Primäre und sekundäre Prävention

Prävention – wann?

Großes Potenzial liegt bei Maßnahmen, die auf den Bereich der primären Prävention zielen. Allerdings liegt hier auch die Crux: Die zu erzielenden Effekte sind nur zu vermuten und aus Statistiken abzuleiten, die erzielten Effekte sowohl über deren Ausmaß als auch bezogen auf den Zeitpunkt individuell schwierig messbar. Wie soll nachgewiesen werden, dass jemand mit 60 herzgesund ist, weil er regelmäßig Sport gemacht hat? Vielleicht liegt das auch daran, dass er nicht geraucht oder einfach "gute Gene" hat? Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass die Kostenträger für Prävention oft andere sind als die für Krankheiten und ihre sozialen und beruflichen Folgen. Und verschiedene Geldtöpfe aufeinander abzustimmen, ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Primäre Prävention

Ein Großteil der einzusparenden Kosten liegt im Bereich der "Volkskrankheiten", vor allem:

Deren Zahl steigt an, mitbedingt durch bekannte Risikofaktoren, die sich vermeiden lassen. Deshalb liegt in diesem Bereich ein großes Potential der Primärprävention. Im Vordergrund stehen dabei regelmäßige und richtige Bewegung, angemessene und gesunde Ernährung und ausreichende Erholungsphasen. Rauchen und Alkoholkonsum – bekannte Risikofaktoren für eine Vielzahl von Krankheiten – müssen aufgehört bzw. eingeschränkt werden, bei banalen Beschwerden ist ein Verzicht auf Arzneimittel anzustreben.

Auch Infektionskrankheiten sowie HIV und sexuell übertragbare Krankheiten lassen sich durch Impfungen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen eindämmen. Wichtig ist auch hier das Wissen darum – ein wichtiger Aspekt der Sexualaufklärung.

Ein weiterer Punkt ist die Zunahme psychischer und psychosomatischer Erkrankungen. Dazu gehören:

  • Essstörungen,
  • stressbedingte Erkrankungen und
  • Süchte.

Auch hier kann durch Aufklärungsarbeit und Seminare zum Beispiel zum Erlernen von Stressbewältigungsstrategien und Entspannungstechniken ein wichtiger Beitrag zur Prävention geleistet werden. Nicht zu vergessen sind die Beratung der Schwangeren sowie Programme zur Erhaltung der Zahngesundheit. Hier sind besonders Zahnärzte gefragt, ihre Patienten adäquat aufzuklären und anzuleiten. Die gesetzlich verankerte Gruppenprophylaxe bei Kindern hat in den letzten 15 Jahren bereits beachtliche Erfolge bei der Zahngesundheit gezeigt.

Sekundäre Prävention

Die Untersuchungen von Neugeborenen direkt nach der Geburt und anschließend in regelmäßigen Abständen ist eine wichtige, von Ärzten durchgeführte Maßnahme, um bestimmte Krankheiten und Entwicklungsstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen und angemessen behandeln zu können. Im Rahmen dieser Untersuchungen werden meist die empfohlenen Impfungen mit durchgeführt.

Beim Erwachsenen bieten die allgemeinen Untersuchung des Gesundheitszustandes ("Check-up") und Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung die Möglichkeit, Krankheiten zu erkennen, bevor sie sich mit Symptomen bemerkbar machen.

Prävention – bei wem?

Prävention und Gesundheitsförderung sollte bereits in einem Alter beginnen, in dem Verhaltensmuster erlernt werden und sich Lebensweise, Bewegungsverhalten und Ernährung besonders gut beeinflussen lassen. Deshalb müssen Präventionsprogramme bereits bei Kindern und Jugendlichen eingeführt werden – in Kindergarten, Schule, Familie und sonstigem Lebensumfeld. So lässt sich auch die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen verkleinern.

Ein weiterer Bereich ist die Arbeitswelt. Mittels betrieblicher Gesundheitsförderung und verbessertem Arbeitsschutz lassen sich viele berufsbedingte Erkrankungen und Unfälle vermeiden. Eine große Gruppe sind auch die älteren Menschen. Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sind eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben. Diese auch im Alter zu fördern und erhalten, ist deshalb ebenfalls ein wichtiges Ziel.

Aktualisiert: 25.07.2017 - Autor: Dagmar Reiche

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