Akupunktur: Geschichte der Akupunktur

Akupunktur-Behandlung © istockphoto, chinaview

Die Akupunktur gilt als eine der bedeutendsten Therapieformen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück. Auch in den westlichen Ländern erfreut sich diese alternative Heilmethode zunehmender Beliebtheit, speziell in der Behandlung leichter bis mittelschwerer chronischer Schmerzen.

Was ist Akupunktur?

Der Akupunkteur – ein Arzt mit entsprechender Weiterbildung oder Heilpraktiker – behandelt den Patienten mit speziellen dünnen Nadeln, die in die Haut eingestochen werden. Oft ist diese Einstichstelle weit entfernt von dem erkrankten Organ – die Funktionsweise erklärt sich aus den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Der bei korrekter Platzierung der Nadel ausgelöste Reiz soll über Energieströme im Körper seinen heilenden oder lindernden Einfluss ausüben und das gestörte Gesamtgleichgewicht wiederherstellen.

Hauptanwendungsgebiet der Akupunktur ist die Therapie von Schmerzen unterschiedlichen Ursprungs, insbesondere Migräne-, Rücken- und Nervenschmerzen, rheumatische Beschwerden und Menstruationskopfschmerzen. Ebenfalls behandelt werden Allergien wie Heuschnupfen, jedoch ist das Feld der Heilanzeigen noch weit größer.

Geschichte der Akupunktur

Die Anfänge der Akupunktur sind kaum zu datieren. Erstmals in der Literatur erwähnt wurde sie im Jahre 90 v. Chr. Davor gab es bereits Holzfiguren mit Leitungsbahnen (z. B. als Grabfund aus der frühen Han-Dynastie) – man vermutet allerdings, dass die Einstichöffnungen, also die Akupunkturpunkte, erst später hinzukamen. Daneben gibt es einige Geschichten, die vermutlich nicht wahr, aber interessant sind. So berichtet die Sage, dass vor etlichen tausend Jahren ein chinesischer Soldat von einem Pfeil getroffen und nur verwundet wurde. Doch der Treffer soll nicht nur zu seinem Nachteil gewesen sein: Während die Wunde verheilte, soll sich als Reaktion auf den Treffer die Erkrankung eines anderen Organs zurückgebildet haben. Dies wird als (mythologischer) Beginn der Akupunktur-Therapie gerechnet.

Eine andere Erklärung über die Anfänge der Akupunktur beinhaltet die Vermutung, dass frühzeitliche Menschen entdeckten, dass sich eine Verletzung oder Schmerz gelegentlich durch Handauflegen (andere Heilmethoden gab es zunächst nicht), Massage oder Drücken bestimmter Körperstellen lindern ließ. Da dies aber nicht in allen Fällen half, versuchte man, durch Steine oder Knochensplitter dieses Prinzip zu verfeinern. Die Erfahrung ließ eine Systematik entstehen, nach der bestimmten Krankheitsbildern Punkte zugeordnet wurden, die dann für eine Linderung des Problems sorgten.

Doch die Asiaten sind vermutlich nicht die Einzigen, die schon vor langer Zeit die heilsame Wirkung der Stechtherapie für sich entdeckten: Auch in anderen Kulturen waren vor tausenden von Jahren Reizverfahren (z. B. durch Tätowierungen) auch als Schmerztherapie bekannt. Und beim Gletschermann "Ötzi" (datiert auf etwa 3300 v. Chr.) fanden die Wissenschaftler an den Gelenken Stichspuren und Tätowierungen.

Akupunktur als Bestandteil chinesischer Medizin und Philosophie

Während das Wissen um die heilsame Wirkung der Stichelei in Europa offenbar verlorenging, etablierte sich in der Traditionellen Chinesischen Medizin die Akupunktur – verbunden mit der Moxibustion (das Abbrennen von Heilkräutern über Akupunkturpunkten) – auch unter dem Einfluss naturphilosophischer Strömungen. Ein wichtiger Begriff aus der chinesischen Philosophie ist das Qi, welches die Lebensenergie bezeichnet, die in allen Dingen fließt. Ebenso wichtig sind die konträren Strömungen Ying und Yang, die ein Paar von Gegensätzen bilden und der alle Gegensatzpaare in der Natur zugeordnet werden können (sonnig-schattig, männlich-weiblich etc.).

Auch im menschlichen Körper fließen laut der Philosophie derlei Ströme und ermöglichen so das Leben – und nur, wenn die Ströme ausgeglichen sind, ist der Mensch gesund. Krankheit ist demzufolge ein Zustand des Ungleichgewichts, und die Akupunktur soll durch den Eingriff in die betroffenen Bahnen das Gleichgewicht wiederherstellen.

"Wiederentdeckung" der Akupunktur

Als sich im 19. Jahrhundert der westliche Einfluss durch Missionare im asiatischen Raum ausbreitete, geriet auch die traditionelle Medizin dort ins Wanken und wurde selbst von vielen Chinesen bald als Aberglaube betrachtet. Erst durch die Initiative Mao Tse Tungs Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts (auch bedingt durch die schlechte medizinische Versorgung der Bevölkerung) erlangte die traditionelle Medizin wieder einen höheren Stellenwert.

Der Besuch des amerikanischen Präsidenten Richard Nixon in China 1972 führte dazu, dass auch die westliche Welt verstärkt Notiz nahm von der asiatischen Nadeltherapie: Besonderen Eindruck machten die chinesischen Heilkünstler durch die Operationen, die sie statt unter Narkose in einem Zustand der Schmerzausschaltung durch Akupunktur bewerkstelligten. Rasch verbreitete sich die TCM in den USA und in Europa und es wurde dort begonnen, deren Wirkweise systematisch zu erforschen.

Aktualisiert: 18.12.2015 – Autor: Dagmar Reiche

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