Was ist Homöopathie?

Homöopathie: Globuli © pixabay, silviarita

Homöopathie gehört zu den bekanntesten Formen der Alternativmedizin – und sicherlich auch zu den umstrittensten. Wirkt sie oder wirkt sie nicht? Kann man sich der Entscheidung zwischen Homöopathie und Schulmedizin tatsächlich nur mit "entweder … oder …" nähern? Die Diskussion über Globuli & Co. erhitzt die Gemüter. Im Folgenden beleuchten wir, was hinter den homöopathischen Mitteln steckt.

Samuel Hahnemann als Erfinder der Homöopathie

Dr. Christian Samuel Friedrich Hahnemann, der Vater der Homöopathie, hätte zu dieser Diskussion sicherlich einiges zu sagen gehabt. Schließlich war der Allround-Wissenschaftler, der am 10. April 1755 geboren wurde, als kritischer Forscher und aufmerksamer Beobachter bekannt. 

Hahnemann war, wie viele Gelehrte seiner Zeit, ein äußerst gebildeter und neugieriger Mensch. Er studierte Pharmazie und Medizin und war nicht bereit, alles zu glauben, was er las.

Ähnliches mit Ähnlichem behandeln

Diese Einstellung führte dann auch letztlich zur Entdeckung des Wirkprinzips der Homöopathie: Ähnliches mit Ähnlichem behandeln. 

Weil er den Berichten in einer Apothekerzeitschrift, Chinarinde helfe gegen Malaria, nicht glauben wollte, unternahm Hahnemann einen Selbstversuch und nahm einige Gramm Chinarinde zu sich. Bereits wenige Stunden später entwickelte der Mediziner typische Malaria-Symptome wie Fieberschübe mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche.

Nach zahlreichen weiteren Versuchen an Kranken und Gesunden formulierte Samuel Hahnemann 1796 seinen Behandlungsgrundsatz. 

Der Begriff "Homöopathie" greift ihn auf: "homoion" ist das griechische Wort für "ähnlich", "Pathos" steht für "Leiden".

Drei Leitprinzipien der Homöopathie

Die Homöopathie basiert auf verschiedenen Leitprinzipien:

  1. Ähnlichkeitsprinzip
  2. Potenzierung
  3. Arzneimittelprüfung

Die erste Grundregel der Homöopathie – das schon erwähnte Ähnlichkeitsprinzip – beruht auf der Erkenntnis, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Krankheitssymptome hervorruft, einen kranken Menschen heilen kann, der unter ähnlichen Symptomen leidet. 

Wer zum Beispiel an Schlaflosigkeit und Herzklopfen leidet, dem kann mit einem homöopathischen Kaffeeaufguss geholfen werden. Wer Fieber hat, kann ein Mittel bekommen, dass bei gesunden Menschen die Körpertemperatur erhöht.

Potenzierung: Wirksamkeitssteigerung durch Verdünnung

Die Homöopathie arbeitet mit Naturstoffen – heute werden rund 2.500 homöopathische Arzneimittel vor allem aus pflanzlichen, mineralischen und tierischen Substanzen gewonnen. Viele natürliche Grundsubstanzen wie zum Beispiel Eisenhut oder Tollkirsche, die in der Homöopathie eingesetzt werden, sind zunächst hochgiftig. Daher werden sie verdünnt.

Hahnemann machte dabei die Erfahrung, dass die Heilkraft durch das Verdünnen zunahm. Eine mögliche Erklärung für diesen Effekt lieferten koreanische Wissenschaftler1, die entdeckten, dass sich die gelösten Moleküle nicht wie bisher angenommen gleichmäßig im Lösungsmittel verteilen, sondern verklumpen und sich zu größeren Bestandteilen zusammenschließen. Je größer die Verdünnung war, desto größer wurden die Klumpen.

Hahnemann nannte diesen Ansatz "Potenzierung". Die Verdünnung erfolgt stufenweise, die Mittel werden dabei immer wieder verrieben oder "verschüttelt".

