Flugangst (Aviophobie) – Was tun?

Angst im Flugzeug © Lukas Bieri

Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden unter Flugangst (Aviophobie). Wie der Name bereits sagt, ist unter Flugangst die krankhafte Angst vor dem Fliegen zu verstehen. Diese Angst ist bei den Betroffenen so stark ausgeprägt, dass sie deren Leben stark beeinflusst: Bereits beim Gedanken an ein Flugzeug beginnt bei einigen das Herz zu rasen, kurz vor dem Abflug können zudem Symptome wie Kurzatmigkeit, Durchfall oder panische Reaktionen auftreten. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie Ihre Flugangst bekämpfen und überwinden können.

Flugangst entsteht im Kopf

Statistisch gesehen ist ein Flugzeug das sicherste Fortbewegungsmittel – sicherer als Auto, Bus oder Bahn. Trotzdem haben viele Menschen Angst vor dem Fliegen. Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass Fliegen für viele Menschen weniger alltäglich ist als Autofahren. Zum anderen stoßen im Flugzeug verschiedene Ängste aufeinander: Man fühlt sich beengt und eingesperrt (Platzangst), man hat Angst vor der Höhe und fühlt sich dem Piloten und der Crew ausgeliefert.

Für das Aufkommen der Flugangst ist unsere eigene (negative) Phantasie verantwortlich: Schon vor oder spätestens während des Fluges beginnt man sich auszumalen, welche Katastrophen auftreten könnten. Diese Szenarien werden lebhaft im Kopf durchgespielt, man sieht die Maschine bereits am Boden zerschellen oder im Meer versinken.

Ursachen von Flugangst

Doch warum kommt es beim Gedanken an ein Flugzeug zu einem solch negativen Kopfkino? Der Flugangst an sich können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Beispielsweise kann es sein, dass man selbst schon einmal schlechte Erfahrungen beim Fliegen gemacht hat: Vielleicht haben Sie schon einmal einen Flug mit stärkeren Turbulenzen erwischt oder mussten länger warten, bis sie die Landeerlaubnis erteilt bekamen.

Sind Sie noch nie geflogen oder haben bislang keine negativen Erfahrungen gemacht, haben Sie vermutlich generell eine ängstliche Disposition. Sie fühlen sich an Bord ausgeliefert, eingesperrt und bewerten die Gefahren des Fluges völlig über: Harmlose Geräusche oder normale Betriebsabläufe werden von Ihnen als gefährlich eingeschätzt, obwohl sie es gar nicht sind.

Daneben kann aber auch ein schlechtes Erlebnis einer anderen Person oder deren starke Ängste eine Ursache von Flugangst darstellen. Obwohl man selbst vorher keine Probleme mit dem Fliegen gehabt hat, fühlt man sich plötzlich nicht mehr sicher im Flugzeug. Dieser Vorgang wird als Imitationslernen bezeichnet – man ahmt das Verhalten der anderen Person nach.

Typische Symptome von Flugangst

Wer unter Flugangst leidet, fühlt sich meist bereits Tage vor dem Abflug nicht mehr ganz wohl in seiner Haut. Beim Betreten des Flugzeuges oder spätestens beim Abheben treten dann stärkere Symptome auf. Allerdings leidet nicht jeder, der nicht besonders gerne fliegt, gleich unter Flugangst. Erst wenn typische Anzeichen wie die folgenden auftreten, wird von Flugangst gesprochen:

  • Sie vermeiden es mit dem Flugzeug zu reisen und greifen lieber auf andere Verkehrsmittel zurück – auch, wenn die Reise dadurch umständlicher wird.
  • Bereits beim Gedanken an eine geplante Flugreise treten bei Ihnen Angstsymptome auf.
  • Beim Betreten des Flugzeuges fühlen Sie sich panisch und wie gelähmt. Sie haben Angst zu sterben.
  • Sie sind gereizt, nervös und aggressiv. Auf Geräusche und Gerüche reagieren Sie besonders empfindlich.
  • Sie fühlen sich angespannt, zittern und schwitzen. Sie leiden unter Herzrasen, Atembeschwerden, Ohrensausen und Schwindel.
  • Sie benehmen sich anders als gewöhnlich: Sie trinken zu viel Alkohol und nehmen Beruhigungstabletten, Sie kauen an Ihren Fingernägeln oder trommeln mit den Fingern auf den Tisch.

Flugangst bekämpfen

Unter Flugangst leiden nur Personen, die einen Flug als gefährlich einschätzen. Bei ihnen zeigt der Körper eine ganz normale Reaktion auf eine Gefahrensituation. Mit ein paar Tricks und ein wenig Übung lässt sich die Flugangst bei den meisten Personen kontrollieren. Überwinden können Sie Ihre Flugangst aber erst, wenn Sie den Flug nicht mehr als gefährlich wahrnehmen.

