Simvastatin senkt den Cholesterinspiegel

Frau nimmt Simvastatin für den Cholesterinspiegel © istockphoto, mermaidb

Simvastatin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Statine, der zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt wird. Dadurch soll Ablagerungen an den Gefäßwänden entgegengewirkt und das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt gesenkt werden. Allerdings ist die Einnahme von Simvastatin mit verschiedensten Nebenwirkungen verbunden. Einige – etwa Übelkeit oder Kopfschmerzen – sind vergleichsweise harmlos. Treten dagegen Muskelschmerzen auf, sollten Sie die Behandlung abbrechen, da der Wirkstoff die Muskulatur schädigen kann. 

Wirkung von Simvastatin

Simvastatin wird bei einem erhöhten Cholesterinspiegel verschrieben, wenn dieser durch eine fettarme Diät, eine Reduktion des Gewichtes sowie durch körperliche Bewegung nicht gesenkt werden kann. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass weniger Cholesterin in der Leber produziert wird, der Spiegel des "schlechten" LDL-Cholesterins gesenkt und der des "guten" HDL-Cholesterins angehoben wird. Dadurch verbessert sich das Verhältnis der Blutfette zueinander.

Durch den Einsatz von Simvastatin wird allerdings nicht nur der Blutfettspiegel gesenkt, sondern es wird gleichzeitig auch der Ablagerung von Cholesterin an den Gefäßwänden entgegengewirkt. Dadurch sinkt das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt. Bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit kann somit die Lebenserwartung erhöht werden.

Simvastatin wird generell angewendet bei:

  • erhöhten Cholesterin- oder Fettwerten im Blut
  • einer homozygoten familiären Hypercholesterinanämie – einer Erbkrankheit, die mit erhöhten Cholesterinwerten im Blut einhergeht
  • Patienten mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem erhöhten Risiko für eine solche Erkrankung

Nebenwirkungen von Simvastatin

Bei den meisten Patienten, die Simvastatin einnehmen, treten während der Behandlung keine Nebenwirkungen auf. Gelegentlich kann es zu einer Werteerhöhung der Leberenzyme GOT und GPT (Transaminasen) kommen.

In seltenen Fällen wurden außerdem Nebenwirkungen wie die Folgenden beobachtet: 

Ebenso können sich Magen-Darm-Probleme wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfungen und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Auch kann die Einnahme mit Depressionen, Atembeschwerden, Gelenkentzündungen und Gelenkschmerzen sowie einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse einhergehen.

Auswirkungen auf Leber, Blut und Muskulatur

Darüber hinaus kann Simvastatin auch Auswirkungen auf Leber, Blut und Muskulatur haben. Ähnlich wie die bereits genannten Nebenwirkungen treten diese Beschwerden jedoch nur selten auf. Folgende Nebenwirkungen sind möglich: 

  • Leber: Leberentzündung, dauerhafte Erhöhung der Leber-Enzym-Werte, Gelbsucht
  • Blut: Blutarmut und Blutbildungsstörungen
  • Muskulatur: Muskelkrämpfe, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Muskelerkrankungen, Muskelzerstörung

Wenn Sie während der Behandlung mit Simvastatin Probleme mit Ihrer Muskulatur verspüren, müssen Sie umgehend Ihren behandelnden Arzt informieren. 

Statine können die Nerven schädigen

Simvastatin kann ebenso wie alle anderen Statine eine schädigende Wirkung auf die Nerven haben. Deswegen können während der Behandlung auch Symptome wie ein Taubheitsgefühl in den Armen oder Beinen sowie Muskelzuckungen auftreten. In solchen Fällen muss die Behandlung sofort beendet werden.

Erhöhter Blutzuckerspiegel als Folge

Typisch für Statine wie Simvastatin ist außerdem, dass diese den Blutzuckerspiegel erhöhen können. Dadurch kann das Risiko für einen Diabetes mellitus steigen.

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, hängt vor allem davon ab, ob bereits weitere Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht vorliegen. Ist das der Fall, muss der Blutzucker auf jeden Fall in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. 

Dosierung von Simvastatin

Simvastatin steht in Form von Tabletten mit unterschiedlicher Dosierung zur Verfügung. Niedrigdosierte Tabletten enthalten 5, 10, 20 oder 30 Milligramm, höher dosierte 40, 60 oder 80 Milligramm.

Aber wie lange dauert es, bis Simvastatin wirkt? Bis die Wirkung eintritt, dauert es etwa zwei Wochen. Vier bis sechs Wochen nach Beginn der Behandlung erreicht die Veränderung der Cholesterinwerte ihren Höhepunkt. 

