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Prävention und Gesundheitsvorsorge

Vorbeugen ist besser als Heilen – was der Volksmund schon lange weiß, wurde in den letzten Jahren auch zunehmend Thema in Gesundheits- und Sozialpolitik. Ob Krankenkassen mit Bonusprogrammen, Zusatzausbildungen für Mediziner oder der Entwurf für ein Präventionsgesetz – Prävention nimmt einen immer breiteren Raum in der öffentlichen Diskussion ein. Die Lebenserwartung besonders in den Industrieländern steigt stetig. Wirklich profitieren können die Menschen davon aber nur, wenn die Lebensqualität nicht sinkt. Hier liegt die Crux: Je älter die Menschen werden, desto eher leiden sie an chronischen Erkrankungen. Dazu kommt, dass sich in den letzen Jahrzehnten unser Lebensstil stark geändert hat – einseitige Ernährung, zu wenig Bewegung, Rauchen und Alkohol, Stress in Beruf und Alltag sind oft unsere ungesunden Begleiter. So werden immer mehr Menschen chronisch krank. Eine Entwicklung, die auch politisch und wirtschaftlich von einiger Relevanz ist. So wird in einer europäischen Erhebung geschätzt, dass für die Mitgliedstaaten allein für arbeitsbedingten Stress Folgekosten in Höhe von 20 Milliarden Euro anfallen.

Kosten sparen im Gesundheitssystem durch Prävention

In Deutschland werden für die Behandlung chronischer Krankheiten an Herz-Kreislauf, Skelett und Muskeln jährlich viele Milliarden Euro ausgegeben – eine Zahl, die sich nach Ansicht der Gesundheitssachverständigen mit gezielter Prävention stark vermindern ließe. Allein über die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten könnten schätzungsweise sieben bis acht Prozent der Kosten im Gesundheitssystem eingespart werden. Auch dem vorzeitigen, krankheitsbedingten Ausscheiden von Erwerbstätigen aus dem Erwerbsleben ließe sich entgegenwirken.

Was bedeutet Prävention?

Prävention und Gesundheitsförderung sind eng miteinander verzahnt. Der Begriff "Prävention" ist gleichbedeutend mit "Vorbeugung". Er umfasst alle Vorkehrungen, mit denen sich Krankheiten, Behinderungen, Pflegebedürftigkeit und Unfälle verhindern oder zumindest verzögern lassen. Das Augenmerk liegt dabei vor allem auf spezifischen Risikofaktoren und mitverursachenden Rahmenbedingungen sowie auf den Strategien, diese zu vermindern.

Erreicht werden kann das durch Verhaltensänderung des Einzelnen (Verhaltensprävention) oder Umgestaltung der ihn umgebenden Bedingungen (Verhältnisprävention). Letztere wird vielfach durch staatliche Maßnahmen erzielt, bei der Verhaltensprävention unterscheiden Experten auch danach, wo entsprechende Maßnahmen ansetzen:

  • Die universelle Prävention richtet sich an die Gesamtbevölkerung oder an Teilgruppen wie Schwangere oder Jugendliche,
  • die selektive Prävention an Risikoträger wie chronisch Kranke, Raucher oder Kinder aus Migrantenfamilien,
  • die indizierte/indikative Prävention an Personen mit riskantem Verhalten, zum Beispiel Jugendliche, die wegen Drogenkonsum auffällig geworden sind.

Außerdem werden Präventionsmaßnahmen auch danach eingeteilt, an welcher Stelle sie stattfinden – so unterscheidet man zum Beispiel gesetzgeberische Maßnahmen von familienbezogener, schulbezogener oder gemeindeorientierter Prävention. Die wohl gängigste Einteilung ist die nach dem Zeitpunkt, an dem Prävention stattfindet:

  • Primäre Prävention: Diese macht es sich zum Ziel, schädliche Faktoren auszuschalten, bevor sie überhaupt wirksam werden können. Damit sie zum Einsatz kommen kann, müssen deshalb nicht nur schädigende Einflüsse erforscht sein, sondern auch – zum Beispiel in Aufklärungskampagnen – bekannt gemacht werden.
  • Sekundäre Prävention: Sie beinhaltet das Aufdecken von Krankheiten und deren Behandlung in möglichst frühen Stadien – ein Beispiel sind die Krebsvorsorgeuntersuchungen.
  • Tertiäre Prävention: Diese greift bei bereits eingetretener Krankheit und versucht, deren Verschlimmerung, Komplikationen und Folgeerkrankungen zu verhindern. Wichtiges Standbein dabei sind Rehabilitationsmaßnahmen. Die Grenze zu therapeutischen Maßnahmen ist hier allerdings fließend.

Dementsprechend beschäftigt sich die Präventivmedizin mit Maßnahmen, die der Überwachung und dem Erhalt der Gesundheit dienen. Der Begriff Gesundheitsförderung stellt die Gesundheit in den Vordergrund, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.

Alle Maßnahmen, die zu diesem Zustand führen beziehungsweise das Maß an Selbstbestimmung darüber erhöhen, werden unter dem Begriff zusammengefasst. Dazu gehören sowohl der Aufbau individueller Fähigkeiten als auch gesundheitsförderlicher Strukturen.

Die Grenze zur Prävention ist nicht immer klar zu ziehen – so werden zum Beispiel Maßnahmen in Kindergärten und Schulen, die die Lebenskompetenzen (Life-Skills) von Kindern fördern, um beispielsweise späterer Gewalt oder Drogenkonsum vorzubeugen, auch unter Präventionsmaßnahmen gefasst, obwohl sie durchaus dem Erhalt der Gesundheit dienen.

Aktualisiert: 09.05.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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