lebenserwartung auswirken.

In den letzten Jahren sind aber immer mehr Medikamente zur Behandlung der Erkrankung zugelassen worden. Diese sogenannten Biologicals oder Biologika können bei schweren Verlaufsformen der rheumatoiden Arthritis eingesetzt werden. Nutzen und Risiken dieser Medikamente werden derzeit weiterhin erforscht.

Insgesamt kann eine rheumatoide Arthritis sich einschränkend auf die Lebensqualität auswirken. Durch neue Therapieansätze und eine frühzeitige Diagnose können die negativen Langzeitfolgen aber abgemildert werden.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
M05.-, M06.-

Aktualisiert: 28.12.2021 - Autor: Yannis Diener, Student der Humanmedizin

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