Leistenschmerzen – woher kommen Schmerzen in der Leiste?

Frau mit Leistenschmerzen sitzt auf Boden
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Stechend, dumpf oder ziehend, beim Gehen, Sitzen oder Laufen: Schmerzen in der Leiste können viele Gesichter und zahlreiche Ursachen haben. Neben Problemen mit Knochen, Muskeln und Bändern stellen auch die inneren Organe einen möglichen Auslöser für Leistenschmerzen dar. Da dem Symptom schwerwiegende Erkrankungen zugrunde liegen können, sollte man es ernst nehmen. Was Schmerzen in der Leistengegend bedeuten können, welche Unterschiede es bei Mann und Frau gibt, wie es zu Schmerzen in der Leiste nach Sport oder in der Schwangerschaft kommt und was Sie bei Leistenschmerzen tun können, das und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie äußern sich Leistenschmerzen?

Leistenschmerzen (Inguinalschmerzen) machen sich rechts, links oder beidseitig in der Leistengegend, dem Übergang zwischen Bauch und Oberschenkel, bemerkbar. Hier befindet sich der Leistenkanal, der die Bauchhöhle mit der Leistenregion (Regio inguinalis) verbindet und von Muskeln und Blutgefäßen durchzogen wird. In ihm verlaufen bei der Frau die Mutterbänder und beim Mann der Samenstrang. Dies ist ein Grund dafür, warum Schmerzen in der Leistengegend bei Frauen und Männern unterschiedliche Ursachen haben können.

Leistenschmerzen werden als stechend, scharf, ziehend oder auch dumpf beschrieben. Schmerzen in der Leiste machen sich oft beim Gehen oder Treppensteigen bemerkbar, aber auch beim Sitzen, beim Husten oder in anderen Situationen können sie auftreten. Die Beschwerden können ein Symptom unterschiedlichster Erkrankungen sein. Aufgrund ihrer Vielseitigkeit ist es häufig schwer, die Ursache zu ermitteln.

Woher können Leistenschmerzen kommen?

Die Beschwerden können verschiedenen Ursachen haben, hierzu zählen neben anderen:

  • Leistenbruch (Leistenhernie)
  • Muskel- und Sehnenverletzungen, Nervenreizungen (bei Menschen, die viel Sport treiben, sogenannte Sportlerleiste)
  • Leistenzerrung (Zerrung der Adduktoren, einer Muskelgruppe auf der Innenseite der Oberschenkel)
  • Knorpelschäden am Hüftgelenk (Hüftgelenksarthrose)
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane
  • Beckenringlockerung (in der Schwangerschaft)
  • Erkrankungen der Harnwege
  • Schwellungen der Lymphknoten
  • Gefäßveränderungen

Leistenschmerzen durch Leistenbruch

Ein Leistenbruch (Hernie) entsteht, wenn sich Bauchfell und Teile des Darms durch eine kleine Lücke im Leistenkanal vorwölben. Der Leistenkanal stellt eine natürliche Schwachstelle in der Bauchwand dar. In der Mehrzahl sind es Männer, die von einem Leistenbruch betroffen sind, da bei ihnen der Leistenkanal weiter ist als bei Frauen. Leistenschmerzen bei einem Mann sind daher oft ein Hinweis auf einen Leistenbruch.

Die Schmerzintensität bei einem Leistenbruch ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. So kann ein Leistenbruch in einigen Fällen schmerzlos sein, aber auch sehr starke Schmerzen in der Leiste verursachen. Häufig kommt es zu einem Ziehen in der Leiste oder brennenden Schmerzen sowie einer Schwellung oder Beule im betroffenen Teil der Bauchwand. Oft verstärken sich diese Symptome unter hohem Druck, beispielweise beim Husten oder beim Tragen und Heben von schweren Lasten.

Gefährlich bis zu lebensbedrohlich kann ein Leistenbruch werden, wenn der Darm aus dem Bauchraum in die sogenannte Bruchpforte rutscht und so in der Bauchwand eingeklemmt wird, dass es zu einem Darmverschluss kommt oder die Durchblutung gestört wird. Dies führt zu sehr starken Schmerzen in der Leiste. Es handelt sich hierbei um einen Notfall, bei dem sofort ärztliche Hilfe aufzusuchen ist.

Bei Frauen und Kindern wird ein Leistenbruch immer operiert, während man bei Männern mitunter zunächst abwartet und erst bei wiederholten Beschwerden eine Operation in Erwägung zieht. Da eine Leistenhernie jedoch nicht von alleine abheilt, ist eine OP meist unvermeidbar.

