Totimpfstoff Valneva: Studie zeigt hohe Wirksamkeit gegen Corona

Bei den aktuellen Corona-Impfstoffen in Europa handelt es sich um mRNA- und Vektor-Impfstoffe. Der österreichisch-französische Impfstoffhersteller Valneva trumpft jetzt mit einem Totimpfstoff auf – erste Studien zeigen eine hohe Wirksamkeit.

Spritze und COVID-Impfstoff
© Getty Images/Yulia Reznikov

In einer ersten Studie wurde der Impfstoff unter anderem in den Bereichen Wirksamkeit und Verträglichkeit mit dem Vakzin von AstraZeneca verglichen. Die Studie macht Hoffnung auf eine baldige Zulassung des Totimpfstoffs.

Valneva: Phase-3-Studie erfolgreich abgeschlossen

An der Phase-3-Studie zum Totimpfstoff von Valneva nahmen insgesamt 4.012 Proband*innen ab 18 Jahren teil. Die Ergebnisse wurden mit dem Impfstoff von AstraZeneca verglichen und zeigen eine hohe Wirksamkeit.

Im Vergleich zum Vektor-Impfstoff sei bei den Probanden ein höherer Durchschnittswert an neutralisierenden Antikörpern gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen worden, gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt.

Zudem zeigt der Totimpfstoff eine hohe Immunantwort der T-Zellen gegen das Spike-Protein des Virus (74,3 Prozent) sowie gegen weitere Virusproteine N (45,9 Prozent) und M (20,3 Prozent).

Schwere Corona-Erkrankungen, welche durch die Delta-Variante ausgelöst werden könnten, wurden durch beide Impfstoffe verhindert.

Die Impfreaktionen fielen im Verhältnis zum Vergleichsimpfstoff von AstraZeneca geringer aus. Die häufigsten Reaktionen waren:

  • Reaktionen an der Einstichstelle (73,2 Prozent)
  • Systemische Reaktionen wie Fieber, Ausschlag, Lymphkontenschwellung (70,2 Prozent)

Von besorgniserregenden Nebenwirkungen und Ereignissen wurde im Rahmen der Studie nicht berichtet. Zudem untersucht das Pharmaunternehmen bereits die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Vakzins bei Kindern und Jugendlichen, erste ausführliche Daten dazu sollen bald folgen.

Corona-Impfstoff von Valneva: So funktioniert der Totimpfstoff

Totimpfstoffe, auch als inaktivierte Impfstoffe bezeichnet, enthalten abgetötete Krankheitserreger (Viren) oder deren Bestandteile, welche sich nicht mehr vermehren können. Das Prinzip des Totimpfstoffs wird bereits bei anderen Impfungen wie Diphterie, Hepatitis B, Hib (Haemophilus influenzae Typ b), Kinderlähmung, Tetanus oder Keuchhusten verwendet.

Corona-Totimpfstoff – so geht's: Bei VLA2001 werden Zellkulturen des ursprünglichen Coronavirus (Wuhan-Variante) im Labor vermehrt und anschließend inaktiviert. Bei dieser Methode bleibt das Eiweiß des Virus intakt, das Coronavirus selbst kann sich allerdings nicht vermehren oder Zellen infizieren.

Der Körper erkennt die Krankheitserreger als fremd. Das Immunsystem reagiert und beginnt, Antikörper und Helferzellen zu produzieren, ohne dass die jeweilige Krankheit ausbricht. Hat eine geimpfte Person später Kontakt zu SARS-CoV-2 bemerkt der Körper das Virus und beginnt sofort, dieses zu bekämpfen.

Die abgetöteten Viren werden zudem mit zwei Adjuvanzien (Impfstoffverstärkern) kombiniert:

  • Alum: Das Adjuvans basiert auf Aluminium und regt die Immunantwort des Impfstoffs an.
  • CpG 1018: Es handelt sich hierbei um Eiweiß, das bereits in einem Hepatitis-B-Impfstoff verwendet wird. CpG 1018 regt besonders die Immunantwort der T-Zellen an. T-Zellen erkennen den Fremdkörper und schlagen Alarm. Zudem erkennen sie bereits infizierte Zellen und töten diese.

Vorteile des Corona-Totimpfstoffs von Valneva

Bei den bisherigen Corona-Impfstoffen liegt der Fokus auf dem Spike-Protein des Virus. Dieses ist für das Andocken des Erregers an den menschlichen Zellen verantwortlich und wird im Rahmen der Impfung vom Körper reproduziert, damit Antikörper und Helferzellen gebildet werden.

Der Vorteil des Totimpfstoffes ist hierbei, dass das Immunsystem auf das gesamte Virus reagieren und somit auch eine Immunantwort beispielsweise gegen die Virushülle entwickeln kann. Der Totimpfstoff könnte deshalb bei Virusvarianten eine höhere Wirksamkeit erzielen.

Ein weiterer Vorteil liegt in Transport und Lagerung der Totimpfstoffe – das Vakzin kann bei Kühlschranktemperaturen mehrere Jahre lang gelagert werden.

Valneva-Impfstoff: Mögliche Booster-Impfung

Der Impfstoffhersteller plant bereits mit einem Zulassungsantrag in Europa im Frühling 2022. Das Vakzin könnte in diesem Zusammenhang besonders als Booster-Impfung eingesetzt werden. Studien zeigen bisher eine gute Immunreaktion. Über die genaue Wirksamkeit des Vakzins ist bisher nichts bekannt.

Großbritannien unterstützt Studien, die die Wirksamkeit unterschiedlicher Vakzine als Drittimpfung untersuchen. Auch in Neuseeland soll in Zukunft der Totimpfstoff und dessen Wirkung bei Virusvarianten überprüft werden.

Aktualisiert: 18.10.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin