Aloe Vera mobilisiert Abwehrkräfte

Aloe Vera © istockphoto, showcake

Aloe Vera ein uraltes Naturheilmittel – ist seit einigen Jahren zu größtem Ruhm gelangt. Mittlerweile enthalten viele medizinische und kosmetische Produkte Aloe Vera. Äußerlich wie innerlich wird Aloe Vera zur Nahrungsergänzung eingesetzt und ihr werden wahre Heilkräfte zugesprochen: Immunstärkend und schmerzlindernd soll sie sein, ein Balsam für den umweltbelasteten Menschen. Was ist dran am Mythos dieser Wunderpflanze?

Wirkstoffe von Aloe Vera

Die gut geschützten Wirkstoffe der Pflanze liegen im Blattinnern, eingebettet in ein Gel, das zum großen Teil aus Wasser besteht. Der wichtigste Wirkstoff ist das Polysaccharid Acemannan. Es ist eine langkettige Zuckerform, ein lebensnotwendiges Kohlenhydrat auch für den Menschen. Dieser produziert Acemannan nämlich nur bis zur Pubertät, danach muss es über die Nahrung zugeführt werden.

Acemannan wird in die Zellmembranen eingelagert und stärkt den gesamten Organismus gegen Parasiten wie Pilze, Bakterien und Viren. Es soll immunstärkend sein, denn es aktiviert und stimuliert die für die Abwehr zuständigen Zellen. Durch Aloe Vera soll die Anzahl der T-Killerzellen, der Monozyten, Lymphozyten und der roten Blutzellen vermehrt und ihre Aktivität gesteigert werden.

Das Blattmark der Aloe Vera enthält an die 200 Wirkstoffe, darunter:

Die Bandbreite der Inhaltsstoffen ist zwar groß, doch sind ihre jeweiligen Konzentrationen sehr gering. Die meisten Stoffe sind auch in heimischem Gemüse und Obst enthalten.

Aloe Vera: Äußerliche Anwendung

Das zähflüssige, schleimige Gel aus dem Frischblatt wird sehr schnell von der Haut aufgenommen. Es kühlt Sonnenbrand und Insektenstiche und heilt dank seiner antibakteriellen Wirkung Wunden, was schon die Menschen der Antike wussten.

Das Gel der Aloe Vera soll zudem bei Strahlenschäden durch Radiotherapie bei der Zellerneuerung helfen.

Auch in Alltagsprodukten und Kosmetika wie Handcreme, Cremes für das Gesicht oder Bodylotion findet Aloe Vera häufig Anwendung und dient dabei als feuchtigskeitspendende Pflege für die Haut.

Innere Anwendung von Aloe Vera

Als Lebensmittel wird der Aloe Vera eine positive Beeinflussung vieler Zivilisationskrankheiten nachgesagt. So soll die Pflanze beispielsweise bei den folgenden Beschwerden und Krankheiten helfen:

Zudem wird Aloe Vera in der Krebs und AIDS-Therapie als Nahrungsmittelergänzung eingesetzt, weil sie die Abwehrkräfte mobilisieren soll. Außerdem soll sie die Darmflora regenerieren, das stärkste Abwehrorgan des Menschen überhaupt.

Wissenschaftliche Belege der gesundheitlichen Wirkung fehlen

Aloe Vera wird als Wunderwaffe gegen Krankheiten gehandelt, doch den Versprechungen sollte man (besonders bei ernsten Erkrankungen) mit Skepsis begegnen. Im Tierversuch konnten die heilenden Wirkungen der Aloe Vera zwar nachgewiesen werden, verschiedene klinische Anwendungen am Menschen belegen bislang aber lediglich eine wahrscheinliche positive Wirkung bei Hautkrankheiten. Dies gilt vor allem bei Sonnenbrand und Verletzungen der Haut.

Aussagekräftige wissenschaftliche Beweise für die äußerliche wie innerliche Anwendung der Heilpflanze gibt es also bislang noch nicht, weshalb die behaupteten gesundheitlichen Effekte nur unter Vorbehalt zu betrachten sind.

Nebenwirkungen von Aloe Vera

Ist Aloe Vera also ein Wundermittel? Aus pharmazeutischer Sicht sieht das Ganze ein wenig anders aus. Denn in der Blattrinde der Pflanze ist Aloin enthalten, ein bitterer Stoff, den die Aloe Vera zum Schutz einsetzt und der eine abführende Wirkung hat. Eine Überdosis Aloin kann schwerwiegende Folgen haben: Einer Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge kann der Stoff krebserregend wirken.

