Stress: Was heißt das eigentlich?

Stress verursacht oft Kopfschmerzen © istockphoto, ARTSUS

Wer um seinen Arbeitsplatz fürchtet oder Probleme in seiner Beziehung hat, der läuft Gefahr, krank zu werden. Stress ist ein Ausdruck für Belastung und Anspannung des ganzen Organismus. Stress ist in Deutschland weit verbreitet. Laut einer Forsa-Studie im Jahr 2013 mit etwa 1.000 Befragten empfinden fast 6 von 10 Deutschen regelmäßig Stress. Unter den 35- bis 45-Jährigen sind es sogar 8 von 10 Befragten. Jeder fünfte Arbeitnehmer fühlt sich durch Zeitdruck oder Erschöpfung überfordert. Kein Wunder: Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der jedes gewonnene Zeitfenster wieder mit neuen Aufgaben gefüllt wird. Ruhe- und Entspannungsphasen kommen dagegen permanent zu kurz. Bedenklich, wenn man berücksichtigt, dass glückliche und ausgeglichene Menschen weniger anfällig für Krankheiten sind als solche, die seelische Not leiden.

Was ist Stress?

Stress ist bei uns meist negativ besetzt – wir stöhnen über zu viel davon im Alltag, im Berufsleben, in der Freizeit. Doch genau genommen muss man unterscheiden: in "guten Stress" (Eustress) und negativen Stress" (Distress)". In Stresssituationen werden vermehrt Hormone wie Adrenalin und Kortisol produziert, der Blutdruck steigt – der Körper schaltet in Alarmbereitschaft. Bei unseren Vorfahren ein Überlebensvorteil, um in Gefahrensituationen alert zu sein und kämpfen (oder schnell weglaufen) zu können.

Stress als Gesundheitsrisiko

Ein Gesundheitsrisiko ist Stress allerdings, wenn er im Übermaß auftritt und die Anspannungsphasen nie durch entspannende Situationen entschärft werden. Häufigkeit, Vielfalt, Dauer sowie die persönliche Bewertung einer Situation entscheidet, was als (negativer) Stress erlebt wird. Ein gestresster Mensch empfindet, dass die Situation seine Kräfte und Bewältigungsmöglichkeiten über Gebühr beansprucht, fühlt sich dem nicht gewachsen und fürchtet negative Konsequenzen. Dieses Gefühl wird als Gefährdung der eigenen Gesundheit, der sozialen Anpassung oder der Leistungsfähigkeit wahrgenommen.

Stress ist also ein Ungleichgewicht zwischen den inneren und äußeren Anforderungen an die Person und ihren Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Dabei muss es dieses Ungleichgewicht objektiv gar nicht geben, doch der Betroffene empfindet es so.

Stress ist überall

Viele Situationen können im Körper Stress auslösen, z. B. Existenzangst, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Lärm, Über- oder Unterforderung, Schlafdefizit, Versagensangst, Zeitdruck und Streit. Ein eher modernes Phänomen ist der "Fitness-Stress" – bedingt durch die Sensibilisierung gegenüber der eigenen Gesundheit haben wir das Gefühl, in unserer Freizeit ständig etwas für unser Wohlgefühl tun zu müssen. Wir hetzen vom Wellness-Termin zum Bauch-Beine-Po-Training, vom Yoga zum Lauftreff. Und vergessen dabei ganz, uns zu entspannen.

Auf der Hitliste der Stresssituationen stehen auch Urlaub und Feiertage ganz oben. Statt Entspannung und Freude empfinden wir Hektik und Zwang, statt ein harmonisches Zusammensein zu genießen plagen wir uns mit Streit und Diskussionen. Die eigene Erwartungshaltung und das Harmoniebedürfnis bauen einen immensen Druck auf – der uns alles andere als ausgeglichen sein lässt.

So erkennt man Stress

Besteht Stress ständig oder kehrt in kurzen Zeitabständen – ohne ausreichende Ruhephasen dazwischen –immer wieder, kann er psychisch und körperlich krank machen. Folgende Beschwerden sind typische Zeichen:

Stress aktiviert organische Bereiche wie Immunabwehr, Herz-Kreislauf-System, Muskulatur oder die Bildung von Magensäure. Bei Daueraktivierung kann das die Abwehrkräfte, das Gefäßsystem oder die Magenschleimhaut überreizen und somit schädigen: Dauerstress schwächt das Immunsystem und kann zu Magengeschwüren oder Bluthochdruck führen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Diabetes oder Herzinfarkt kommen. Bei länger andauernden Beschwerden sollte deshalb immer der Arzt zu Rate gezogen werden.

Aktualisiert: 14.12.2015 – Autor: Dagmar Reiche

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