Wetter und seine Folgen

Frau mit Regenschirm bei schlechtem Wetter © rawpixel

Wissenschaftlich belegt ist der Einfluss des Wetters auf das Befinden beim alpenländischen Föhn. Wenn er auftritt, steigt die Zahl von Unfällen auf der Straße, am Arbeitsplatz und im Haushalt, wie eine Auswertung von Einsätzen der Rettungsdienste zeigt. Und dass das Wetter generell Einfluss auf die Gesundheit hat, davon gehen laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach rund zwei Drittel der Bevölkerung aus.

Wetterfühligkeit: Jeden trifft es anders

Die Bandbreite der Wetterfühligkeitssymptome ist groß. Sie reicht von Kopf- und Gliederschmerzen über häufige Antriebslosigkeit bis hin zu Unkonzentriertheit und Gereiztheit. Bei besonders empfindlichen Menschen kann die Wetterfühligkeit, auch Biotropie genannt, sogar zu Schlaflosigkeit, Depressionen und allgemeiner Lebensunlust führen. Die Hauptbetroffenen sind dabei eher Frauen als Männer, eher ältere als jüngere Personen.

Krank machen im eigentlichen Sinn kann das Wetter nicht. Es kann aber sehr wohl bestehende oder im Körper versteckte Krankheiten verschlimmern. Wissenschaftler unterscheiden verschiedene Schweregrade:

  • "Wetterreagierend" sind alle Menschen, selbst diejenigen, die es nicht wahrhaben wollen. Zum Beispiel ist man bei sonnigem Wetter mit angenehmen Temperaturen in der Regel besser gelaunt als bei Regen und Kälte.
  • "Wetterfühlig" sind diejenigen Personen deren vegetatives (nicht beeinflussbares) Nervensystem äußerst empfindlich reagiert. Ihre Reizschwelle ist so gering, dass sich Luftdruck- und Temperaturschwankungen sofort in Beschwerden, wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Arbeitsunlust, Konzentrations- und Schlafstörungen, äußern.
  • Von "Wetterempfindlich" spricht man, wenn sich bei Wetteränderungen bestehende Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Arteriosklerose und Rheuma, verschlimmern oder alte Verletzungen (Knochenbrüche) erneut Schmerzen bereiten.

Gesundheitliche Folgen des Wetters

Bei Kälteeinbruch verengen sich Adern und Venen und der Blutdruck steigt an. Das Risiko für Herzinfarkte, Thrombosen und Schlaganfälle nimmt zu. Bei starker Erwärmung und schwülem Wetter erweitern sich dagegen die Adern und Venen. Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck sind Kopfschmerzen und Schwindel die Folge. Der Grund: Das Herz muss in der gleichen Zeit wesentlich mehr Blut durch den Körper pumpen. Wer unter hohem Blutdruck leidet, fühlt sich bei dieser Wetterlage dagegen meist besser.

Von einer Arteriosklerose sind vor allem ältere Menschen betroffen. Ihr Organismus reagiert häufig auf kleinste Änderungen des Luftdrucks. Die Folge sind Schmerzen im ganzen Körper. Besonders empfindlich reagieren diese Personen auf beginnenden Tiefdruck.

Schwerewellen

Warum manche der Betroffenen den Wetterwechsel schon zwei Tage vor seinem Eintreten mit Schmerzattacken verspüren ist noch unklar. Einige Gründe für die unangenehmen Ausschläge des inneren Barometers scheinen dabei inzwischen aufgeklärt. Zum einen reizen offenbar Luftdruckschwankungen empfindliche Rezeptoren an den Blutgefässen und können so den Kreislauf durcheinander bringen.

Diese Schwankungen des Luftdrucks werden als "Schwerewellen" bezeichnet. Sie entstehen immer dann, wenn Luftschichten aneinander reiben. Die Luftmassen bewegen sich dabei unterschiedlich schnell und in entgegengesetzte Richtungen. So entstehen Schwingungen in der Luft, die sich mit Schallgeschwindigkeit fortbewegen. Man vermutet, dass hierdurch winzige Sensoren im Bereich der Halsschlagader beeinflusst werden, die für die Regulation von Blutdruck und Kreislauf verantwortlich sind.