Sportlerleiste: Schmerzen in der Leiste nach Sport

Muskel- und Sehnenverletzungen – häufig verursacht durch Fehl- oder Überlastungen – können zur sogenannten Sportlerleiste führen, die sich mit Leistenschmerzen bemerkbar macht. Außerdem kann es durch eine zu hohe Dauerbelastung, zum Beispiel beim Joggen, Langlauf oder Kraftsport, zu einer Schwächung des Bindegewebes im Bereich des Leistenkanals kommen, wodurch die Nerven in der Leistenregion und deren Ausläufer gereizt werden. Neben Freizeitsportler*innen können insbesondere Profisportler*innen unter Leistenschmerzen nach dem Sport leiden.

Bei der Sportlerleiste (weiche Leiste) werden die Schmerzen oft als ziehend, brennend oder stechend empfunden. Sie treten vor allem bei körperlicher Belastung auf. Dabei können sie auch in den Bereich des Schambeins, den Oberschenkel oder in den Hoden ausstrahlen.

Schmerzen durch Leistenzerrung

Vor allem im Fußballsport kommt es immer wieder zur sehr schmerzhaften Leistenzerrung (Adduktorenzerrung). Dabei werden die Sehnen und Muskeln im Bereich des inneren Oberschenkels durch eine schnelle Bewegung wie Ausrutschen, Grätschen oder Sprinten überlastet. Auch bei Sportarten wie Hockey, Handball oder Hürdenlauf kommt es häufig zu dieser Sportverletzung. Es treten meist plötzlich ziehende oder stechende Schmerzen in der Leiste und dem inneren Oberschenkel auf. Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer solchen Zerrung ist ein umfangreiches Aufwärmtraining.

Leistenschmerzen infolge von Knorpelschäden

Bei einer Hüftgelenksarthrose (auch Hüftarthrose oder Coxarthrose) kommt es zu Abnutzungserscheinungen an Knorpel- und Knochengewebe im Hüftgelenk. Schon im frühen Stadium einer Coxarthrose können diese Schädigungen zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und zu Schmerzen in Hüfte und im Leistenbereich führen. Die Symptome können sowohl nur eine als auch beide Seiten betreffen.

Betroffene beschreiben oft Schmerzen in der Leiste, teils auch im Bein oder den Pobacken, die vor allem zu Beginn der Bewegung, also morgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen (Anlaufschmerz), aber auch beim Gehen oder Treppensteigen (Belastungsschmerz) auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium einer Arthrose in der Hüfte sind die Schmerzen auch beim Sitzen oder Liegen bemerkbar (Ruheschmerz).

Leistenschmerzen beim Mann

Es gibt Leistenschmerzen, die auf Erkrankungen der Geschlechtsorgane zurückzuführen sind und daher entweder nur Frauen oder nur Männer betreffen können.

Hinter Schmerzen in der Leiste bei Männern können Erkrankungen der Hoden stecken. Diese können mit einem akuten und sehr starken Schmerz einhergehen, der auch in die Leiste ausstrahlen kann, und müssen immer behandelt werden. Hierzu zählen:

  • Hodenstieldrehung (Hodentorsion)
  • Hydatidenverdrehung (Hydatidentorsion)
  • Hodenbruch
  • Entzündung des Hodens oder Nebenhodens

Die Stärke und die Art der Beschwerden sind je nach Alter des Betroffenen und Ursache unterschiedlich. Häufig kommen bei entzündlichen Erkrankungen auch andere Beschwerden hinzu, wie ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Fieber. Ein unerträglicher, plötzlich einsetzender Schmerz deutet auf eine Hodenstielverdrehung hin und ist als Notfall zu behandeln. Auch ein sogenannter Leistenhoden (Pendelhoden) kann Leistenschmerzen verursachen. Hier kann eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Schmerzen in der Leiste bei der Frau

Ursache für Leistenschmerzen bei Frauen können gynäkologische Erkrankungen sein, wie beispielsweise:

  • Entzündungen in Eierstöcken und Eileitern
  • Stieldrehung einer Eierstockzyste
  • Endometriose

Leistenschmerzen in der Schwangerschaft

Oft sind Schmerzen in der Leiste während einer Schwangerschaft bis zu einer gewissen Ausprägung normal und betreffen daher viele Frauen. Die häufigsten Gründe dafür sind folgende:

  • Mit dem Wachstum des Kindes kommt es zu hormonellen Veränderungen im Körper der Mutter und zu einer Lockerung des Muskel- und Bindegewebes im Bereich des Beckenbodens und der Bänder im Becken (Beckenring). Dies kann zu Beschwerden im Bereich des Schambeins bis hin zur Leistengegend führen.
  • Die Mutterbänder – zwei kräftige Muskelstränge, die die Gebärmutter stützen – verlaufen von beiden Seiten der Gebärmutter durch den Leistenkanal bis zum Schambein. Sie werden mit zunehmendem Gewicht des Babys gedehnt, was ziehende Schmerzen im Unterleib und auch in der Leiste zur Folge haben kann.

