Gerontologie: körperliche Veränderungen

Während bis ca. zum 30. Lebensjahr das Zehnfache an Reserven vorhanden ist, um ein Funktionieren des Körpers zu gewährleisten, nehmen diese Reserven danach langsam ab, ohne dass deshalb sofort eine Krankheit ausbrechen müsste. Die Abnahme der Leistungsfähigkeit kann bei jedem Menschen und selbst jedem Organ oder Organsystem wie Herz und Kreislauf, Atemtrakt oder Verdauungssystem unterschiedlich schnell erfolgen – sie kann zum körperlichen Zusammenbruch führen, ohne dass eine spezifische Krankheit vorliegt, aber umgekehrt kann man sich auch bis ins hohe Alter vital und fit fühlen.

Was passiert in unserem Körper, wenn wir älter werden?

Das Altern hat verschiedenste Auswirkungen auf den Körper, welche in der Gerontologie untersucht werden. Körperliche Veränderungen betreffen unter anderem folgende Bereiche:

  1. Herz-Kreislauf-System
  2. Atemtrakt
  3. Magen-Darm-Trakt
  4. Nieren und Harnwege
  5. Blut und Immunsystem
  6. Hormone
  7. Gehirn und Nerven
  8. Sinnesorgane
  9. Knochen und Muskeln
  10. Haut

Welche Veränderungen sich mit dem Älterwerden einstellen, erfahren Sie im Folgenden.

1) Herz-Kreislauf-System

Während das Herz unter Belastung bei 20-Jährigen 200 Mal pro Minute schlägt, kann das Herz bei älteren Menschen nur noch deutlich langsamer schlagen. Daneben nimmt die Elastizität der Blutgefäße ab und der Blutdruck steigt leicht an. Auch Herzrhythmusstörungen werden häufiger, weil sich Kollagen in das Erregungsleitungssystem einlagert.

2) Atemtrakt

Die feine Struktur der Lungenbläschen wird im Alter gröber – dadurch wird das Lungengewebe weniger elastisch und die Atemwerte sowohl für die Ein- als auch für die Ausatmung verschlechtern sich. Das führt dazu, dass weniger Sauerstoff ins Blut aufgenommen wird und der Körper schlechter auf Belastungen reagieren kann. Das Lungengewebe wird anfälliger für Lungenentzündungen und die COPD.

3) Magen-Darm-Trakt

Der Schluckmechanismus und die Magenentleerung verschlechtern sich, die Darmwand im Dickdarm wird durchlässiger für Divertikel.

4) Nieren und Harnwege

Mit Mitte 80 hat ein Mensch 30 % weniger funktionstüchtiges Nierengewebe als ein jüngerer Mensch, was dazu führt, dass Giftstoffe langsamer ausgeschieden werden und auch Medikamente länger im Körper verweilen.

5) Blut und Immunsystem

Zwar wird das Knochenmark, das ja für die Blutbildung zuständig ist, im Alter zunehmend durch Bindegewebe ersetzt, rote Blutkörperchen werden aber trotzdem genügend gebildet. Anders sieht es mit einigen Immunzellen aus: Ihr Anteil sinkt im Alter um ca. ein Viertel, was sich negativ auf die Abwehrfunktionen auswirkt.

6) Hormone

Grundsätzlich scheinen bei allen Hormonen im Alter höhere Konzentrationen nötig zu sein, um die gleiche Wirkung wie in jüngeren Jahren zu erzielen.

7) Gehirn und Nerven

Nach dem 60. Lebensjahr schrumpft das Gehirn um bis zu 6 %, ausgeprägt sind Veränderungen in Bereichen, die für die Motorik, das Sehen und Sprechen zuständig sind. Während Gedächtnis, Merkfähigkeit und geistige Beweglichkeit abnehmen, nimmt die Fähigkeit der inhaltlichen Ausgestaltung des Denkens im Alter zu.

8) Sinnesorgane

Sowohl Geruch und Geschmack als auch Sehen, Hören und Gleichgewichtssinn nehmen im Alter ab. Auch Hunger und Durst werden weniger wahrgenommen.

9) Knochen und Muskeln

Knochen- und Knorpelstrukturen werden schlechter aufgebaut, die Knochenbrüchigkeit nimmt zu. Muskelmasse und damit auch Muskelkraft nehmen ab und führen zu verlangsamten Reaktionszeiten.

10) Haut

Die Haut wird im Alter schlechter durchblutet, Schweiß- und Talgdrüsen produzieren weniger Sekret. Dadurch wird die Haut anfälliger für Verletzungen und Infektionen und heilt nicht mehr gut ab.

Aktualisiert: 21.03.2019
Autor*in: Nathalie Blanck

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