Warum Impfen wichtig ist

Impfung © rawpixel

Infektionskrankheiten stellten in der Vergangenheit die häufigste Todesursache dar. Noch um 1900 verstarben jährlich 65.000 Kinder allein an Keuchhusten, Diphtherie und Scharlach. Heute sind solche Todesfälle Gott sei Dank die große Ausnahme. Dazu beigetragen haben neben der Verbesserung der sozioökonomischen Bedingungen und der zunehmenden Verfügbarkeit von Antibiotika vor allem die Schutzimpfungen.

Impfungen schützen

Unmittelbares Ziel der Impfung ist die Aktivierung des Immunsystems gegenüber bestimmten eindringenden Erregern und das Verhindern einer Erkrankung. Verhindert werden sollen konkret:

  • Schwere Infektionskrankheiten, bei denen es keine oder nur begrenzte Therapiemöglichkeiten gegen den Krankheitserreger gibt. Zum Beispiel Hepatitis B, Kinderlähmung (Poliomyelitis), Tollwut, Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Hepatitis A bei Erwachsenen.
  • Mögliche schwere Komplikationen bei Infektionskrankheiten zum Beispiel Gehirnentzündung (Masernenzephalitis) mit einer Letalitätsrate von 20-30 %.
  • Mögliche schwere Krankheitsverläufe bei Risikopatienten, zum Beispiel Influenzaschutzimpfung bei Älteren und Personen mit spezifischen Grundkrankheiten.
  • Infektionskrankheiten, die während der Schwangerschaft (zum Beispiel Röteln) oder der Geburt (zum Beispiel Windpocken) zu schweren Schäden beim Kind führen können.

Kollektivschutz der Bevölkerung

Neben dem Schutz des Individuums gegen Erreger, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, haben viele Impfungen noch einen weiteren Effekt: Sie führen zu einem Kollektivschutz der Bevölkerung.

Dadurch wird das Auftreten von Epidemien verhindert und es werden Personen geschützt, bei denen aus medizinischen Gründen eine Impfung nicht durchgeführt werden kann. Bei hohen Durchimpfungsraten können Infektionsketten unterbrochen und Krankheitserreger regional eliminiert und schließlich weltweit ausgerottet werden.

Bei einer Krankheit wie dem Tetanus, dessen Erreger im Darm von Tieren und damit auch im Boden vorkommt und der deshalb nach jeder verschmutzten Wunde entstehen kann, besteht ein Schutz nur für Personen mit aktuellem Impfschutz. Selbst eine überstandene Erkrankung an Tetanus garantiert keinen Immunschutz – nur die regelmäßige Impfung ist dazu in der Lage.

Ausrottung von Krankheiten – Gefahr nicht überall gebannt

Durch groß angelegte internationale Impfprogramme konnten bisher die Pocken weltweit ausgerottet und die Impfung nachfolgend eingestellt werden. Bei der Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist das ebenfalls in den meisten Ländern der Welt und auch in Europa erreicht. Vor Einführung der Impfung war auch in Deutschland die Kinderlähmung noch für tausende von Todesfällen und Behinderungen verantwortlich.

Da der Polio-Erreger in einigen Entwicklungsländern noch immer zirkuliert und damit die Gefahr der Einschleppung besteht, muss weiter geimpft werden. Auch die Diphtherie hat durch konsequentes Impfen ihren Schrecken weitgehend verloren.

Diese Erfolge der Impfungen haben dazu geführt, dass sich heute viele Menschen der Gefährlichkeit von Infektionskrankheiten nicht mehr bewusst sind. Häufig ist auch nicht bekannt, dass die Erreger von Masern, Mumps und Keuchhusten bei uns noch weit verbreitet sind. Durch den zunehmenden Reiseverkehr besteht auch die Gefahr des Imports von Infektionskrankheiten.

Was passiert bei einer Schutzimpfung?

Eine Schutzimpfung imitiert das natürliche Geschehen im Immunsystem des Infizierten. Dabei werden die körpereigenen, immunologischen Abwehrsysteme durch Verabreichung abgetöteter oder stark abgeschwächter Erreger genutzt, um einen Immunschutz aufzubauen. Ein erneuter Kontakt mit denselben Erregern führt dann nicht mehr zu einer Infektion oder zumindest nicht mehr zur Erkrankung.

Je nach Impfstoff kann dieser Schutz lebenslang sein oder muss durch Auffrischimpfungen wieder aktiviert werden. So erzeugt die Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand bei fast allen Geimpften eine lebenslange Immunität. Gegen Diphtherie und Tetanus muss der Impfschutz dagegen alle 10 Jahre aufgefrischt werden, gegen das sich ständig ändernde Influenzavirus sogar jährlich.

Säuglinge und Kleinkinder impfen

Bei Infektionskrankheiten sind Säuglinge und Kleinkinder besonders stark bedroht. Zum Aufbau eines frühen Immunschutzes sollen die meisten empfohlenen Impfungen deshalb bereits im 2. Lebensmonat begonnen werden.

Nach den derzeit gültigen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten Kinder spätestens bis zum vollendeten 14. Lebensmonat eine Grundimmunisierung gegen folgende Krankheiten besitzen:

  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Polio
  • Hepatitis B
  • Haemophilus influenza Typ b
  • Pneumokokken
  • Rotaviren

Außerdem sollten mindestens einmal gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) und Windpocken geimpft sein. Die 2. MMR-Impfung sollte bis zum Ende des 2. Lebensjahres erfolgen. Die Impfung gegen Meningokokken C sollte ab 12 Monaten erfolgen.

Keine Angst vor Impfungen

Durch die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen können Kleinkinder heute mit nur wenigen Injektionen effektiv gegen zahlreiche Infektionskrankheiten geschützt werden! Moderne Impfstoffe sind effektiv und gut verträglich. Unerwünschte schwerwiegende Nebenwirkungen werden nur in ganz seltenen Fällen beobachtet.

Bei erreichten niedrigen Erkrankungsraten werden jedoch selbst sehr seltene Impfkomplikationen für die Gesellschaft zu einem breit diskutierten Problem. In vielen Ländern genießen Personen mit impfkritischen Einstellungen deshalb zeitweise eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien.

Nicht bewiesene Thesen oder Gerüchte über angebliche schädliche Impffolgen (Autismus, Diabetes, MS) können die Impfstrategie erheblich erschweren und zu Rückschlägen bei der Eliminierung bestimmter Krankheiten führen.

Der häufigste Grund für Nichtimpfen ist Vergessen oder falsche Kontraindikationen wie banale Infekte. Auskunft zu Impffragen erteilen Ihr Hausarzt, Kinder- und Jugendarzt und Ihr Gesundheitsamt.

Aktualisiert: 08.10.2018 – Autor: Robert Koch Institut

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