Wichtig dafür ist vor allem, dass Sie Vertrauen in die Technik des Flugzeuges aufbauen. Einige Fluggesellschaften bieten spezielle Flugangst-Seminare an, in denen dem Technik-Aspekt besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein Pilot informiert Sie in dem Seminar ausführlich über die technischen Abläufe während des Fluges. Darüber hinaus werden in einem solchen Seminar verschiedene Entspannungstechniken einstudiert. Am Ende steht meist ein kleiner Probeflug auf dem Programm.

9 Tipps: So können Sie Ihre Flugangst überwinden

Nicht nur ein Flugangst-Seminar, sondern auch ein paar kleine Tipps und Tricks können dazu beitragen, dass Sie Ihre Flugangst überwinden können. Wenn möglich beginnen Sie bereits einige Wochen vor dem Abflug damit, Ihre Flugangst zu bekämpfen:

  • Setzen Sie sich intensiv mit dem Thema Flugzeug und Fliegen auseinander. Beschaffen Sie sich Literatur oder fahren Sie an den nächsten Flughafen und beobachten dort Flugzeuge beim Starten und Landen.
  • Führen Sie regelmäßig Entspannungsübungen oder autogenes Training durch. Wählen Sie gezielt Entspannungsübungen, die Sie auch im Flugzeug ausüben können.
  • Ist Ihre Flugangst extrem stark ausgeprägt, sollten Sie darüber nachdenken, ein Flugangst-Seminar zu besuchen. Leiden Sie generell unter starken Ängsten, sollten Sie das Gespräch mit einem Psychologen suchen. Unter Umständen kann Ihnen eine Angsttherapie helfen.

Wenn Sie eine langfristige Vorbereitung auf Ihren Flug verpasst haben, können Sie auch kurz vor und während des Fluges noch einiges tun, um Ihre Flugangst zu bekämpfen:

  • Gestalten Sie den Weg zum Flughafen möglichst stressfrei: Checken Sie bereits online ein und fahren Sie frühzeitig los, um sich unnötigen Stress zu ersparen.
  • Verzichten Sie im Flugzeug auf Alkohol und Kaffee.
  • Konzentrieren Sie sich während des Fluges auf etwas Positives: Lesen Sie ein spannendes Buch oder hören Sie ein Audiobuch – das lenkt von kleineren Geräuschen ab. Versuchen Sie sich über die gute Aussicht zu freuen und den Service der Stewardessen zu genießen.
  • Schalten Sie im Flugzeug die Lüftungsdüsen ein. Gerade, wenn Sie die Enge im Flugzeug belastet, wird Ihnen ein wenig frische Luft gut tun.
  • Wenn Sie merken, dass Sie in Panik geraten, versuchen Sie die negativen Gedanken mit einem bewussten ‚Stopp‘ aufzuhalten. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf ein besonders schönes Ereignis.
  • Entspannen Sie sich und kontrollieren Sie Ihre Atmung. Atmen Sie langsam sowie tief ein und aus. Stellen Sie sich dabei vor, wie die Luft in Ihren Körper strömt. Machen Sie nach dem Ausatmen eine Atempause von mindestens sechs Sekunden.

Mit Medikamenten die Flugangst besiegen?

Allgemein ist eher davon abzuraten, Flugangst mit Medikamenten oder Alkohol zu bekämpfen. Zum einen wird dadurch die Flugangst nicht aktiv bekämpft, zum anderen kann durch die Einnahme von Medikamenten der Kontrollverlust im Flieger als noch stärker empfunden werden.

Wer auf Medikamente zurückgreifen möchte, sollte pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Johanneskraut vorziehen. Diese Mittel sollten vor dem Flug bereits über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, um ihre volle Wirkung entfalten zu können. Wer unbedingt ein Beruhigungsmittel einnehmen möchte, sollte vorher mit einem Arzt über die Dosierung sprechen. Langfristig sollte die Einnahme von Beruhigungsmitteln während des Fluges aber keine Lösung darstellen.

Werden Medikamente an Bord eingenommen, sollte beachtet werden, dass sich deren Wirkungsmechanismus aufgrund der Höhe verändern kann. Da man aufgrund der trockenen Luft im Flugzeug meist mehr als gewöhnlich trinkt, werden die Medikamente zudem schneller wieder ausgeschieden.

Viele Menschen, die unter Flugangst leiden, greifen vor oder während des Fluges zu Alkohol. Doch Vorsicht: Alkohol wirkt aufgrund der Höhe beim Fliegen nicht nur etwa doppelt so stark, sondern kann die Betroffenen auch regelrecht in Panik versetzen. Wer unter Flugangst leidet, sollte die Finger von Alkohol lassen und seine Flugangst stattdessen professionell bekämpfen.

Aktualisiert: 08.07.2014 – Autor: Kathrin Mehner

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