Untersuchungen von Gehirn und Nerven: Weitere Verfahren

CT zur Untersuchung von Gehirn und Nerven © istockphoto, shironosov

Bei der Untersuchung von Gehirn und Nerven können diverse neuropsychologische Untersuchungen genauso erforderlich sein wie bildgebende Verfahren, zu denen beispielsweise MRT und CT zählen. Auch Messungen von Hirnströmungen oder der Geschwindigkeit der Nervenweiterleitung können bei der Diagnostik eine Rolle spielen. Wir stellen Ihnen verschiedene Untersuchungen vor.

Neuropsychologische Untersuchung

Weiterer Teil der neurologischen Untersuchung ist die Überprüfung von Bewusstsein, Gedächtnis und der Zustand der Psyche. So lassen sich höhere Gehirnleistungen wie Wahrnehmung und Denken beurteilen und Störungen wie Demenz, psychische Erkrankungen oder Folgen organischer Krankheiten wie eines Schlaganfalls erkennen.

Wie oben beschrieben gibt das ausführliche Gespräch bereits bedeutende Hinweise. Sprach- und Sprechstörungen lassen zum Beispiel – je nach Ausprägung – auf das betroffene Gehirnareal schließen. Das Verstehen von Gesprochenem und Geschriebenem wird mit bestimmten Tests beurteilt, ebenfalls die Orientiertheit zu Raum, Zeit und Person sowie das Gedächtnis (Mini-Mental-Status-Test). Auch Intelligenztests oder psychologische Untersuchungen wie der Rorschach-Test kommen manchmal zur Anwendung.

Weitere Verfahren: Bildgebende Verfahren

Oft interessiert besonders das, was sich gut geschützt hinter den Schädelknochen oder Wirbeln verbirgt. Zur Untersuchung von Gehirn und Rückenmark wird am häufigsten die Computertomographie (CT) durchgeführt. Damit lassen sich besonders gut Verkalkungen, Tumoren, Entzündungen und Wassereinlagerungen feststellen, ebenso Blutungen und Bandscheibenvorfälle. Auch die Knochen selbst lassen sich beurteilen. Das konventionelle Röntgen kommt daher nur noch selten zum Einsatz.

Mit der Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich vor allem Weichteile, Tumoren und Hirninfarkte sehr gut darstellen. Wie auch beim CT lassen sich bestimmte Fragen durch zusätzliches Spritzen eines Kontrastmittel beantworten.

Die Angiografie dient der Darstellung der Gefäße, zum Beispiel bei Verdacht auf Ausweitungen oder Verengungen. Dazu wird ein dünner Schlauch in die entsprechenden Gefäße vorgeschoben, Kontrastmittel eingefüllt und mit einer Röntgendurchleuchtung dargestellt.

Der Blutstrom selber lässt sich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung farbig sichtbar und hörbar machen.

Die Single-Photon-Emissions-Computertomographie (SPECT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) haben nicht nur komplizierte Namen, sondern bergen komplexe Technik. Deshalb sind sie recht teuer in der Anwendung. Sie bedienen sich radioaktiver Substanzen, die gespritzt werden und deren im Körper abgestrahlte Energie dargestellt wird.

Das Spannende ist, dass sich damit das Gehirn während seiner Arbeit darstellen lässt – aktive Bereiche zeigen mehr Anreicherungen als tatenlose Areale. Damit sind sie eine beliebte Hilfe in der Gehirnforschung – welche Gebiete reagieren, wenn man zornig ist, Hunger hat oder Werbung anschaut? Was passiert beim Einschlafen, Fernsehgucken und Lernen?

Elektrische Aktivitäten messen

Zur Standarduntersuchung bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie der Epilepsie gehört das Messen von Hirnströmen (EEG).

Vermutet man, dass bestimmte Leitungsbahnen (z.B. für das Sehen oder Hören) geschädigt sind, lassen sich an der Peripherie gezielt Reize setzen (zum Beispiel an den Augen oder Ohren) und die dadurch ausgelösten Aktivitäten am Gehirn messen (evozierte Potentiale).

Mit der Elektroneurographie (ENG) lässt sich die Geschwindigkeit der Nervenleitung messen. Diese ist zum Beispiel bei Verletzungen oder Erkrankungen der Nerven vermindert. Dazu wird der entsprechende Nerv mit einem kleinen Stromreiz aktiviert, was zum Zucken des angeschlossenen Muskels führt. Gemessen wird, wie lange es dauert, bis der Reiz beim Muskel ankommt.

Mit der Elektromyographie (EMG) werden die Muskelaktivitäten optisch und akustisch sichtbar gemacht. Dadurch lassen sich bei Muskelveränderungen unterscheiden, ob die Ursache am Muskel selbst oder am diesen versorgenden Nerv liegt.

Blick in die Zukunft

Erst kürzlich entwickelten Forscher aus München und Wien ein neuartiges Lasermikroskop. Mit diesem lässt sich ein zuvor speziell behandeltes Gehirn Schicht für Schicht einscannen und die so gewonnenen Bilder hinterher am Computer zu einem dreidimensionalen Film zusammenfügen. Im Gegensatz zur Computertomografie beziehungsweise Magnetresonanztomografie betragen die Schichtdicken dabei nicht einen halben Millimeter, sondern nur ein Tausendstel davon – dünn genug, um einzelne Nervenzellen rekonstruieren zu können.

Einen Nachteil hat diese Technik simulierter 3D-Flüge durchs Gehirn allerdings: Sie kann bisher nur an totem Gewebe durchgeführt werden. Auch wenn sie deshalb in der klinischen Diagnostik keinen Platz findet, eröffnet sie spannende Möglichkeiten in der Hirn- und Nervenforschung sowie in der Ausbildung zukünftiger Mediziner.

Aktualisiert: 20.03.2019 – Autor: Dagmar Reiche

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