Chemotherapie bei Krebs: Ablauf & Nebenwirkungen

Krebs-Patientin mit Kopftuch nach Chemotherapie
© istockphoto, KatarzynaBialasiewicz

Die Chemotherapie stellt neben Bestrahlung und Operation eine von drei Behandlungsmöglichkeiten dar, die bei einer Krebserkrankung eingesetzt werden können. Sie ist vor allem bei Leukämie und Lymphdrüsenkrebs eine wichtige Methode, kommt aber auch bei anderen Krebserkrankungen zum Einsatz. Eine Chemotherapie geht oft mit Nebenwirkungen wie Haarausfall, Schwitzen und Frieren oder Übelkeit und Erbrechen einher. Wie stark welche Nebenwirkungen auftreten, ist von der Art und der Dosierung der eingesetzten Zytostatika abhängig. Erfahren Sie hier mehr über Wirkung, Ablauf und Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

Was ist eine Chemotherapie?

Unter dem Begriff Chemotherapie werden ganz allgemein alle medikamentösen Behandlungen zusammengefasst, durch die Zellen am Wachstum gehindert oder zum Absterben gebracht werden. Heute wird der Begriff jedoch fast ausschließlich im Zusammenhang mit Krebserkrankungen verwendet. Liegt ein bösartiger Tumor vor, wird dieser im Rahmen einer Chemotherapie mit Hilfe von sogenannten Zytostatika bekämpft. Diese Medikamente sorgen dafür, dass sich die Krebszellen nicht mehr teilen können und absterben.

Eine Chemotherapie ist besonders bei Krebsarten wirksam, die nicht lokal beschränkt sind, sondern bei denen sich die Krebszellen im gesamten Körper ausgebreitet haben. Dies ist beispielsweise bei Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs der Fall. Die Behandlung kann unter bestimmten Voraussetzungen aber auch bei verschiedenen anderen Krebsformen sinnvoll sein, etwa bei Brustkrebs, Lungenkrebs oder Darmkrebs.

Lokale und systemische Behandlung von Krebs

Neben der Chemotherapie stehen mit der Strahlentherapie und der Operation noch zwei weitere Behandlungsmethoden zur Verfügung. Sie zählen zu den lokalen Behandlungsmöglichkeiten, da ihre Wirkung auf eine bestimmte Körperregion beschränkt ist. Bei der Chemotherapie handelt es sich dagegen um eine systemische Therapie.

Systemisch bedeutet, dass die Medikamente ihre Wirkung im ganzen Körper entfalten. Deswegen wird eine Chemotherapie zunächst einmal bei Krebsarten wie Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs eingesetzt, die nicht lokal behandelt werden können. Bei anderen Krebsarten wird sie vor allem dann verwendet, wenn der Krebs eventuell oder sicher gestreut hat und sich Metasthasen gebildet haben.

Bei einigen wenigen Tumorarten kann eine Chemotherapie auch lokal eingesetzt werden. Dann werden die Medikamente hochdosiert direkt in das Blutgefäß gespritzt, das das befallene Organ versorgt. Damit die Zytostatika von dort aus nicht in den Rest des Körpers gelangen, wird ein Teil der Blutgefäße kurzzeitig abgeklemmt.

Adjuvante, additive und neoadjuvante Chemotherapie

Oftmals wird eine Chemotherapie nicht alleine, sondern gemeinsam mit einer Operation, einer Bestrahlung oder beidem eingesetzt. Dies ist bei der adjuvanten, der additiven sowie der neoadjuvanten Chemotherapie der Fall:

  • Adjuvante Chemotherapie: Eine adjuvante Chemotherapie wird im Anschluss an eine Operation durchgeführt, bei der der bösartige Tumor komplett entfernt wurde. Sie soll verhindern, dass sich eventuell im Körper verbliebene Krebszellen (Mikrometastasen) weiter vermehren und es zu einem erneuten Ausbruch der Krebserkrankung kommt.
  • Additive Chemotherapie: Konnte durch eine Operation nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt werden, wird zusätzlich eine Chemotherapie eingesetzt. Dadurch soll der Tumor verkleinert und eine weitere Ausbreitung der Krebserkrankung verhindert werden.
  • Neoadjuvante Chemotherapie: Kann ein Tumor etwa aufgrund seiner Größe nicht vollständig entfernt werden, kommt die neoadjuvante Chemotherapie zum Einsatz. Ziel der Behandlung ist es, den Tumor so zu verkleinern, dass anschließend eine chirurgische Entfernung möglich ist.

