Escitalopram: So wirkt das Antidepressivum

Frau nimmt Escitalopram © iStock.com/dragana991

Escitalopram ist ein Wirkstoff, der häufig bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie weiteren psychiatrischen Erkrankungen eingesetzt wird. Doch wie wirkt Escitalopram? Was ist bei der Einnahme oder beim Absetzen zu beachten, welche Dosierungen werden empfohlen und welche Nebenwirkungen sind zu erwarten? Alles Wissenswerte über das Antidepressivum erfahren Sie hier.

Was ist Escitalopram?

Escitalopram ist ein Wirkstoff, der insbesondere gegen Depressionen eingesetzt wird und in Deutschland unter anderem als Cipralex® vertrieben wird. Er gehört damit zu den Antidepressiva.

Innerhalb dieser großen Gruppe werden die Wirkstoffe weiter unterteilt. Escitalopram gehört zur Untergruppe der Monoamin-Wiederaufnahmehemmer. Innerhalb dieser Gruppe werden wieder verschiedene Substanzgruppen unterschieden, wobei Escitalopram in die Kategorie der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI, von der englischen Bezeichnung selective serotonin reuptake inhibitor) gehört. Serotonin wird auch als Glückshormon bezeichnet und ein Mangel daran gilt als möglicher Auslöser einer Depression.

Wie wirkt Escitalopram?

Der komplexe Name selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer beschreibt die Wirkung von Escitalopram sehr gut. Escitalopram sorgt dafür, dass ausschließlich (also selektiv) der Neurotransmitter (Botenstoff) Serotonin nicht wiederaufgenommen wird – die Wiederaufnahme also gehemmt wird.

Dies geschieht an einer Synapse (also einer Verbindung zwischen zwei Nervenzellen), die Serotonin als Botenstoff verwendet – man bezeichnet dies als serotonerge Synapse. An einer solchen Synapse treffen zwei Nervenzellen aufeinander, die als Prä- und Postsynapse bezeichnet werden. Der Reiz, der an einer solchen Synapse übermittelt wird, kommt aus Richtung der Präsynapse und wird an die Postsynapse weitergeleitet. Zwischen der Prä- und Postsynapse befindet sich ein kleiner Zwischenraum, der als synaptischer Spalt bezeichnet wird. Die Nervenzellen überbrücken diesen Spalt, indem sie Botenstoffe – in diesem Fall Serotonin – ausschütten.

An der Präsynapse wird Serotonin ausgeschüttet, das durch den synaptischen Spalt zur Postsynapse wandert und dort spezielle Rezeptoren aktiviert. Anschließend erfolgt die Wiederaufnahme des Serotonins in die Präsynapse über bestimmte Transporter (Carrier). Escitalopram und andere SSRIs verhindern diese Wiederaufnahme und erhöhen dadurch die Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt.

Das serotonerge System, so wird die Gesamtheit aller serotonergen Synapsen im menschlichen Körper bezeichnet, soll mitverantwortlich für zahlreiche psychische Krankheitsbilder sein. Die genauen Ursachen sind allerdings noch nicht vollkommen geklärt. Man weiß allerdings, dass eine Erhöhung der Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt solcher serotonergen Synapsen bei depressiven Patienten zur einer Stimmungsverbesserung führen kann.

Wann wird Escitalopram eingesetzt?

Escitalopram gilt ebenso wie andere Wirkstoffe aus der Gruppe der SSRIs als bevorzugtes Mittel zur Behandlung depressiver Episoden, die mit einer Antriebsminderung einhergehen. Außerdem wird Escitalopram zur Behandlung von Angst- und Zwangsstörungen sowie sogenannten somatoformen Störungen eingesetzt – so werden körperliche Symptome bezeichnet, die keine organische Ursache haben.

Escitalopram – wann einnehmen?

Die Aufnahme von Escitalopram wird nicht davon beeinflusst, ob zuvor etwas gegessen wurde. Escitalopram kann daher unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. In der Regel wird Escitalopram – je nach Dosierung und Präparat – einmal täglich eingenommen.

Wann wirkt Escitalopram?

Die Wirkung von Präparaten mit Escitalopram wie beispielsweise Cipralex® tritt in der Regel verzögert ein. Bis Cipralex® die volle Wirkung entfaltet, vergehen üblicherweise zwischen zwei und vier Wochen. Nach der Einnahme erreicht Escitalopram den maximalen Wirkspiegel innerhalb von vier Stunden.

Welche Dosis von Escitalopram?

Die Dosis von Escitalopram beträgt bei Erwachsenen in der Regel 10 mg pro Tag. Bei Panikstörungen kann auch mit 5 mg pro Tag begonnen und die Dosis später auf 10 mg gesteigert werden. Ein generelles Einschleichen der Medikation ist jedoch nicht notwendig. Bei unzureichender Wirksamkeit kann die Dosis in Absprache mit dem Arzt individuell auch auf bis zu 20 mg pro Tag gesteigert werden.

Auf dem deutschen Markt sind dementsprechend Tabletten in Dosierung von 5, 10 und 20 mg sowie auch Escitalopram-Tropfen verfügbar.

Absetzen und Dauer der Behandlung

Nach Besserung der Symptome wird empfohlen, die Behandlung über mindestens sechs Monate fortzuführen, um den Therapieerfolg zu sichern.

