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Was ist gerecht?

Die Unterscheidung der drei Prinzipien klingt einleuchtend, aber wann wird welches Prinzip angewendet und wann müssen vielleicht mehrere Strategien kombiniert werden?

Jeder Mensch sollte zunächst vom Gleichheitsprinzip ausgehen. "Es gilt immer dann, wenn es keinen guten Grund gibt, Menschen unterschiedlich zu behandeln", erklärt Erlinger. Gibt es diese aber, kommen das Bedürfnis- und/oder Beitragsprinzip zum Tragen.

Es gilt also, die richtige Mischung zu finden. Ein Beispiel: Für den Geschichtstest haben alle Schüler eine Stunde Zeit. Ein Schüler bekommt noch 15 Minuten hinzu, weil er sich beim Sport die rechte Hand verstaucht hat, und deshalb nicht so schnell schreiben kann.

Die Opferrolle

Was ist aber, wenn man selbst ein Opfer von Ungerechtigkeit wird? Wenn der Chef die verdiente Beförderung verweigert oder die Partnerin sich bei andern über die eigene männliche Faulheit beklagt, obwohl man gerade erst den Keller aufgeräumt hat?

Hier heißt es, nicht gleich den Job hinzuschmeißen oder die Partnerin vor die Tür zu setzen. Es lohnt sich, immer zuerst eine Denkpause einzulegen – vielleicht hat der andere ja Recht und die "unfaire“ Behandlung ist im Grunde gar keine.

Wer sich jedoch vollkommen sicher ist, dass etwas ungerecht ist, sollte sich dagegen wehren. Seinen Frust runterschlucken oder sich bei Freunden auszuheulen hilft nicht weiter und schadet höchstens der Gesundheit. Ein respektvolles Gespräch kann schon ausreichen, um das Problem zu lösen.

Auch wenn Menschen einander gut kennen – keiner kann in den Kopf des anderen hineinsehen und seine Gefühle erraten. Also immer erklären, warum man sich ungerecht behandelt fühlt, vielleicht hat der andere die Sache noch nie von einem anderen Standpunkt aus betrachtet. Sich wehren nützt aber leider nicht immer.

Ungerechtigkeit akzeptieren?

In manchen Situationen kann es einfach nicht für alle Beteiligten gleichermaßen gerecht zugehen. Dann heißt es einfach nur: Das Unabänderliche akzeptieren. Der amerikanische Philosoph John Rawls formulierte es einmal so: "Ungerechtigkeit ist nur tragbar, wenn sie zur Vermeidung einer noch größeren Ungerechtigkeit notwendig ist.“ Und für diejenigen, die sich damit nicht abfinden können, ein kleiner Trost: "Das Leben ist ungerecht, aber denke daran: nicht immer zu deinen Ungunsten.“ (John F. Kennedy)

Aktualisiert: 15.01.2014

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