Kurative und palliative Chemotherapie

Je nachdem, in welchem Stadium sich der Tumor befindet, kann eine Chemotherapie unterschiedliche Ziele verfolgen. Ist eine vollständige Heilung des Betroffenen möglich, spricht man von einer kurativen Therapie.

Ist der Krebs dagegen schon zu weit fortgeschritten, ist nur noch eine palliative Behandlung möglich. Hier spielt die Chemotherapie etwa bei fortgeschrittenem Brustkrebs, Darmkrebs oder Lungenkrebs eine wichtige Rolle. Sie soll helfen, Metasthasen zu verkleinern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Zudem soll durch die Behandlung die Lebenserwartung des Pateinten verlängert und seine Lebensqualität verbessert werden.

Zu beachten ist bei einer palliativen Behandlung, dass die Nebenwirkungen der Chemotherapie geringer ausfallen als diejenigen Beschwerden, die die Krebserkrankung unbehandelt hervorrufen würde.

Ablauf einer Chemotherapie

Wird eine Krebserkrankung diagnostiziert, ist es wichtig, dass Art, Größe und Stadium des Tumors festgestellt werden. Anschließend wird die für den Patienten am besten geeignete Behandlungsmethode ausgewählt. Wird eine Chemotherapie durchgeführt, wird für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan aufgestellt.

Monotherapie oder Kombinationstherapie

Vor Beginn der Chemotherapie wird festgelegt, welche Zytostatika dem Patienten verabreicht werden. Hier steht eine Vielzahl an verschiedenen Medikamenten zur Verfügung, die entweder einzeln (Monotherapie) oder in Kombination (Kombinationstherapie) verabreicht werden können. Bei der Kombinationstherapie werden die verschiedenen Wirkweisen unterschiedlicher Zytostatika genutzt, um die Tumorzellen besonders effektiv bekämpfen zu können.

Neben den Zytostatika werden häufig noch Hilfsmedikamente verabreicht, die deren Wirkung verstärken, ohne jedoch selbst toxisch zu sein. Zudem werden Medikamente eingesetzt, die die unangenehmen Nebenwirkungen der Chemotherapie wie beispielsweise die starke Übelkeit lindern.

Port oder Infusion

Neben der Art der Zytostatika wird vor Beginn der Therapie auch die Verabreichungsform der Medikamente festgelegt. Einige Zytostatika können den Patienten in Form von Tabletten oder per Spritze verabreicht werden, meist erfolgt die Gabe jedoch durch eine Infusion.

Werden häufiger oder über einen längeren Zeitraum Zytostatika verabreicht, sollte über die Einsetzung eines sogenannten Ports nachgedacht werden. Dabei handelt es sich um einen festen Zugang in die Vene. Dieser wird während eines chirurgischen Eingriffes unter die Haut, meist in die Nähe des Schlüsselbeines, eingesetzt. Von dort aus besteht über einen dünnen Schlauch eine Verbindung zur Vene. Dadurch muss während der Behandlung nicht mehr jedes Mal eine Vene angestochen werden.

Dosierung der Zytostatika

Wie hoch die Medikamente bei einer Chemotherapie dosiert werden, ist in erster Linie von der Körperoberfläche des Patienten, die über die Körpergröße und das Gewicht ermittelt wird, abhängig. Daneben spielen aber auch weitere Faktoren eine Rolle: Leidet der Patient beispielsweise unter einer Leber- oder Nierenfunktionsstörung, ist der Abbau bzw. die Ausscheidung der Zytostatika verlangsamt. Deswegen muss die Dosierung der Medikamente entsprechend angepasst werden.

