Schleudertrauma: Was tun?

Frau mit Schleudertrauma © istockphoto, diego_cervo

Bei einem Schleudertrauma kommt es durch eine plötzliche Krafteinwirkung auf die Halswirbelsäule (HWS) – beispielsweise bei einem Autounfall – zu Verletzungen im Halsbereich. In der Folge können Symptome wie Nacken- und Kopfschmerzen auftreten. Meist bedarf ein Schleudertrauma keiner besonderen Behandlung. Um die Schmerzen zu lindern, können Schmerzmittel und Muskelrelaxantien eingesetzt werden. Wichtig ist, keine Schonhaltung einzunehmen, da ansonsten langfristige Folgen möglich sind. Erfahren Sie hier mehr über Ursachen, Anzeichen und Therapie eines Schleudertraumas.

Autounfall als Ursache

Bei einem Schleudertrauma liegt eine Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) vor. Meist handelt es sich um sogenannte Weichteilverletzungen. Das heißt, dass in erster Linie Bindegewebe und Muskeln betroffen sind. In schweren Fällen können aber auch Verletzungen am Gelenk oder Knochenbrüche hinzu kommen.  Ebenso ist es möglich, dass die Bänder der Halswirbel gezerrt oder eingerissen sind, dass die Bandscheiben in Mitleidenschaft gezogen werden oder dass Blutgefäße einreißen und es zu Einblutungen ins Gewebe kommt. 

Ursache eines Schleudertraumas ist ein plötzliches, starkes Beugen und anschließendes Überstrecken der Halswirbelsäule. Eine solche Verletzung ist typisch für einen Auffahrunfall mit dem Auto. Aber auch beim Sport – insbesondere beim Kampfsport – kann es zu einem Schleudertrauma kommen. Ebenso kann eine solche Verletzung bei Freizeitaktivitäten wie Achterbahn- oder Autoscooterfahren entstehen. Entscheidend ist, dass die einwirkende Kraft unerwartet auftritt, denn eine angespannte Muskulatur würde den Hals vor der Überdehnung schützen. 

Anzeichen eines Schleudertraumas

Typisch für ein Schleudertrauma ist, dass es zu einer Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule kommt. Diese wird häufig durch starke Verspannung der Muskulatur im Bereich des Nacken und des Halses hervorgerufen. Diese Verspannungen sorgen auch dafür, dass sich Nacken- und Kopfschmerzen bemerkbar machen. Meist treten die ersten Symptome direkt nach dem auslösenden Ereignis auf. In einigen Fällen vergehen aber auch ein bis zwei Tage, bis man die ersten Beschwerden verspürt. 

Neben Kopf- und Nackenschmerzen kann es im Rahmen eines Schleudertraumas noch zu weiteren Symptomen kommen. Dazu gehören unter anderem Schlafstörungen, Schwindel, Schwitzen, Sehstörungen und Zittern. Ebenso kann es zu Schmerzen am Mund und Schluckstörungen kommen. In manchen Fällen können auch depressive Verstimmungen auftreten. 

Diagnose stellen

Für den behandelnden Arzt ist es oft relativ einfach, bei einem Schleudertrauma die Diagnose zu stellen. Oft genügt es schon, wenn der Patient den Unfallhergang sowie seine Beschwerden schildert und der Arzt eine kurze körperliche Untersuchung durchführt. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie eine Röntgenaufnahme – seltener auch eine Computer- oder Magnetresonanztherapie – eingesetzt werden. Letztere Untersuchungen werden nur durchgeführt, wenn eine schwerere Weichteilverletzung vermutet wird. 

Generell sollten Sie bei Verdacht auf ein Schleudertrauma immer einen Arzt aufsuchen. Dies ist insbesondere bei starken Schmerzen oder verzögert einsetzenden Symptomen der Fall. Gleiches gilt bei Anzeichen wie Übelkeit und Erbrechen, Lähmungserscheinungen, Bewusstlosigkeit und Gedächtnisschwund. Besteht der Verdacht, dass möglicherweise Nerven verletzt wurden, ist eine neurologische Untersuchung notwendig. Dabei werden unter anderem die Reflexe und die Nervenleitgeschwindigkeit überprüft oder ein Elektromyogramm erstellt. 