Das Absetzen des Medikaments sollte vorsichtig und nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Ratsam ist ein Ausschleichen des Medikaments mit schrittweiser Reduktion der Dosis. Von einem abrupten Absetzen wird unbedingt abgeraten, da es sonst zu einem sogenannten Rebound-Phänomen (Rückprall-Phänomen) kommen kann. Dies bedeutet, dass sich die Symptome nach abruptem Absetzen erneut verschlimmern.

Vorsicht geboten ist bei Patienten über 65 Jahren, einer eingeschränkten Nierenfunktion oder einer gestörten Verstoffwechslung. Hier sollte die Dosis durch einen Arzt angepasst und die Therapie überwacht werden.

Nebenwirkungen von Escitalopram

Die Nebenwirkungen des Antidepressivums treten in der Regel in den ersten Wochen auf und nehmen im Verlauf der Behandlung in Bezug auf Intensität und Häufigkeit ab. Mögliche Nebenwirkungen von Escitalopram sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Verminderter oder gesteigerter Appetit
  • Gewichtszunahme
  • Ängstlichkeit, Ruhelosigkeit, abnormale Träume
  • verringerte Libido
  • Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • Parästhesie (Missempfindungen), Tremor (Zittern)
  • Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung)
  • Durchfall, Verstopfung, Erbrechen, Mundtrockenheit
  • Arthralgie (Gelenkschmerzen), Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Fieber
  • Sexualstörungen: bei Frauen Anorgasmie; bei Männern: Ejakulationsstörungen, Impotenz

Dass bei einer Therapie mit Cipralex® Langezeitschäden auftreten, ist in der Regel nicht zu befürchten. Eine längerfristige Therapie sollte dennoch in jedem Fall ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Escitalopram und Alkohol

Vor dem Genuss von alkoholischen Getränken in Kombination mit der Einnahme von Escitalopram, oder auch anderen Antidepressiva, wird dringend gewarnt. Es kann zu unvorhersehbaren Wechselwirkungen zwischen Alkohol und den Medikamenten kommen.

Escitalopram kann die Empfindlichkeit für Alkohol erhöhen, was bereits bei kleinen Mengen Alkohol zu starkem Unwohlsein und Kater führen kann. Alkohol kann wiederum die Wirkung von Escitalopram abschwächen oder verstärken, indem es die Verstoffwechselung in der Leber beeinflusst.

Die genauen Folgen sind individuell unterschiedlich und von der Trinkmenge abhängig. Grundsätzlich ist bei der Einnahme aller Antidepressiva der Konsum von Alkohol nicht zu empfehlen.

Citalopram und Escitalopram – wo ist der Unterschied?

Der Unterschied zwischen Citalopram und Escitalopram ist auf den chemischen Aufbau der beiden Wirkstoffe zurückzuführen. Citalopram und Escitalopram haben die identische chemische Formel, das bedeutet, dass beide Substanzen sich weder in der Art ihrer Atome noch in deren Anzahl unterscheiden. Dieses Phänomen wird als Isomerie bezeichnet – Substanzen, die es aufweisen, nennt man auch Isomere.

Allerdings unterscheiden sich die beiden Moleküle in ihrer räumlichen Struktur und verhalten sich wie Bild und Spiegelbild zueinander. Diese besonderen Formen der Isomere werden als Enantiomere bezeichnet. Die beiden Moleküle stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie die rechte und die linke menschliche Hand. Diese Art der Isomerie wird daher auch als Chiralität (Händigkeit) bezeichnet.

Der Name Escitalopram kommt daher, dass man die Enantiomere nach ihrer chemischen Formel in eine R-Form und eine S-Form einteilen kann. Bei der R-Form des Moleküls steht das R für rechts oder richtig, bei der S-Form steht das S für links (lateinisch: sinister). Die Richtungsangaben beziehen sich hier auf die Anordnung der einzelnen Atome im Molekül (Konfiguration). Bei Arzneistoffen ist es oft so, dass sich diese R- oder S-Form im Namen des Wirkstoffes niederschlägt. Die Vorsilbe Ar- für die R-Form (zum Beispiel: Armodafinil) und Es- für die S-Form (zum Beispiel: Esomeprazol, Esketamin, Escitalopram).

Es existieren darüber hinaus Gemische (Racemate) der beiden Formen. Dies ist auch bei Citalopram der Fall. Bei Citalopram handelt sich um ein Gemisch aus R- und S-Citalopram.

Häufig kommt in der Natur nur ein Enantiomer eines Moleküls vor oder nur ein Enantiomer ist biologisch aktiv und entfaltet im menschlichen Körper eine Wirkung. Im Falle von Citalopram ist das R-Citalopram kaum aktiv und hat kaum einen antidepressiven Effekt. Wird das Racemat, also ein Gemisch aus R- und S-Citalopram eingenommen, wird die antidepressive Wirkung dem S-Citalopram zugeschrieben. Escitalopram ist also der eigentlich wirksame Stoff. Dies zeigt sich auch darin, dass von reinem Escitalopram 10 mg pro Tag genügen, während von dem Gemisch Citalopram etwa 40 mg eingenommen werden müssen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Aktualisiert: 14.10.2020 - Autor: Constantin Weichert, Student der Humanmedizin

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