Die amerikanischen Lebensmittel- und Gesundheitsbehörde FDA beschrieb darüber hinaus 30 Fälle, bei denen im Zusammenhang mit Aloe Vera schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind. Dazu zählen unter anderem Blutdruckschwankungen und Panikattacken.

In Kombination mit anderen pflanzlichen Bestandteilen und Vitaminen wurden außerdem Nebenwirkungen wie Pankreatitis eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse und Nierenversagen beobachtet.

Produkte mit Aloe Vera im Handel

Der Mythos Aloe Vera ist in der Menschheitsgeschichte fest verankert, schon die Ägypter schätzten die Pflanze als Schönheitsmittel und setzten das Gel in Salben und Ölen ein. Seit einigen Jahren blüht der Handel mit Aloe Vera-Produkten auch in Deutschland, mittlerweile gibt es eine fast unüberschaubare Zahl von Anbietern auf dem Markt.

Die heilsamen Wirkstoffe des Aloe Vera-Gels erhält man aus dem Frischblatt. Allerdings sollte man als Laie das Gel nur zur äußerlichen Anwendung auf die Haut auftragen. Dazu schneidet man bei Bedarf ein Stück des Blattes ab, filetiert das Mark vorsichtig heraus und trägt es auf die betroffene Stelle auf. Kühl gelagert hält sich das Blatt einige Wochen.

Die abführenden Stoffe der Pflanze dürfen nicht in Lebensmitteln vorkommen. Möchte man das Gel der Aloe Vera als Saft oder Nahrungsergänzungsmittel innerlich anwenden, sollte man nur Produkte mit professionell geschälten Blättern der Pflanze verwenden. Auf keinen Fall sollte man ganze, ungeschälte Blätter zu Säften oder Smoothies verarbeiten, da man so die möglicherweise gesundheitsschädigenden Stoffe mitverzehrt. Auch von einem Kauf solcher Produkte mit ungeschälten Blättern ist unbedingt abzuraten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Verbraucherzentrale weisen darauf hin, dass solche Produkte keine sicheren Nahrungsmittel sind.

Inhaltsstoffe von Produkten prüfen

Zudem sollte man bei Deklarationen wie "100 Prozent Aloe Vera" genau hinsehen: Angaben fertiger Aloe Vera-Produkte wie Salben oder Säfte bieten oft keine Informationen darüber, ob das Blattgel getrocknet, zu Pulver verarbeitet oder als Konzentrat hinzugefügt wurde. Die Etiketten der Aloe Vera-Produkte sollten alle Inhaltsstoffe vollständig erläutern, bei einem Hinweis auf den Zusatz "Wasser" (lat. aqua) handelt es sich um ein Extrakt.

Zusatzstoffe und Konservierungsmittel sollten in den Produkten möglichst nicht enthalten sein. Viele Produkte haben ein Gütesiegel des International Aloe Science Council (IASC), das die Reinheit und Menge des in jedem Produkt enthaltenen Aloe Vera-Gels untersucht.

Aloe Vera die Wüstenlilie

Die Pflanze Aloe Vera ist zäh und wenig biegsam, ihre Blätter sind von einer Wachsschicht umhüllt und haben sich am Rand mit dünnen Dornen wie mit Zähnen bewaffnet. Die Pflanze ist unauffällig und nicht gerade schön, so als wollte sie ihr Wesen nicht leichtfertig preisgeben. Sie erinnert an eine Kaktuspflanze, sieht aus wie eine Agave und doch gehört sie zur Familie der Liliengewächse genau wie Zwiebel oder Knoblauch.

Aloe Vera stammt aus den subtropischen Wüstenregionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, wo sie in den Tausenden von Jahren ihrer Entwicklung gelernt hat, ihr kostbares Inneres vor Umwelteinflüssen zu schützen. Die Pflanze bildet ihre Nährstoffe selbst und speichert das Wasser, das sie zum Überleben braucht. Von den etwa 300 Pflanzenarten gilt die Aloe Vera barbadensis miller als die wirkungsvollste. Als Aloe Vera wird neben der gesamten Pflanze übrigens auch das gelartige Innere der Pflanze bezeichnet.

Aktualisiert: 18.04.2019 – Autor: gesundheit.de

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