Prävention in Politik und Gesellschaft

Prävention in Politik und Gesellschaft

Auch in der Politik werde die Zeichen der Zeit erkannt. Bereits seit einigen Jahren wird diskutiert, wie und in welcher Form die Forderung nach Prävention gesetzlich verankert werden könnte. Dies erscheint umso wichtiger, als dass in den vergangenen Jahren zunehmende Einsparungen von Sozialleistungen im Bundeshaushalt zu Einschränkungen bisheriger Aktivitäten der Krankenkassen in der Gesundheitsförderung führten und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung nur in einem fest definierten, engen Rahmen mit Versicherungsbeiträgen finanziert werden dürfen.

Das Präventionsgesetz

Leider zieht sich die Diskussion um den Anfang 2007 veröffentliche Entwurf des "Gesetzes zur Stärkung der gesundheitlichen Prävention" hin. Geplant war, in diesem Gesetz – neben der Akutbehandlung von Krankheiten, der Rehabilitation und der Pflege – die Prävention als vierte, eigenständige Säule etablieren und so ihren Stellenwert verbessern. Ziel ist dabei, die Gesundheit zu fördern und chronischen Krankheiten vorzubeugen und so die Lebensqualität zu verbessern sowie Kosten einzusparen.

Das Präventionsgesetz als eines der wenigen noch nicht umgesetzten, im Koalitionsvertrag vereinbarten Vorhaben erweist sich als harter Brocken – in 2008 wurde hinter vorgehaltener Hand bereits von dessen Scheitern gesprochen. Aktuell sind die Parteien wieder in Gesprächen für eine Lösung – eine Ende ist derzeit noch nicht in Sicht. Wichtig bei Präventionsmaßnahmen ist, dass möglichst viele Menschen beziehungsweise diejenigen, die betroffen sind, erreicht werden. Deshalb sollen Aufklärung, Präventionsmaßnahmen und deren Umsetzung nicht im "stillen Kämmerlein" praktiziert, sondern im direkten Lebensumfeld angesiedelt werden. Dazu gehören zum Beispiel Kindergärten und Schulen, Betriebe und kommunale Bereiche, Sportvereine und Senioreneinrichtungen.

Wichtig ist dabei auch eine Nachhaltigkeit der Maßnahmen – lokaler, kurzfristiger Aktionismus hat meist keinen nachweislichen Effekt. Die Eigenverantwortung des Einzelnen ist eine wichtige Grundlage der Prävention. Er wird unterstützt von "sozialen Präventionsträgern" wie gesetzlichen Krankenkassen und Trägern der gesetzlichen Renten-, Unfall- und Pflegeversicherung. Auch Ärzte müssen immer mehr in aufklärender, beratender und begleitender Funktion tätig werden.

Wo kann Prävention ansetzen?

Damit mittels Prävention mittel- und langfristige Erfolge erzielt werden können, müssen verschiedene Ebenen und Ansatzpunkte ineinander greifen. Neben einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik müssen die Lebenswelten für die Gesellschaft und den Einzelnen entsprechend gestaltet, gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktivitäten gefördert und das individuelle Wissen vergrößert werden.

Um die Gesundheitsdienste entsprechend auszurichten, müssen auch die Rahmenbedingungen angepasst werden. Auf allen Ebenen müssen qualifizierte Menschen zur Verfügung stehen, die die dafür relevante Kompetenz erwerben, vertiefen und weitergeben.

Daneben bieten auch gesetzliche Regelungen einen Rahmen – Beispiele sind das Jugendschutzgesetz oder Regelungen im Straßenverkehr, die den Umgang mit Alkohol und Drogen beeinflussen sollen. Interessantenweise sind Verbote und Vorschriften häufig wirksamer als Maßnahmen zur Aufklärung und Informationsvermittlung.

Aktualisiert: 25.07.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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