Dekubitus – Prophylaxe und Therapie

Die erste prophylaktische Maßnahme bei Gefahr von Durchliegegeschwüren besteht in einem regelmäßigen Umlagern. Mehrmals täglich müssen die gefährdeten Hautareale inspiziert werden, entsprechend häufig muss der Patient umgelagert werden. Reicht zweistündliches Wenden nicht aus, können Hilfsmittel wie Weichlagerungsmatratzen eingesetzt werden. Wichtig ist eine gute Pflege der Haut, damit diese trocken, sauber und intakt bleibt. Hautpflege mit Melkfett, Vaseline, Zinkpaste etc. und auch der Einsatz von durchblutungsfördernden Substanzen wie Franzbranntwein verschlimmern eher den Hautzustand.

Erhöhter Energiebedarf

Wichtig ist außerdem eine ausreichende Ernährung: Dekubitusgefährdete Menschen benötigen etwa doppelt soviel Eiweiß wie gesunde Menschen, der Mehrbedarf an Energie wird auf 30 bis 90 Prozent geschätzt. Bereits erkrankte Menschen genesen mit spezieller Zusatzkost doppelt so schnell – zum Beispiel mit in Apotheken erhältlichen Trinkpräparaten.

Manchmal helfen Maden

Auch wenn es nicht besonders appetitlich klingt: Maden, die kleinen Larven der Schmeißfliege, sind in der Lage, abgestorbenes Gewebe gezielt zu entfernen, denn genau davon ernähren sie sich. Gesunde Zellen werden nicht angetastet. Der Chefarzt der Unfallchirurgischen Abteilung des Krankenhauses Bietigheim, Privatdozent Dr. Wim Fleischmann, behandelt mit dieser Methode Patienten mit diabetischer Gangrän, Wundinfekte durch arterielle Verschlusskrankheiten, bakterielle Knochenhautentzündungen und Ulcus cruris (offene Beine).

Die Tiere arbeiten absolut präzise und sondern ein bestimmtes Verdauungssekret ab, das nur totes Gewebe verflüssigt und von den Maden aufgenommen wird. Vereiterte, schlecht heilende Wunden werden so gesäubert.

Schmerzfreie und präzise Behandlung

Durch ein weiteres Sekret, das in die Wunde abgesondert wird, beginnt das Gewebe schneller zu granulieren – die offenen Stellen können sich endlich schließen. Die Maden sind steril und werden noch winzigklein auf die Wunde aufgetragen. Dazu werden die frisch gezüchteten und sterilen Maden mit einer Kochsalzlösung aus dem Liefergefäß auf ein engmaschiges Nylonnetz gespült und auf die Wunde aufgebracht.

Ein zweiter Verband aus Mullkompressen nimmt Wundsekret auf und sorgt für die nötige Sauerstoffzufuhr. Nach drei Tagen werden die Verbände geöffnet und die Larven entfernt. Die schmerzfreie Behandlung gilt als sehr erfolgreich.

Aktualisiert: 25.07.2017 – Autor: bo

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