Spherics

Ein weiteres Wetterphänomen sind elektromagnetische und lichtschnelle Impulse, die so genannten Spherics. Häufig treten Spherics vor Gewittern, Schlechtwetter- oder Schönwetterfronten sowie bei einem Aufeinandertreffen von kalten und warmen Luftmassen auf. Sie eilen dem eigentlichen Wettergeschehen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit voraus. Bei empfindlichen Personen kann es daher schon lange vor einem Wetterumschwung zu ersten Beschwerden kommen. Man nimmt an, dass Spherics die elektrische Reizübertragung des Nervensystems beeinflussen können.

Eine Abschirmung von diesen Wellen oder Strahlen ist nicht möglich. Sie dringen durch jede Hauswand und verursachen so auch die bekannten Störungen im Radio. Ob und inwieweit Schwerewellen und Spherics tatsächlich Auslöser der Wetterfühligkeit sind, wird zurzeit in Studien untersucht.

Die Ursache liegt in der Luft

Erforscht ist mittlerweile, wann sich Mitteleuropäer am wohlsten fühlen. Die Natur hat es zwar eingerichtet, dass der menschliche Organismus Klimaschwankungen von bis zu 20 Grad Celsius und mehr ohne größere Probleme aushält. Aber bei einer gemäßigten Temperatur von 20 bis 25 Grad, Sonnenschein und Hochdruckwetter ist die Belastung für den Kreislauf meist am geringsten.

Doch ganz uneingeschränkt gilt auch diese Feststellung nicht, denn: Geringer Luftaustausch, wie er für dauerhafte Hochdruckgebiete typisch ist, führt sommers wie winters zu einer Anreicherung mit Schadstoffen in bodennahen Luftschichten. Und so können in extrem heißen Sommern nicht nur die brütende Hitze, sondern auch Staub und Ozon zu teilweise schwersten körperlichen Beschwerden führen.

Wetterfest -Tipps für zu Hause

Wetterfühlige Menschen können einiges tun, um ihr Wohlbefinden zu steigern. Das Schlagwort lautet: Abhärten (Desensibilisierung).

  • Informieren Sie sich regelmäßig über das Biowetter. Dort gibt es Empfehlungen für das richtige Verhalten.
  • Setzen Sie sich bewusst Wetterreizen aus. Am besten mit Spaziergängen an der frischen Luft. Das härtet ab und macht unempfindlicher gegen Wetterreize.
  • Einen ähnlichen Effekt haben neue Klimareize. Fahren Sie deshalb so häufig wie möglich ans Meer oder ins Gebirge.
  • Durch eine regelmäßige körperliche Betätigung wie zügiges Gehen oder Schwimmen können Sie die Anpassungsfähigkeit Ihres Körpers erhöhen.
  • Mit Wechselduschen (warm und kalt), Sauna, Massage, Gymnastik, Moor-, Thermalbädern und Kneipp-Güssen können Sie die Reizschwelle gegenüber Wettereinflüssen anheben.
  • Beschwerden wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen können durch eine gesunde Lebensweise verbessert werden. Hierzu gehören vor allem ein Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Koffein sowie ausreichend Schlaf.
  • Psychische Verstimmungen sind häufig Symptome einer Überlastung in Familie und Beruf. Durch Klimareize können sie verstärkt werden. Abhilfe schaffen Entspannungsübungen wie autogenes Training, Tai Chi und Yoga.
  • Unnötiger Stress sollte so weit wie möglich vermieden werden. Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe.
  • Führen Sie ein Wetterfühligkeits-Tagebuch. Es hilft herauszufinden auf welche Wetterlagen Sie besonders empfindlich reagieren und so aktiv vorzubeugen. Vermeiden Sie gezielt Dinge, die Ihre Wetterfühligkeit verstärken.

Aktualisiert: 12.09.2016

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