Aciclovir: Gut verträglich gegen Herpes-Viren

Aciclovir-Salbe gegen Herpes © istockphoto, zilli

Juckende, schmerzhafte Bläschen im Mundbereich – jeder Dritte Deutsche hatte schon einmal mit Lippenherpes zu kämpfen. Mittel der Wahl gegen diesen Herpes ist dann meist eine Creme mit dem Wirkstoff Aciclovir, wodurch die Symptome gelindert werden können. Doch Aciclovir wirkt auch gegen andere Erkrankungen, die durch Herpes-Viren verursacht werden – beispielsweise Gürtelrose oder Genitalherpes. Wir erklären, was Sie bei der Behandlung mit Aciclovir beachten müssen und welche Nebenwirkungen auftreten können.

Wirkungsweise: Hemmung der Virusvermehrung

Aciclovir ist ein sogenanntes Nucleosidanalogon. Das bedeutet, dass es in seiner chemischen Struktur einem Baustein der DNA des Herpes-Virus ähnelt. Wenn sich das Virus in einer befallenen menschlichen Zelle vermehrt und dafür seine DNA verdoppelt, kann dabei das Aciclovir-Molekül statt des „richtigen“ Bausteins eingebaut werden. Dies führt dann dazu, dass die Virusvermehrung unterbrochen wird.

Auf diese Weise kann der Wirkstoff den Verlauf von Herpes-Infektionen lindern und verkürzen. Dabei wirkt Aciclovir gegen das Herpes simplex-Virus Typ 1 und Typ 2 (HSV-1 und HSV-2) sowie gegen das Varizella-Zoster-Virus, das ebenfalls zu der Gruppe der Herpes-Viren gehört.

Anwendung von Aciclovir

Aciclovir wird bei folgenden durch Herpes-Viren verursachten Erkrankungen angewendet:

  • Lippenherpes (Herpes labialis)
  • Genitalherpes (Herpes genitalis)
  • Gürtelrose (Herpes zoster)
  • Hornhautentzündung des Auges
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Zudem kann Aciclovir bei stark immungeschwächten Patienten – etwa nach einer Organtransplantation – zur Vorbeugung von HSV-Infektionen eingesetzt werden. Seltener kommt der Wirkstoff auch zur Behandlung von Windpocken (Varizellen) bei immungeschwächten Personen zum Einsatz.

Aciclovir als Salbe

Aciclovir-Salbe wird zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz bei Lippenherpes angewendet und ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Die Creme sollte alle vier Stunden auf die betroffene Stelle aufgetragen werden, bis die Bläschen verkrusten. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel fünf bis maximal zehn Tage. Zudem kann eine aciclovirhaltige Salbe unterstützend bei der Behandlung eines Genitalherpes eingesetzt werden.

Zur Therapie einer durch Herpes-Viren verursachten Hornhautentzündung gibt es eine spezielle Augensalbe, die vom Augenarzt verschrieben werden muss. Bei der Behandlung wird meist alle vier Stunden ein Salbenstreifen von etwa einem Zentimeter Länge in den Tränensack gegeben. Die Behandlungsdauer ist abhängig vom Verlauf der Erkrankung – nach Abheilung der Entzündung sollte die Salbe noch mindestens drei Tage lang weiter angewendet werden.

Dosierung von Aciclovir

Je nach zu behandelnder Erkrankung kann Aciclovir in verschiedenen Darreichungsformen und Dosierungen angewendet werden: In Form von Tabletten mit 200, 400 oder 800 Milligramm Wirkstoff wird Aciclovir bei Genitalherpes und Gürtelrose sowie bei schweren Verläufen einer Hornhautentzündung angewendet. Bitte beachten Sie zu Dosis und Anwendung die Anordnung Ihres Arztes oder die Packungsbeilage!

Dabei werden bei Genitalherpes und bei einer Hornhautentzündung in der Regel dreimal bis viermal täglich 400 Milligramm Aciclovir eingenommen, wohingegen bei Gürtelrose meist eine höhere Dosierung von bis zu 4.800 Milligramm am Tag auf sechs Einzeldosen aufgeteilt erforderlich ist. Die Behandlungsdauer beträgt meist sieben bis zehn Tage – wichtig ist jedoch, dass mit der Therapie schnellstmöglich nach Beginn der Symptome begonnen wird.

