Tuina: die heilende Kraft der Hände

Tuina-Massage am Bein © istockphoto, karelnoppe

Vielleicht liegt es an den rund 17.000 Fühlkörpern an den Händen, die alle möglichen Reize aufnehmen können - sei es geringste Temperaturunterschiede, Vibrationen oder Bewegungen - dass man Händen eine wohltuende oder gar heilende Kraft zuschreibt. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant bezeichnete die Hand auch als den "sichtbaren Teil des Gehirns". Tuina ist ein Therapiekonzept der Traditionellen Chinesischen Medizin, die ausschließlich mit den Händen arbeitet und ebenso verbreitet ist wie die Akupunktur.

Tuina ist mehr als nur Massage

Gute Massagen bewirken bei den meisten Menschen Entspannung und Wohlfühlen. Die Tuina (auch Tui Na geschrieben) Massage – vielen als Akupressur-Massage bekannt - unterscheidet sich von der westlichen Massage durch die gezielte Ausrichtung auf das Meridiansystem und die Akupunkturpunkte. Im Vordergrund stehen die Mobilisierung des Qi und die Harmonisierung von Yin und Yang.

Der Begriff Qi, gleichbedeutend mit Ch'i, bedeutet Energie, Atem oder Temperament bzw. Kraft, je nachdem, aus welcher fernöstlichen Philosophie er im Deutschen entnommen ist. Wir verstehen darunter vor allem Lebenskraft – jene Kraft, die durch Krankheit, berufliche und familiäre Belastung immer wieder schwindet. Ziel der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist, das Qi im Körper wieder in seinen natürlichen, ausgeglichenen Zustand zu bringen.

Zur Tuina-Therapie gehören Elemente der Bindegewebsmassage, Reflexzonenmassage, Periost-Massage (eine besondere Form der Reflexzonenmassage), der Akupressur sowie der Chirotherapie.

Drücken, Pressen, Kneten

Gezieltes Drücken, Pressen, Kneten und Greifen mit den Händen sind die Grundtechniken von Tuina. Das Chinesische hat hier die beiden Begriffe "Tui fa" ("schieben") und "Na fa" ("greifen") in einem Wort vereint. Anhand von Gelenksmobilisationen, Streichungen, Knetungen, Rotationen und Druck werden die Energieleitbahnen (Meridiane, hier fließt das Qi) und Akupunkturpunkte stimuliert, um Schmerzen des Bewegungsapparates zu stoppen oder zu mildern. Rund 300 verschiedene Grifftechniken kommen zur Anwendung.

Traditionell wird die Tui Na durch die Kleidung gegeben. Manchmal ist die Haut von einem Leinentuch bedeckt. Ausnahmen bilden die Bauchmassage bei Erwachsenen und Tuina für Kinder, die direkt auf der Haut ausgeübt werden. Chinesische Quellen besagen, dass die Akupressur sanft und weich, dabei tief und durchdringend sein muss. Die Streichbewegungen müssen rhythmisch und gleichbleibend angewendet werden. Die kontrollierte Anwendung von sehr tiefem, sich bewegenden Druck ist die Grundlage einer Tuina Massage.

Ein Tuina-Masseur braucht genau soviel Zeit um eine verspannte Schulter zu behandeln wie ein westlicher Masseur für eine Ganzkörperbehandlung. Die einzelne Behandlung dauert 15-30 Minuten. Langfristige Erfolge soll aber erst ein ganzer Zyklus von bis zu zehn Sitzungen bringen. Eine Massage kostet für eine halbe Stunde zwischen 30 und 60 €. Die Krankenkassen übernehmen derzeit eher nur in Ausnahmefällen die Kosten der Tuina-Therapie, in jedem Fall sollte man seine Krankenkasse dazu befragen.

Aktualisiert: 19.11.2015 – Autor: bo

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?