Auch eine Eileiterschwangerschaft kann zu Leistenschmerzen führen. Beidseitige und einseitige Leistenschmerzen in der Frühschwangerschaft sollten daher immer ärztlich abgeklärt werden.

Leistenschmerzen: Wenn die Harnwege betroffen sind

Sowohl Infekte der Harnwege als auch Harnsteine können Schmerzen in der Leiste verursachen. Harnsteine (Blasensteine) entstehen, wenn sich aus den Salzen, die normalerweise im Urin gelöst sind, Kristalle bilden. Wenn Harnsteine aus der Blase in die Harnwege wandern, dann kann dies sehr starke Schmerzen im unteren Bauch, dem Rücken und auch in der Leiste verursachen. Bei zunehmenden Beschwerden oder Blut im Urin sollte immer ärztliche Hilfe gesucht werden, da die Gefahr eines Harnstaus besteht.

Leistenschmerzen durch geschwollene Lymphknoten

Die Lymphknoten sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Sie befinden sich am Hals, in den Achseln, in den Kniekehlen, an der Vorderseite des Bauches und in der Leiste. Wird das Immunsystem aktiviert, weil es auf Krankheitserreger oder Verletzungen reagieren muss, dann schwellen die Lymphknoten an und können auf Druck schmerzempfindlich sein. Befindet sich eine Infektion oder eine Verletzung im Bereich der Beine, Füße oder der Geschlechtsorgane, dann werden die Lymphknoten in der Leistenregion aktiv und es kann zu Schmerzen in diesem Bereich kommen.

Schmerzen in der Leiste durch Gefäßveränderungen

Auch Veränderungen von Blutgefäßen wie Krampfadern, Erweiterungen der Arterien (Aneurysmen) im Bereich des Beckens oder ein Blutgerinnsel (Thrombose) können Schmerzen in der Leiste verursachen.

Leistenschmerzen – rechts oder links?

Viele der genannten Ursachen können einseitig auftreten, sodass Leistenschmerzen, die nur rechts oder links auftreten, oft kein eindeutiger Hinweis auf eine Ursache sind. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen Leistenschmerzen auf einer bestimmten Seite typisch sind.

Treten Schmerzen in der rechten Leiste nahe des Unterbauchs auf, kann auch eine Entzündung des Blinddarms dahinterstecken. Eine akute Entzündung der Divertikel im Dickdarm macht sich oft durch Schmerzen in der linken Leiste und im linken Unterbauch bemerkbar.

Was tun bei Leistenschmerzen?

Die Behandlung von Leistenschmerzen richtet sich nach deren Auslöser. Daher ist es zunächst wichtig, die Ursache der Beschwerden ärztlich abklären zu lassen. Ist die Ursache gefunden, also eine Diagnose gestellt, können verschiedene Therapien zum Einsatz kommen. Dazu zählen:

  • Operationen (zum Beispiel bei Leistenbruch oder Eileiterschwangerschaft)
  • Übungen zum Kräftigen und Dehnen der Muskulatur (vor allem bei Gelenk- und Muskelbeschwerden)
  • Hausmittel wie Kühlen oder Wärmen (bei Zerrungen kühlen, bei Muskelverspannungen wärmen)
  • Schonung, Massagen und Physiotherapie

Daneben sind folgende Maßnahmen grundsätzlich empfehlenswert, um Schmerzen in der Leiste zu vermeiden oder verringern:

  • keine schweren Lasten heben beziehungsweise auf die richtige Hebetechnik achten
  • Übergewicht vermeiden
  • Rumpfmuskulatur durch gezieltes Training stärken
  • Leistenbereich vorsichtig und regelmäßig dehnen

Wann sollte man bei Leistenschmerzen zum Arzt?

Treten Schmerzen in der Leiste auf, die länger andauern oder sich verschlimmern, dann sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden, um die genaue Ursache der Beschwerden abzuklären. Denn hinter Leistenschmerzen können sich auch Erkrankungen verbergen, die eine Behandlung notwendig machen, wie beispielsweise ein Leistenbruch, eine Eileiterschwangerschaft oder ein Harnstau.

Wer unsicher ist, welcher Arzt oder welche Ärztin zuständig ist, sollte sich für eine erste Untersuchung zunächst an seine Hausarztpraxis wenden. Gegebenenfalls erfolgt nach Stellung der Diagnose eine Überweisung an eine spezialisierte Facharztpraxis, um genauere Untersuchungen vorzunehmen oder die Leistenschmerzen zu behandeln.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
R10.3

Aktualisiert: 17.01.2022
Autor*in: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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