Während der Behandlung kann die Dosierung der Zytostatika bei Bedarf neu ermittelt werden. Dies kann beispielsweise nötig werden, wenn der Patient unter sehr starken Nebenwirkungen leidet oder wenn sich sein Körper in den Therapiepausen nur schlecht von den Strapazen der Behandlung erholt.

Drei bis sechs Behandlungszyklen

Im Behandlungsplan werden auch die Dauer der Behandlung sowie der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Behandlungsphasen festgelegt. Meist erfolgt eine Chemotherapie nämlich in mehreren Behandlungszyklen – oftmals sind es zwischen drei und sechs Zyklen.

Ein Behandlungszyklus setzt sich aus mehreren Zytostatika-Gaben, die im Abstand von jeweils einigen Tagen erfolgen, zusammen. Danach erfolgt eine längere Pause, in der keine Medikamente verabreicht werden. Meist sind mehrere Behandlungszyklen nötig, um auch das Tumorgewebe zu bekämpfen, das während des vorherigen Zyklus nicht aktiv war und somit durch die Zytostatika nicht beeinflusst wurde.

In den Pausen zwischen den einzelnen Behandlungen kann sich der Körper von der Wirkung der Zytostatika erholen. Denn diese bekämpfen nicht nur die Krebszellen, sondern schädigen auch gesunde Zellen, die sich schnell teilen. Während der Pausen können sich diese Zellen regenerieren, bei gesundem Gewebe läuft dieser Prozess nämlich deutlich schneller als bei den Tumorzellen.

Ambulant oder stationär

Eine Chemotherapie kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. In der Regel wird die Behandlung heutzutage ambulant durchgeführt, so dass sich die Patienten zwischen den einzelnen Sitzungen zuhause erholen können. Die Behandlung wird entweder ambulant im Krankenhaus oder in der Praxis eines Onkologen durchgeführt.

Unter bestimmten Umständen kann jedoch auch eine stationäre Behandlung nötig werden. Dies ist beispielsweise bei besonders intensiven Behandlungen der Fall, bei denen die Nierenfunktion oder andere körperliche Funktionen regelmäßig überprüft werden müssen. Ebenso werden auch Patienten, die während der Behandlung als besonders infektionsgefährdet eingestuft werden, im Krankenhaus behandelt.

Nebenwirkungen einer Chemotherapie

Zytostatika greifen nur diejenigen Zellen, die sich besonders schnell teilen. Dazu zählen in erster Linie Krebszellen, aber auch einige gesunde Zellen. Werden diese durch die Chemotherapie geschädigt, können unangenehme Nebenwirkungen auftreten und die Lebensqualität der betroffenen Patienten kann erheblich eingeschränkt werden. Deswegen muss im Einzelfall stets der Nutzen der Behandlung gegen die Minderung der Lebensqualität, die der Patient durch die Therapie in Kauf nehmen muss, abgewogen werden.

Kurzfristige und langfristige Nebenwirkungen

Einige der Nebenwirkungen können innerhalb von Stunden oder Tagen nach Beginn der Chemotherapie auftreten. Andere können sich jedoch auch erst nach Jahren bemerkbar machen. Wie stark die Nebenwirkungen ausfallen, hängt vor allem von der Dosierung sowie der Art der verwendeten Zytostatika ab. Daneben spielen jedoch auch die körperliche sowie psychische Verfassung des Patienten eine wichtige Rolle.

Viele Nebenwirkungen lassen sich heute durch begleitende Maßnahmen deutlich reduzieren. Dies gilt vor allem für Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen.

Vielfältige Nebenwirkung möglich

Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie zählen Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall. Daneben können jedoch auch die folgenden Nebenwirkungen auftreten:

Langfristig kann es durch die Behandlung zu organischen Schäden, etwa an den Nieren, der Leber, der Lunge oder dem Herzen kommen. Ebenso kann eine Störung der Funktion der Keimdrüsen auftreten, durch die die Fortpflanzungsfähigkeit des Patienten beeinträchtigt werden kann.

