Protonenpumpenhemmer bei Sodbrennen

Frau mit Sodbrennen nimmt Protonenpumpenhemmer © rawpixel

Protonenpumpenhemmer (kurz PPI für Protonenpumpeninhibitoren) sind Magenschutz-Medikamente. Früher waren sie rezeptpflichtig, inzwischen sind PPI mit den Wirkstoffen Pantoprazol und Omeprazol rezeptfrei in den Apotheken zur Selbstmedikation bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen erhältlich. Bei etwa 30 Prozent der Bevölkerung fließt Magensäure zurück in die Speiseröhre (Reflux). Der saure Magensaft reizt jedoch deren ungeschützte Schleimhaut. Sie entzündet sich und wird geschädigt. Im Extremfall kann sogar Speiseröhrenkrebs entstehen. Deshalb muss dieser Magensäurerückfluss in die Speiseröhre möglichst verhindert oder zumindest vermindert werden.

Stress und fettreiche Nahrung als maßgebliche Faktoren

Sodbrennen kann durch einen erschlafften Schließmuskel am Mageneingang oder eine große Lücke im Zwerchfell bedingt sein. Mitunter wird auch zu viel Magensäure produziert. Stress sowie zucker- und fettreiche Ernährung spielen hier eine Rolle.

Protonenpumpenhemmer werden aber nicht nur gegen Sodbrennen und zur Vorbeugung von Entzündungen in der Speiseröhre, sondern auch zur Behandlung und Vorbeugung von Zwölffingerdarm- oder Magengeschwüren sowie im Rahmen einer Kombinationstherapie gegen den Magenkeim Helicobacter pylori eingesetzt.

Wie wirken Protonenpumpenhemmer?

Die Magensäure wird in den so genannten Belegzellen des Magens produziert. Wirkstoffe wie Omeprazol und Pantoprazol unterdrücken (dosisabhängig bis zu 100 Prozent) die Bildung von Magensäure, indem sie ein bestimmtes Enzym (H+/K+-ATPase), nämlich eine so genannte "Protonenpumpe" in den Belegzellen hemmen, bis sich die Zellen wieder regenerieren. Daher die Bezeichnung Protonenpumpenhemmer. Der Wirkstoff wird über den Darm aufgenommen.

Durch die Hemmung der Mini-Pumpen vermindert sich die Salzsäureproduktion im Magen und der Säuregrad des Magensaftes nimmt ab. Deshalb ist er nicht mehr so "aggressiv" und etwaige Schleimhautentzündungen und -verletzungen heilen während einer vier- bis achtwöchigen PPI-Therapie schneller ab.

Protonenpumpenhemmer: Nebenwirkungen

Protonenpumpenhemmer gelten zwar bei kurzzeitiger Einnahme als wirksam und gut verträglich, dennoch können Nebenwirkungen auftreten. Häufige Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern sind:

  • Magen-Darm-Störungen (Durchfall, Verstopfung, Magenschmerzen, Übelkeit, Blähungen)
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit, Schlafstörungen, Schwindel

In seltenen Fällen treten Seh-, Hör- und Geschmacksstörungen, Nierenentzündungen und erhöhte Leberwerte sowie Blutbildveränderungen auf.

PPI stehen im Verdacht, die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien zu begünstigen und, insbesondere bei höherer Dosierung, die Besiedelung des Magens mit Bakterien zu begünstigen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Protonenpumpenhemmer Osteoporose fördern können. Eine hochdosierte Einnahme von Protonenpumpenhemmern erhöht das Risiko für Schenkelhalsfrakturen auf das Doppelte.

Weiterhin kann eine Langzeiteinnahme der Magenschutzpräparate dazu führen, dass sich eine chronische Magenschleimhautentzündung entwickelt und der Magen nach Absetzen des Präparates zu viel Magensäure bildet. Das kann eine PPI-Abhängigkeit zur Folge haben. Eine groß angelegte Studie aus Deutschland mit circa 73.000 Probanden lässt zudem einen Zusammenhang zwischen der Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern und einem gesteigerten Risiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, vermuten.

Richtige Dosierung und Anwendung

Omeprazol und Pantoprazol sind bei Erwachsenen zur kurzzeitigen Behandlung von Sodbrennen und saurem Aufstoßen zugelassen. Ausgenommen sind Kinder, Schwangere und stillende Frauen. Die empfohlene Tagesdosis bei Selbstmedikation ist eine magensaftresistente Tablette (20 Milligramm), die nicht gekaut oder zerkleinert werden darf. Bei vorschriftsmäßiger Dosierung bleiben die lebenswichtigen Funktionen der Magensäure erhalten. Der Arzt kann aber je nach Art und Schwere der Erkrankung auch zu einer höheren Dosis raten.

Protonenpumpenhemmer sollten vor allem bei der Einnahme gegen Sodbrennen nicht länger als vier Wochen ohne ärztliche Abklärung geschluckt werden. Sollten sich die Symptome nach PPI-Einnahme nicht innerhalb von zwei Wochen bessern, ist ebenfalls ein Arztbesuch sehr ratsam. Es gibt auch Betroffene, die auf PPI nicht oder unzureichend ansprechen.

Protonenpumpenhemmer absetzen

PPI sollten nur in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Dieser kann am besten über eine richtige und schonende Vorgehensweise entscheiden. Will man Protonenpumpenhemmer absetzen, geschieht dies aufgrund der oben erwähnten Nebenwirkungen in der Regel schrittweise. So kann die Dosis zunächst herabgesetzt oder die Frequenz der Einnahme reduziert werden.

Tabletten oder Kapseln sollten dabei jedoch nicht zerkleinert werden. Dadurch wird der säurestabile Überzug der Medikamente zerstört, was dazu führt, dass der Wirkstoff nicht mehr über den Darm aufgenommen werden kann, sondern sich bereits im Magen auflöst. Alternativ können deshalb auch Medikamente mit niedrigerer Wirkstoff-Dosierung eingenommen werden.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Als alternative Behandlung zu Protonenpumpenhemmern ist seit einigen Jahren der Wirkstoff Alginat im Gespräch. Dieser neutralisiert Säure und bildet in Kontakt mit Magensäure ein zähflüssiges Gel.

Auch Hausmittel und eine Änderung der Essgewohnheiten können zumindest bei leichtem Sodbrennen helfen. Milch oder Quark sowie stilles Wasser oder Tees verdünnen die Magensäure und können so zumindest deren Wirkung abmildern. Kaffee, Alkohol oder scharfes Essen wirken bei Sodbrennen hingegen kontraproduktiv. Weitere Tipps gegen Sodbrennen finden Sie hier.

Aktualisiert: 18.08.2020 - Autor: Gerlinde Felix, überarbeitet: Jasmin Rauch

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