Zur Senkung der Blutfettwerte wird Patienten zu Beginn eine tägliche Dosis von 10 bis 20 Milligramm Simvastatin empfohlen, bei stark erhöhten Werten kann auch mit 20 bis 40 Milligramm begonnen werden. Bei Bedarf kann die Dosis auf bis zu 80 Milligramm angehoben werden. Allerdings wird diese Dosis heute nur noch selten verschrieben. Mehr als 80 Milligramm sollten pro Tag auf keinen Fall eingenommen werden.  

Bei einer homozygoten familiären Hypercholesterinämie wird meist mit 40 Milligramm begonnen, die Dosis kann auch hier auf bis zu 80 Milligramm gesteigert werden. In der Regel erfolgt die Einnahme dann morgens (20mg), mittags (20mg) und abends (40mg). Um einer Herz-Kreislauf-Erkrankung vorzubeugen, werden meist zwischen 20 und 40 Milligramm Simvastatin verschrieben. 

Wechselwirkungen möglich

Simvastatin wird im Körper über das Enzym CYP-3A4 abgebaut. Deswegen sollten Stoffe, die das Enzym in seiner Aktivität hemmen könnten, nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen gleichzeitig mit dem Wirkstoff eingenommen werden. Ansonsten kann es zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen, insbesondere zu einem erhöhten Risiko für eine Zerstörung von Muskelfasern, kommen.

Wechselwirkungen können unter anderem auftreten mit:

  • Pilzmitteln mit Wirkstoffen wie Ketoconazol und Itraconazol
  • Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin oder Erythromycin
  • blutfettsenkenden Fibraten wie Gemfibrozil oder Fenofibrat
  • dem Antidepressivum Nefazodon
  • Herz- und Blutdruckmitteln wie Amiodaron , Verapamil,  Diltiazem und Amlodipin
  • HIV-Proteaseinhibatoren wie Ritonavir, Nelfinavir oder Tipranavir
  • Wirkstoffen gegen Hepatitis C wie Boceprevir oder Telaprevir
  • dem Immunologikum Ciclosporin
  • dem Testosteron-Derivat Danazol 
  • Grapefruitsaft

Ist eine gemeinsame Einnahme von Simvastatin und Ciclosporin unumgänglich, muss die Simvastatin Dosis herabgesetzt werden. Ansonsten kann durch die Einnahme die Muskelerkrankung Rhabdomyolyse hervorgerufen werden. Dabei kommt es zu einer Auflösung von quergestreiften Muskelfasern. 

Gegenanzeigen beachten

Simvastatin darf nicht eingenommen werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt. Darüber hinaus ist eine Einnahme auch kontraindiziert bei:

  • einer akuten Erkrankung der Leber (Hepatitis) oder erhöhten Werten bestimmter Leber-Enzyme (Transaminasen)
  • erhöhten Blut-Creatinkinase-Werten
  • einer Erkrankung der Skelettmuskulatur, die mit einer Zerstörung von Muskelfasern einhergeht

Nur unter besonderer Vorsicht darf Simvastation bei Patienten über 70 Jahren, bei einer Schilddrüsenunterfunktion, bei einer eingeschränkten Nierenfunktion und bei chronischem Alkoholmissbrauch eingenommen werden. Hier liegt jeweils ein erhöhtes Risiko für eine Zerstörung von Muskelfasern vor. 

Dieses Risiko ist auch bei Patienten mit einer erblichen Skelettmuskelerkrankung in der Familie erhöht. Deswegen sollte Simvastatin auch hier nur nach einer gründlichen Nutzen-Risiken-Analyse durch den behandelnden Arzt eingenommen werden. Dies gilt auch für Patienten, bei denen im Rahmen einer früheren Behandlung mit Blutfettsenkern (Statine oder Fibrate) Muskelbeschwerden auftraten.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft sollte Simvastatin nicht eingenommen werden. Bislang kann nämlich nicht sicher ausgeschlossen werden, dass es durch die Einnahme des Wirkstoffes zu Schäden am ungeborenen Kind kommt. Besteht ein Kinderwunsch, sollte die Einnahme des Cholesterin-Senkers umgehend beendet werden.

Ob Simvastatin in die Muttermilch übergeht oder nicht, konnte bislang ebenfalls nicht sicher geklärt werden. Deswegen sollte der Wirkstoff während der Stillzeit besser nicht angewendet werden. Auch Kindern und Jugendlichen sollte der Wirkstoff nur in Ausnahmefällen verschrieben werden, da die Unbedenklichkeit von Simvastatin für diese Altersgruppe nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte.

Aktualisiert: 25.02.2019 – Autor: Kathrin Mehner

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