Schleudertrauma: Richtige Behandlung ist wichtig

Bei einem Schleudertrauma genügt in der Regel eine konservative Behandlung, eine operative Therapie ist meist nicht nötig. Wichtig ist, dass die Betroffenen sich möglichst wenig belasten. Kopf und Hals sollten bei einem leichten Schleudertrauma aber nicht übertrieben geschont, sondern beweglich gehalten werden. Nehmen Sie also keine Schonhaltung ein, sondern bewegen Sie sich zwar vorsichtig, aber möglichst normal. 

Um Schmerzen und Verspannungen nach einem Schleudertrauma zu lindern, sind Therapieformen wie die physikalische Therapie gut geeignet. Auch krankengymnastische Übungen können dazu beitragen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel und Muskelrelaxantien helfen, die Beschwerden zu lindern. Liegen Frakturen der Halswirbelsäule vor, muss der Hals längerfristig ruhig gestellt werden. Eventuell ist in einem solchen Fall auch eine Operation nötig. 

Dauer: Wie lange krank?

Wie lange es dauert, bis ein Schleudertrauma verheilt ist, ist immer von der Schwere der Verletzung abhängig. Generell heilt ein Schleudertrauma innerhalb von einigen Tagen bis hin zu wenigen Wochen von selbst wieder vollständig aus.

Liegt lediglich eine kleine Verletzung vor, können die Betroffenen ihren Alltag meist direkt wieder aufnehmen. Bestanden dagegen schon vor dem Schleudertrauma Schäden an der Wirbelsäule oder liegt eine schwere Verletzung vor, kann dies den Heilungsprozess verlängern. 

Chronischer Verlauf ist möglich

In seltenen Fällen kann ein Schleudertrauma einen chronischen Verlauf nehmen. Es wird vermutet, dass hierbei auch psychische Ursachen eine wichtige Rolle spielen. Bei einem chronischen Verlauf können die Patienten ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickeln. Dadurch bleiben die Beschwerden auch dann noch bestehen, wenn die eigentliche Ursache längst abgeklungen ist. Um der Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses vorzubeugen, ist es wichtig, Schmerzen möglichst frühzeitig zu behandeln.

Weitere Ursachen für einen chronischen Verlauf sind:

  • Die Wirbelsäule war bereits vor dem Schleudertrauma durch beispielsweise Arthrose geschädigt.
  • Die Betroffenen nehmen eine Schonhaltung ein, durch die die Wirbelsäule einseitig belastet und Verspannungen gefördert werden.

Schleudertrauma: Schmerzensgeld nach Auffahrunfall

Wird ein Schleudertrauma durch einen Autounfall verursacht, kann der Geschädigte den Unfallverursacher eventuell auf Schmerzensgeld verklagen. Entscheidend für die Höhe des Schmerzensgeldes ist der Grad der Verletzung. Generell werden bei einem Schleudertrauma fünf verschiedene Schweregrade unterschieden:

  • Schweregrad 0: Es liegen keine Verletzungen vor.
  • Schweregrad I: Es liegen leichte Beschwerden wie Nackenschmerzen oder ein Steifheitsgefühl vor. 
  • Schweregrad II: Es kommt zusätzlich zu Bewegungseinschränkungen, Schmerzen im Bereich des Mundes und Kribbeln in den Armen.
  • Schweregrad III: Die Funktionsfähigkeit der Halsmuskulatur ist eingeschränkt, es liegen Fehlstellungen, Risse, Frakturen oder Verrenkungen der HWS vor.
  • Schweregrad IV: Die Frakturen im Bereich der HWS führen zu einer Querschnittslähmung oder nehmen einen tödlichen Verlauf. 

In etwa 90 bis 95 Prozent aller Fälle liegt ein leichtes Schleudertrauma (Schweregrad 0-II) vor.

Aktualisiert: 01.06.2016 – Autor: Kathrin Mehner

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