Homöopathische Arzneimittelprüfung

Unverzichtbar ist laut Hahnemann die genaue Kenntnis der homöopathischen Mittel und ihrer Wirkung. Im Gegensatz zur Schulmedizin, in der Medikamente an Kranken getestet werden, sieht das Prinzip der homöopathischen Arzneimittelprüfung vor, dass Gesunde die homöopathischen Mittel einnehmen und Symptome, Reaktionen oder Veränderungen notieren, die sie bei sich selbst feststellen. 

Bereits zu Hahnemanns Lebzeiten wurden so zahlreiche sogenannte "Arzneimittelbilder" verschiedener Homöopathika verzeichnet – auch heute noch stammen viele Wirkungsbeschreibungen aus dieser Zeit.

Welches homöopathische Mittel ist das richtige?

Eng verknüpft mit dem Ähnlichkeitsprinzip ist die Notwendigkeit, eine ausgeprägt individuelle Behandlung des Patienten durchzuführen. Dieses Individualprinzip hilft, für jeden Patienten das richtige Mittel in der richtigen Dosierung zu finden. 

Das erfordert Zeit und Aufmerksamkeit. Konsequenterweise kann daher eine Erstuntersuchung bei einem Heilpraktiker oder Arzt mit homöopathischer Zusatzausbildung zwei bis drei Stunden dauern.

Offenheit in der Behandlung erforderlich

Damit der behandelnde Homöopath das richtige Mittel in der richtigen Dosierung verschreiben kann, muss er sich intensiv mit seinem Patienten auseinandersetzen. 

Umgekehrt muss der Patient bereit sein, sich seinen Beschwerden und seiner Erkrankung zu stellen. Dazu gehört die Beobachtung der eigenen Lebensweise, das "Horchen" in den Körper, dass dem Homöopathen hilft, zum Beispiel einen chronischen Husten besser zu differenzieren.

Tritt der Husten nur nachts auf? Nach bestimmten Speisen oder Aktivitäten? Ist er mit bestimmten Gefühlen oder Verhaltensweisen verbunden? Bei der Erstanamnese kommt alles auf Tisch – auf so viel Offenheit und Nabelschau muss man sich einlassen, wenn man eine homöopathische Behandlung durchführen will.

Was bedeutet D6 oder C4?

Mit solchen Kürzeln werden Verdünnungsfaktoren der homöopathischen Mittel bezeichnet. Die Herstellung homöopathischer Mittel ist eine Kunst für sich, die von Hahnemann entwickelten Regeln folgt.

Dabei werden gepresster Saft aus frischen Pflanzen 1:1 mit Alkohol gemischt oder aber getrocknete Pflanzenteile zehn Tage lang in Alkohol eingelegt und dann abgefiltert. So sollen die Wirkstoffe aus den Pflanzenzellen herausgezogen werden. 

Feste Stoffe wie hoch mineralhaltiger Muschelkalk oder Gold werden eine Stunde lang mit ebenso viel Milchzucker im Mörser verrieben und die entstandenen Stoffe dann in Alkohol, Wasser oder Milchzucker verdünnt.

Die einzelnen Buchstaben in den unterschiedlichen Potenzen, also beispielsweise D6 oder C4, stehen für die unterschiedlichen Verdünnungen:

  • bei "D" wird im Verhältnis 1:10 verdünnt
  • bei "C" wird im Verhältnis 1:100 verdünnt
  • bei "LM" oder "Q" wird im Verhältnis 1: 50.000 verdünnt

Die Zahl hinter dem Buchstaben gibt an, wie oft verdünnt wurde. Bei der Angabe C4 bedeutet das: Auf 99 ml Alkohol wird 1 ml Urtinktur gegeben und entsprechend gemischt. Ein Milliliter dieser Tinktur wird dann wieder in 99 ml Lösung gegeben und gemischt. Dieser Vorgang wird insgesamt viermal wiederholt.

Globuli, Tropfen und andere Formen

Die so gewonnene Lösung kann entweder in Form von Tropfen, als Tablette, Zäpfchen oder Salbe angewendet werden. 

