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Wann das Antibiotikum Clindamycin hilft

Ärztin verschreibt Antibiotikum Clindamycin © istockphoto, demaerre

Clindamycin ist ein Antibiotikum, das vor einer großen Gruppe von Bakterien schützt. Es tötet die Bakterien zwar nicht direkt ab, verhindert bei einer Erkrankung aber, dass sich die Bakterien noch weiter vermehren. Besonders beliebt ist dieses Antibiotikum bei Bakterien, die keinen Sauerstoff als Nahrung brauchen. Außerdem hilft es gut bei Infekten der Knochen. Das liegt daran, dass Clindamycin leicht in Fett übergeht und Knochenmark zu einem großen Teil aus Fett besteht. Eine weitere Verwendung von Clindamycin ist der Einsatz auf der Haut bei Akne vulgaris, vor allem bei Jugendlichen.

Formen von Clindamycin

Dieses Antibiotikum hat den Vorteil, dass es nicht nur über das Blut, sondern auch unkompliziert oral eingenommen werden kann. Es geht fast zu 100 Prozent aus dem Magen ins Blut über. Üblicherweise besteht die Dosierung aus vier Einnahmen am Tag.

Clindamycin kann sowohl als Saft, als Granulat zum Auflösen, als Tablette oder als Kapsel verabreicht werden. Zudem steht es als topische Substanz zum Auftragen auf die Haut in Form von Gel oder Lösung zur Verfügung. Das hilft insbesondere bei Akne.

Dosierung des Wirkstoffs

Abgebaut wird Clindamycin größtenteils über die Leber und ausgeschieden vor allem von den Nieren. Patienten mit schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung sollten daher je nach individuellem Fall die Dosierung anpassen und eine geringere Medikamentendosis einnehmen.

Die individuelle Dosis muss jeweils mit dem behandelnden Arzt und Apotheker besprochen werden.

Tipps zur Einnahme

Die Clindamycin-Kapseln sollten immer mit genügend Flüssigkeit aufgenommen werden, um eine Entzündung der Speiseröhre zu vermeiden.

Das Clindamycin-Gel zum Auftragen auf die Haut sollte erst ab einem Alter von 12 Jahren verwendet werden. Es wird empfohlen, es generell nicht bei gereizter oder trockener Haut, eitrigen Unreinheiten, auf Ausschlag oder Hautkrebs aufzutragen.

Welche Wirkung hat Clindamycin?

Clindamycin kann im Allgemeinen helfen bei Infekten von:

  • Haut und Weichteilen (Akne)
  • Knochen und Gelenken (Osteomyelitis: Entzündung des Knochenmarks)
  • Zahn und Kiefer
  • Hals-, Nasen-, Ohren-Bereich
  • Weiblichen Geschlechtsorganen
  • Atemwegen

Zudem ist Clindamycin ein wichtiges Reserveantibiotikum für Menschen, die eine Allergie gegen Penicillin (das gängigste Antibiotikum) und andere artverwandte Antibiotika haben. Es kann dann zum Beispiel gegen Streptokokken, die Erreger von eitrigen Mandelentzündungen, helfen.

Nebenwirkungen von Clindamycin

Clindamycin gehört zu den Antibiotika, die eine starke Auswirkung auf die natürliche Besiedelung des Darmes, die sogenannte Darmflora haben können. Deshalb treten bei der Einnahme von Clindamycin häufig Nebenwirkungen auf. Dazu zählen Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auf.

In manchen Fällen kann durch das Antibiotikum auch eine Allergie mit Ausschlag bis hin zu einem allergischen Schock ausgelöst werden. Besonders vorsichtig müssen deshalb Patienten mit Allergien in der Vorgeschichte sein. Außerdem kann die empfängnisverhütende Wirkung von oralen Verhütungsmitteln durch Clindamycin eingeschränkt werden.

Pseudomembranöse Colitis als Nebenwirkung

Im schlimmsten Fall kann eine pseudomembranöse Colitis als Nebenwirkung bei der Einnahme von Clindamycin auftreten. Die pseudomembranöse Colitis ist eine manchmal sogar lebensbedrohliche Darmentzündung durch das Bakterium Clostridium difficile.

Dieses kann den Darm besiedeln, wenn die natürliche Darmflora geschädigt ist. Das kann sich wiederum in Form von Fieber, starken Bauchschmerzen und Durchfall zeigen.

Gegenanzeigen bei Clindamycin

Absolute Gegenanzeigen, die gegen eine Verwendung von Clindamycin sprechen, sind eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Wegen der genannten Nebenwirkungen sind zudem entzündliche Darmkrankheiten, wie zum Beispiel Colitis ulcerosa relative Gegenanzeigen.

Außerdem kann durch Clindamycin die Wirkung von Muskelrelaxantien bei Operationen verstärkt werden, weshalb Vorsicht bei Operationen und generell bei Patienten mit Parkinson oder Myasthenia gravis (und andere Störungen der neuromuskulären Übertragung) geboten ist.

Anwendung bei Schwangerschaft?

Da nur wenige Studienergebnisse zur Verwendung von Clindamycin in der Schwangerschaft vorliegen, wird von der Antibiose mit Clindamycin in der Schwangerschaft abgeraten. Ebenso während der Stillzeit, da Clindamycin in die Muttermilch übergeht. Es sollte im Einzelfall individuell eine Risiko-Nutzen-Abwägung zusammen mit dem behandelnden Arzt stattfinden.

Aktualisiert: 16.08.2018 – Autor: Dr. med. Julia Völker

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