Aciclovir als Prophylaxe

Insbesondere Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Herpes-Infektion besteht, können vorbeugend mit Aciclovir behandelt werden. Zudem kann eine prophylaktische Einnahme von Aciclovir bei Patienten mit häufig wiederkehrendem, schwerem Genitalherpes in Betracht kommen. Die Dosis beträgt dabei meist zwischen 400 und 1.600 Milligramm pro Tag.

Infusionstherapie bei schweren Erkrankungen

Bei schweren Erkrankungen wie einer durch Herpes-Viren verursachten Gehirnentzündung kann Aciclovir als Infusion gegeben werden. Auch bei stark schmerzhaftem Genitalherpes oder wenn bei einer Windpockenerkrankung schwere Komplikationen wie eine Lungenentzündung auftreten, kann unter Umständen eine Infusionstherapie mit Aciclovir erwogen werden.

Herpes-Infektionen bei immungeschwächten Patienten werden ebenfalls häufig mit Aciclovir-Infusionen behandelt. Im Vergleich zu der Anwendung in Form von Tabletten sind Infusionen meist deutlich stärker wirksam – allerdings ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Aciclovir darf nicht angewendet werden, wenn Sie überempfindlich gegen den Wirkstoff sind. Vorsicht geboten ist bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, da Aciclovir über die Niere ausgeschieden wird. Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion kann es also zu einer verzögerten Ausscheidung von Aciclovir kommen, weshalb in diesen Fällen meist eine niedrigere Dosierung erforderlich ist.

Nebenwirkungen bei Aciclovir

Aciclovir ist ein relativ gut verträglicher Wirkstoff – Nebenwirkungen treten meist nur bei hohen Dosierungen oder bei einer Infusionstherapie auf. Denn dann können sich Kristalle aus dem Wirkstoff im Urin bilden und dadurch die Niere schädigen. Daher sollten Sie bei der Behandlung mit Aciclovir ausreichend trinken.

Zudem können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Allergische Reaktionen wie Hautausschlag
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen oder Schwindel
  • Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Halluzinationen
  • Veränderung des Blutbildes sowie der Leberwerte und Nierenwerte
  • Brennen, Reizung oder Rötung der Haut beziehungsweise Bindehaut bei örtlicher Behandlung mit einer aciclovirhaltigen Salbe oder Creme.
  • Reizung der Venen an der Infusionsstelle sowie Entzündungen – insbesondere bei versehentlichem Austreten der Infusion in das Gewebe.

Eine genaue Auflistung möglicher Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage.

Wechselwirkungen des Wirkstoffes

Zu einer gegenseitigen Beeinflussung von Wirkstoffen kann es kommen, wenn Sie während der Behandlung mit Aciclovir Medikamente einnehmen, die auf die Nierentätigkeit Auswirkungen haben – beispielsweise Probenicid (zur Behandlung von Gicht), Cimetidin (zur Reduktion von Magensäure) oder Theophyllin (bei Atemwegserkrankungen wie Asthma).

Zudem kann es bei der gleichzeitigen Behandlung mit den Wirkstoffen Mycophenolatmofetil und Ciclosporin (zur Unterdrückung des Immunsystems nach Transplantationen) zu Wechselwirkungen mit Aciclovir kommen. Informieren Sie daher Ihren Arzt immer über alle Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen müssen!

Aciclovir in Schwangerschaft und Stillzeit

In Tierversuchen hat die Anwendung von Aciclovir während der Schwangerschaft zu Fehlbildungen des Fötus geführt. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass der Wirkstoff auch bei Menschen schädliche Wirkungen auf das Ungeborene hat. Da keine ausreichenden Untersuchungen dazu vorliegen, sollte die Anwendung von Aciclovir in der Schwangerschaft nur nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko erfolgen.

Bekannt ist jedoch, dass Aciclovir in die Muttermilch übertritt. Daher sollte Aciclovir nicht in der Stillzeit angewendet werden. Sollte eine Behandlung mit Aciclovir während der Stillzeit erforderlich sein, kann unter Umständen eine Stillpause für die Dauer der Anwendung erfolgen.

Aktualisiert: 10.07.2019 – Autor: Dr. med. Jana Wittkowski

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