Untersuchungen von Nieren und Harnwegen

Untersuchungen von Nieren und Harnwegen beim Arzt
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Dreihundert Mal fließt das gesamte Blutvolumen täglich durch die Nieren: 1.500 Liter Flüssigkeit, von der zunächst knapp ein Zehntel abgefiltert wird. Davon gelangt wiederum nur ein kleiner Bruchteil durch die Harnwege zusammen mit Abfallstoffen als Urin nach draußen - der größte Teil wird wieder zurück in den Blutstrom aufgenommen. Neben der Blutreinigung haben die Nieren noch andere wichtige Funktionen in unserem Organismus. Zur Untersuchung der Nieren und Harnwege stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Im Folgenden stellen wir Ihnen verschiedene Untersuchungsmethoden vor.

Symptome bei Störungen der Nierenfunktion

Störungen der Nierenfunktion werden häufig erst bei Routineuntersuchungen des Blutes erkannt; bei Krankheiten im ableitenden Harnsystem führen den Patienten dagegen oft Beschwerden zum Arzt. Typische Symptome, die für Krankheiten im Bereich von Harnblase und Harnröhre sprechen, sind Probleme bei der Harnentleerung wie

  • vermehrter Harndrang
  • Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen
  • verzögertes Wasserlassen
  • Blasenschwäche
  • Geruchsveränderungen
  • Verfärbungen des Urins

Sie können z.B. auf eine Reizblase, Entzündungen der Blase oder Harnröhre, Tumoren oder Veränderungen der Prostata hinweisen.

Aber auch andere Krankheiten können sich durch Beschwerden im Harntrakt äußern, so z.B. Diabetes durch vermehrtes Wasserlassen (Polyurie) oder die Porphyrie durch Urinverfärbungen. Nierenbeckenentzündungen können sich durch ziehende Schmerzen in der Flanke und Fieber äußern, Nieren- oder Harnsteine rufen massive Koliken hervor, wenn sie stecken bleiben.

Untersuchungen der Nieren und Harnwege: Anamnese

Meist lassen sich durch gezieltes Befragen des Patienten zu seiner Krankengeschichte (Anamnese) die geschilderten Beschwerden bereits wahrscheinlichen Krankheiten zuordnen. Im Mittelpunkt stehen zunächst die aktuellen Symptome - wo, wann und wie häufig sie auftreten, ob sie plötzlich angefangen haben oder schon länger bestehen und ob weitere Beschwerden vorliegen. Andere durchgemachte oder chronische Krankheiten, frühere Operationen oder Unfälle, eingenommene Medikamente und Erkrankungen in der Familie sind ebenso von Bedeutung.

Grunddiagnostik zur Harnwegs- und Nierenuntersuchung

Die körperliche Untersuchung erfolgt meist am stehenden und liegenden Patienten. Äußerlich sichtbare Krankheitszeichen (Inspektion) sind z.B. Wassereinlagerungen und blasse oder gelbliche Haut.

Bei der Tastuntersuchung (Palpation) kann der Arzt die Nieren untersuchen (zumindest bei schlanken Menschen) und den Füllungszustand und die Empfindlichkeit der Harnblase prüfen, insbesondere wenn er gleichzeitig sein Stethoskop zum Abhören einsetzt (Auskultation); bei der Untersuchung des Enddarms lässt sich die Prostata ertasten. Beim Abklopfen (Perkussion) im Bereich der Flanken offenbart sich eine Schmerzhaftigkeit der Nierenlager – möglicher Hinweis auf eine Entzündung oder einen Stein.

Zu den wichtigsten Untersuchungen bei Krankheiten im Bereich der ableitenden Harnwege gehört die Urinuntersuchung. Dabei kann nicht nur die Harnmenge bestimmt werden, sondern die Urinprobe kann unter dem Mikroskop auf Beimengungen (z.B. Blut oder Entzündungszellen) begutachtet sowie auf das Vorhandensein und die Menge gewisser Stoffe geprüft werden. Substanzen wie Harnsäure, Eiweiße und Zucker sind normalerweise nicht oder nur in geringen Mengen vorhanden – und geben Hinweise auf Stoffwechselerkrankungen wie Gicht und Diabetes.

Bei Verdacht auf eine Infektion von Niere oder Blase lässt sich eine "Urinkultur" anlegen, mit der Keime bestimmt werden können. Meist werden gleichzeitig Blutproben untersucht, mit denen sich besonders Aussagen über die Nierenfunktion treffen lassen.

