Untersuchungen von Gehirn und Nerven: Funktionstests

Zur Untersuchung von Gehirn und Nerven stehen verschiedene Funktionstests zur Verfügung, beispielsweise Tests der Motorik oder der Sensibilität. Welche Tests es gibt und was dabei gemacht wird, erklären wir im Folgenden.

Funktionstests: Hirnnerven

Die zwölf paarigen Hirnnerven sind wichtige Strukturen, die das Gehirn mit der Peripherie verbinden. Sie enthalten verschiedene Nervenfasern, die für Muskelbewegung, Sinneswahrnehmungen und andere Empfindungen zuständig sind und zum Gesicht (unter anderem Augen, Ohren, Nase, Mund), zum Hals und zu Brust- und Bauchorganen ziehen.

Ihre Funktion lässt sich unter anderem durch folgende Tests und Untersuchungen einschätzen:

  • Augentests
  • Ohrenuntersuchungen
  • Prüfung der Hautempfindlichkeit in Gesicht, der Mimik und der Zungenbewegung

Diese werden überprüft, wenn der Arzt Sie zum beispiel bittet, ihm die Zunge zu zeigen, die Stirn zu runzeln und seinen Fingern hinterherzuschauen.

Funktionstest der Motorik

Für die Fähigkeit, die willkürlichen Muskeln gezielt und koordiniert zu bewegen, müssen sich Gehirn, Rückenmark, periphere Nerven und Muskeln abstimmen. Deshalb werden zur Motorikprüfung auch ganz verschiedene Tests eingesetzt.

  • Koordination: Beim normalen Gehen oder auch Seiltänzergang, Stehen mit geschlossenen Augen, auf Zehenspitzen und auf den Hacken oder beim virtuellen Eindrehen einer Glühbirne wird das abgestimmte Zusammenwirkung überprüft. Dies kann bei ganz unterschiedlichen Störungen wie der Parkinson-Krankheit oder einem Innenohrschaden beeinträchtigt sein.
  • Der Arzt bittet den Patienten, einzelne Muskeln oder Muskelgruppen gegen seinen Widerstand anzuspannen. Er beurteilt die Kraft immer im Seitenvergleich und achtet dabei auch auf Schmerzen. Auch das Vorhalten der Arme bei geschlossenen Augen kann Hinweise auf leichte Störungen geben – nämlich dann, wenn ein Arm langsam absinkt.
  • Der Spannungszustand der Muskulatur gibt ebenfalls wichtige Hinweise auf mögliche Krankheiten. Er kann erhöht sein (Spastik, Rigor), zum Beispiel bei der Parkinson-Krankheit oder vermindert sein, beispielsweise bei Muskelerkrankungen.
  • Reflexe: Fast jeder kennt es: das mit Gummi ummantelte, glänzende Hämmerchen, mit dem der Arzt unter das Knie oder in die Ellenbeuge schlägt und so Bein oder Arm zum Zucken bringt. Er prüft damit, wie gut ein Reiz über Nervenfasern an den Muskel weitergeleitet wird. Reflexe können vermindert bzw. erloschen oder gesteigert (Klonus) sein. Da die Reizantwort individuell unterschiedlich ausgeprägt ist, werden Reflexe immer im Seitenvergleich beurteilt. Starke Differenzen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit krankhaft. Daneben gibt es Reflexe, die bei Babys normal, später aber dann krankhaft sind.

Test der Sensibilität

Auch die Untersuchung der verschiedenen Empfindungsqualitäten erfolgt im Seitenvergleich. Nacheinander werden dem Patienten bei geschlossenen Augen verschiedene Reize gesetzt – erst an gesunden Arealen zum Vergleich, wie es sich normal anfühlt, dann an den vermutlich kranken Gebieten.

Geprüft werden:

  • Berührungsempfinden (zum Beispiel mit einem Wattebausch)
  • Vibrationsempfinden (mit einer Stimmgabel, die auf Knochenvorsprünge gesetzt wird)
  • Lage- und Bewegungsempfindung ("Was ist oben und unten" bei dem Finger, der vom Arzt bewegt wird)
  • Schmerzempfinden (mit einem abgebrochenen Holzstäbchen) und
  • Temperaturempfinden (mit kaltem und warmen Wasser in einem Reagenzglas)

Daneben soll der Patient Zahlen erkennen, die auf die Haut geschrieben werden, Gegenstände erfühlen oder erfassen, und erkennen, wenn gleichzeitig zwei Reize gesetzt werden. Störungen der Sensibilität kommen zum Beispiel beim Bandscheibenvorfall oder bei Nervenstörungen infolge einer Zuckerkrankheit vor.

Aktualisiert: 20.03.2019 – Autor: Dagmar Reiche

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