Die kleinen Kügelchen, auch Globuli genannt (lat. globus – die Kugel), sind eigentlich aus Milchzucker und bekommen einen Sprühüberzug aus der Tinktur.
Homöopathische Mittel sind meist nur in der Apotheke erhältlich, aber rezeptfrei.

Homöopathie als Alternative zur Schulmedizin?

Die Homöopathie gilt bei Patienten als eine der beliebtesten alternativen Heilmethoden. Viele Menschen greifen gerne zu Globuli & Co., um Krankheiten zu behandeln. Keinesfalls sollte eine homöopathische Behandlung jedoch ohne professionelle Unterstützung durchgeführt werden.

Homöopathische Ärzte haben ein schulmedizinisches Studium absolviert und nach dessen Abschluss eine von den Landesärztekammern anerkannte und vorgeschriebene Weiterbildung gemacht. 

Der Begriff "Homöopath" ist aber nicht geschützt. Heilpraktiker dürfen daher auch ohne Fachausbildung eine "Praxis für Homöopathie" eröffnen. Ein guter Homöopath wird jedoch jederzeit bereitwillig Auskunft über seine Ausbildung und Qualifikation geben. 

Homöopathie meist nicht auf Krankenschein

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten für Homöopathika in der Regel nicht. Nur im Rahmen der Einzelfallentscheidung wird die homöopathische Anamnese (Fallaufnahme) von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Homöopathische Arzneimittel werden auch nur im Ausnahmefall erstattet.

Private Zusatzversicherungen erstatten in der Regel die Kosten einer homöopathischen Behandlung.

Wirksamkeit in der Kritik

Bis heute gilt die Wirksamkeit von Homöopathie als nicht wissenschaftlich belegt. Zahlreiche Studien und Metaanalysen2,3 haben die Wirkung von Homöopathika untersucht und konnten keine Wirkung feststellen, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Zwar scheinen auch einige Studien einen gesundheitlichen Effekt der Homöopathika zu belegen, jedoch stehen diese Studien meist aufgrund von methodischen Schwächen in der Kritik.

Zudem gibt es keine naturwissenschaftliche Begründung, warum Homöopathie wirken sollte – im Gegenteil: Hahnemanns Prinzipien widersprechen teilweise den Naturgesetzen. Ein Kritikpunkt dabei ist, dass die Mittel teils so stark verdünnt werden, dass sich kein Molekül des ursprünglichen Wirkstoffs mehr darin nachweisen lässt. 

Kritikern zufolge ist Homöopathie daher nicht nur wirkungslos, sondern auch riskant: Ärzte warnen davor, insbesondere schwere Krankheiten ausschließlich mit homöopathischen Mitteln zu behandeln. Wird eine schulmedizinische Behandlung zugunsten der Homöopathie zu lange hinausgezögert, kann es möglicherweise für lebensrettende Maßnahmen (wie die operative Entfernung eines Tumors) zu spät sein.

Fazit: Homöopathie kann unterstützen, nicht ersetzen

Trotz fehlender wissenschaftlicher Belege hat die Homöopathie viele Anhänger. Auch Kinder und Tiere werden oft mit der vermeintlich sanften Medizin behandelt. Man sollte sich jedoch darüber bewusst sein, dass Homöopathie nach derzeitigem Stand der Wissenschaft eine schulmedizinische Behandlung nicht ersetzen kann. 

Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann Homöopathie jedoch unterstützend eingesetzt werden. Wichtig ist dabei, einen erfahrenen homöopathischen Arzt zurate zu ziehen. Denn auch Homöopathika können mitunter schwere Nebenwirkungen haben, wenn die Mittel nicht stark genug potenziert sind und die enthaltenen Wirkstoffe Vergiftungen, allergische Reaktionen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auslösen.

Quellen und Studien

  1. Samala, Shashadhar und Geckeler, Kurt E. (2000): Cyclodextrin–fullerenes: a new class ofwater-soluble fullerenes.
  2. Australian Government, National Health an Medical Research Council (2015): NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions.
  3. Shang, Aijing  et al. (2005): Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy.
     

Aktualisiert: 06.11.2018 – Autor: Susanne Köhler; überarbeitet: Silke Hamann

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