Tests der Nierenfunktion und Harnblasenfunktion

Es gibt eine Reihe von Verfahren, mit denen die Ausscheidungsleistung und Konzentrierfähigkeit der Nieren, die Nierendurchblutung sowie die Funktionsfähigkeit der Harnblase überprüft werden können. Zu den Funktionstests zählen:

  • Harnstoff und Kreatinin: Einen groben Überblick gibt die Konzentration von Harnstoff und Kreatinin im Blut. Diese Substanzen werden von den gesunden Nieren aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion beeinträchtigt, steigt deshalb ihre Konzentration im Blut an. Ein genaueres Bild gibt die Kreatinin-Clerance, bei der die Konzentration von Kreatinin im Blut und im über 24 Stunden gesammelten Urin bestimmt und miteinander in Beziehung gesetzt wird.
  • PAH-Clearance: Dem Patienten wird p-Aminohippursäure in die Vene gespritzt und ihre Konzentration in Blut und Urin bestimmt. Dies lässt Rückschlüsse auf die Nierendurchblutung zu.
  • Inulin-Clearance: Statt PAH wird Inulin gespritzt; der Test erlaubt eine Aussage über die Filtrationsleistung in den Nierenkörperchen.
  • Volhard-Versuch: Der Patient stellt die Wasserzufuhr ein und in regelmäßigen Abständen wird die Harnkonzentration gemessen. Diese steigt beim Gesunden kontinuierlich an.
  • Nierenszintigraphie (Radionuklidnephrographie): Dem Patienten wird eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt, die in den Nieren gespeichert bzw. mit dem Harn ausgeschieden wird. Das Ausmaß der Anreicherung über mehrere Phasen kann mit einer speziellen Kamera aufgenommen werden. So lassen sich Durchblutung, Filterfunktion und Harnentleerung beurteilen und damit verschiedene Krankheiten voneinander abgrenzen. Daneben ist sie eine wichtige Untersuchung nach einer Nierentransplantation, um frühzeitig Abstoßungsreaktionen zu erkennen.
  • Urodynamik: Dieser Oberbegriff umfasst verschiedene Untersuchungen, mit denen sich die Funktion der Harnblase und ihrer Schließmuskel prüfen lassen: Bestimmen der Harnmenge, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums die Harnblase durchfließt, des Drucks in der Blase und das Prüfen mittels Ultraschall, ob sich darin nach der Entleerung noch Urin befindet.

Bildgebende Verfahren zur Untersuchungen der Nieren und Harnwege

Der Ultraschall (Sonographie) ist ein recht einfach durchzuführendes, für den Patienten unbelastendes Verfahren, mit dem sich Nieren, Harnblase und Prostata sehr gut beurteilen lassen. Es erlaubt Aussagen über Form, Größe und Struktur der Organe und lässt Veränderungen wie Zysten, Steine und Tumoren erkennen. Ist es nötig, eine Gewebeprobe zu entnehmen (z.B. bei dem Verdacht auf eine Nierenkörperchenentzündung oder einen Tumor), lässt sich unter Ultraschallkontrolle die verdächtige Stelle leichter ansteuern.

Andere bildgebende Verfahren sind meist spezielleren Fragestellungen vorbehalten:

  • Urographie: Röntgenuntersuchung, bei der Nieren, Harnleiter, Blase und Harnröhre mittels Kontrastmittel dargestellt werden. Dieses kann entweder in die Vene gespritzt (Ausscheidungs-Urographie) oder rückwärts über einen durch die Harnröhre in die Harnblase eingeführten Katheter direkt ins Harnsystem eingebracht werden (retrograde Pyelographie). Zunächst wird als Ausgangsbild eine Nierenleeraufnahme gemacht, also der untere Bauchraum ohne Kontrastmittel geröntgt. Die Nieren sind als Schatten zu sehen, lassen also bereits Rückschlüsse auf Form, Lage und Größe zu. Auch kalkhaltige Steine sind erkennbar. Nach Einbringen des Kontrastmittels werden die Aufnahmen in bestimmten Zeitabständen mehrmals wiederholt. Diese Untersuchungen werden z.B. bei unklaren anatomischen Verhältnissen wie Fehlbildungen oder Abflusshindernissen, aber auch bei Harnstau, Verdacht auf einen Tumor, häufigen Nierenbeckenentzündungen und immer wiederkehrenden Nierenschmerzen durchgeführt.
  • Computertomografie und Magnetresonanztomografie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Ausdehnung eines Tumors beurteilt werden soll, der z.B. im Ultraschall diagnostiziert worden ist. Diese Verfahren haben den Vorteil, dass man auch kleine Tochtergeschwülste in anderen Organen erkennen kann. Auch Verletzungen werden mit Hilfe von CT und MRT beurteilt.
  • Mit der Angiografie lassen sich die Nierengefäße darstellen, weshalb sie z.B. beim Verdacht auf eine Verkalkung eingesetzt wird.

Blasenspiegelung zeigt Nieren und Harnwege

Bei der Zystoskopie wird ein Endoskop durch die Harnröhre in die Harnblase eingeführt. So lassen sich Schleimhaut und Schließmuskel der Harnblase, Harnröhre und Prostata von innen beurteilen und anatomische Anomalien, Tumoren, Entzündungen oder Steine erkennen. Dieses Verfahren wird v.a. bei unklaren Blutbeimengungen im Urin und bei Prostatabeschwerden eingesetzt und hat den Vorteil, dass es direkt mit einer Gewebeentnahme und einem therapeutischen Eingriff gekoppelt werden kann.

Aktualisiert: 07.12.2020
Autor*in: Dagmar Reiche

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