Haarausfall

Da sich die Haarzellen im Körper besonders oft teilen, gehört Haarausfall zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Patienten, bei denen diese Nebenwirkung bereits vor Beginn der Therapie wahrscheinlich ist, können sich auf Wunsch direkt ein Rezept für eine Perücke ausstellen lassen.

Nach dem Ende der Behandlung wachsen die Haare in der Regel wieder ohne Probleme nach, so dass durch die Chemotherapie kein bleibender Schaden an den Haarzellen entsteht.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen zählen neben Haarausfall zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Erbrechen ist ein natürlicher Schutzreflex des Körpers: Dieser versucht die Zytostatika, die häufig als Giftstoffe eingestuft werden, so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Heute fallen diese Nebenwirkungen jedoch meist deutlich geringer aus als noch vor einigen Jahren. Denn den Patienten werden in der Regel begleitend Medikamente verabreicht, die die unangenehmen Nebenwirkungen abmildern. Häufig werden die Medikamente nicht erst im akuten Fall eingesetzt, sondern prophylaktisch verschrieben.

Erhöhtes Infektionsrisiko

Während der Chemotherapie wird immer wieder überprüft, wie sich die Behandlung auf die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) auswirkt. Diese sind im Körper für die Immunabwehr verantwortlich. Sinkt die Zahl der Leukozyten ab, steigt das Risiko für eine Infektion.

Ist die Immunabwehr zu sehr geschwächt, muss die Chemotherapie unter Umständen unterbrochen werden oder zumindest die Pausen zwischen den einzelnen Therapiezyklen verlängert werden. Patienten, bei denen von vorneherein mit einem erhöhten Infektionsrisiko zu rechnen ist, werden häufig stationär im Krankenhaus behandelt.

Störung der Blutbildung

Durch die Zytostatika kann die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark negativ beeinflusst werden. Sie sind im Körper für den Sauerstofftransport verantwortlich. Sinkt die Zahl der Erythrozyten stark ab, tritt eine Blutarmut (Anämie) auf. Diese äußert sich in einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit sowie einer zunehmenden Müdigkeit.

In den meisten Fällen bildet sich die Blutarmut nach dem Ende der Behandlung von selbst wieder zurück. Ist die Störung sehr stark ausgeprägt, können eventuell Transfusionen helfen, die Blutarmut schneller zu beseitigen. In seltenen Fällen kann es zu einer dauerhaften Einschränkung der Blutbildung kommen.

Fatigue

Viele Krebspatienten haben mit Müdigkeit, Erschöpfung und Depressionen zu kämpfen. Während früher angenommen wurde, dass die Müdigkeit lediglich auf die Blutarmut zurückzuführen sei, weiß man heute, dass das Problem komplexer ist. So spielt unter anderem auch die Krankheitsverarbeitung eine entscheidende Rolle. Wie genau körperliche und psychische Faktoren beim Fatigue-Syndrom zusammenspielen, ist derzeit noch nicht endgültig geklärt.

Risiken einer Chemotherapie

Die meisten Nebenwirkungen der Chemotherapie klingen nach dem Ende der Behandlung relativ schnell wieder ab, so wachsen beispielsweise die Haare wieder nach und auch mögliche Schäden an den Nägeln verschwinden. Es können jedoch auch bleibende Schäden auftreten, die insbesondere bei jüngeren Patienten stark ins Gewicht fallen.

Einige Zytostatika rufen Schäden an den Nerven hervor, andere schädigen die Herzmuskelzellen oder die Nierenfunktion. Ebenso ist es möglich ist, dass durch die Chemotherapie die Keimdrüsen in ihrer Funktion gestört werden und der Patient unfruchtbar wird. Wie hoch das Risiko im Einzelfall ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Durch die Zytostatika steigt außerdem das Risiko einer Zweiterkrankung. Denn einige der Substanzen können, wenn auch mit zeitlich großem Abstand, selbst krebsfördernd sein. Allerdings ist das Risiko für eine Zweiterkrankung deutlich niedriger als die Gefahr, an der unbehandelten Ersterkrankung zu sterben.

Aktualisiert: 01.09.2020
Autor*in: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin

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