Heilklima und Klimakur

Mann genießt Heilklima in den Bergen © istockphoto, MundusImages

Einige haben es, viele nutzen es: das Heilklima. Doch nur rund 50 der insgesamt über 6.000 deutschen Kur- und Erholungsorte dürfen sich mit dem Prädikat "Heilklima-Kurort" schmücken. Das Qualitätssiegel, das vom Deutschen Heilbäderverband DHV und dem Deutschen Tourismusverband DTV vergeben wird, ist an strenge Kriterien gebunden. Ein "Heilklima" hat demnach nur der Ort, dessen Luftqualität unter anderem regelmäßig durch ein Gutachten des Deutschen Wetterdienstes überprüft und qualifiziert wird. Für die übrigen Kurorte, Erholungsorte, Luftkurorte und Seebäder gelten in ihren Kategorien ebenfalls kontrollierte Kriterien, mit deren Hilfe Struktur und Qualität vor Ort gewährleistet werden sollen.

Kurorte mit Tradition

Bäder und Kuren haben in Deutschland eine lange Tradition. Ob Mineral- oder Moorbäder, Kneipp-Kuren oder die Badekur im Seeheilbad: seit Hunderten von Jahren nutzen Menschen die heilenden Kräfte von mineralhaltigem warmen Wasser und frischer unverbrauchter Luft an der See und in den Wäldern zur Erholung und Gesundheitsförderung.

Bioklima in der Stadt

Die Mehrheit der Menschen lebt in dicht bebauten Städten, in denen ein belastendes Bioklima herrscht. Die Bebauung der Städte verhindert Luftströmungen, mit denen Schad- und Reizstoffe abtransportiert und zum Beispiel durch das Blattwerk umliegender Wälder gefiltert werden können.

Nicht umsonst spielen deshalb mittlerweile sogenannte "grüne Lungen", also großzügig angelegte Grüngürtel in innerstädtischen Gebieten, eine große Rolle bei der Städteplanung. Die Dunstglocke über den Städten vermindert im Winter die biologisch wirksame und wichtige UV-Strahlung und sorgt im Sommer häufig für Atembeschwerden und Kreislaufprobleme durch Smog und hohe Ozonwerte.

Erholung im Grünen

Kein Wunder also, dass vielen Menschen mit gezielter Bewegung an frischer, sauberer Luft geholfen werden kann. Die heilklimatische Wirkung ist abhängig von:

  • der Reinheit, Feuchtigkeit, Bewegung und Erwärmung der Luft
  • der Stärke und Dauer der Sonneneinstrahlung
  • den Wetter- und Witterungseinflüssen
  • der Jahreszeit

Dabei werden die Unterschiede der verschiedenen Klimata genutzt, um die Gesundheit durch das Zusammenspiel von Sonne, Luft, Wasser und Mineralgehalt gezielt zu verbessern.

Prima Klima

Die Eigenschaften eines Klimas werden in Schon-, Reiz- und Belastungsfaktoren unterteilt. Schonreize sind zu Beispiel die Reinheit der Luft und der erhöhte Wasserdampfgehalt, das sogenannte Aerosol, das vor allem an der See durch den höheren Salzgehalt positiv wirkt.

In Kurorten, die nicht vom Seeklima profitieren, finden Kurgäste häufig sogenannte Gradierwerke, bei denen mineralhaltiges Wasser über ein Reisiggeflecht verrieselt wird. Durch die natürliche Verdunstung wird der Salzgehalt der Luft deutlich erhöht. Die Wege um die Gradierwerke, die oft fälschlicherweise als "Salinen" bezeichnet werden, dienen als Inhalatorien.

Als Reizfaktoren dagegen gelten unter anderem Wind und Lufttemperatur. Aufgabe des betreuenden Badearztes bei einem Kuraufenthalt ist es, die einzelnen Schon-, Reiz-, und Belastungsfaktoren für den jeweiligen Patienten individuell abzustimmen und so eine ausgewogene und gesundheitsfördernde Behandlung zu entwickeln. Dazu muss der Arzt als "Badearzt" qualifiziert sein und seine Qualifikation durch Weiterbildungsmaßnahmen festigen.

Sonnenlichttherapie im Hochgebirge

Weil die Sonneneinstrahlung im Hochgebirge bei relativ niedrigen Temperaturen stärker ist als in der Ebene, kann man hier eine Sonnenlichttherapie (Heliotherapie) besonders gut durchführen.

Ein Aufenthalt im Hochgebirge ist vor allem bei allergischem Asthma sinnvoll, weil es hier kaum Pollen gibt und sich die gute Luftqualität günstig auf die Atmungsorgane auswirkt. Durch den geringeren Sauerstoffgehalt der Luft wird die Atmung verbessert. Zusammen mit der guten Luftqualität wirkt sich das positiv auf Nase, Lunge und Bronchien aus. Deshalb gibt es in diesen Gegenden auch etliche Lungensanatorien und Lungenfachkliniken.

Eine Hochgebirgskur eignet sich auch bei Herz-Kreislauferkrankungen und Hauterkrankungen.

Waldklima mit Sole-Sprudel

Das Kurklima im Mittelgebirge, Wald- und Hügellandschaften ist besonders reizarm und mild. Gerade das spezielle Waldklima bietet ein ausgeglicheneres Temperaturspektrum, weil es dort am Tag kühler und in der Nacht wärmer ist als in waldlosen Gebieten. Der Wald sorgt für kühle, saubere Luft und bietet darüber hinaus einen geeigneten Windschutz. Viele Kurorte liegen nicht nur landschaftlich reizvoll eingebettet in große Waldgebiete, sondern verfügen auch über natürliche Solequellen, die therapeutisch genutzt werden.

Das Kurklima der Mittelgebirge und Waldgebiete eignet sich besonders zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge, der Rehabilitation nach schweren Krankheiten, bei Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und rheumatischen Erkrankungen.

Heilsamer Küstennebel

An der Küste macht die meersalzhaltige und reine Luft das Heilklima aus. Außerdem wird die Intensität der Sonneneinstrahlung durch das Meer verstärkt. Bei einem Kuraufenthalt an der Küste werden Klimatherapie und Badetherapie miteinander kombiniert. Patienten mit chronischen Schleimhautentzündungen, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Hautkrankheiten profitieren vom Seeklima.

Die Heilwirkung der Nordsee kommt nicht nur aus dem Wetter, sondern auch aus dem Jod und den anderen lebenswichtigen Mineralstoffen, die im Wattboden enthalten sind. Bei Ebbe streicht der pollenfreie Seewind über diese Flächen und trägt die gesundheitlich wertvollen Minerale ans Festland. Durch den hohen Wellengang entsteht eine starke Brandung, die die entzündungshemmenden Aerosole in die Luft wirbelt.

Bei einem Spaziergang am Meer entlang kann man deshalb seine Atembeschwerden leicht lindern: Man muss nur das Aerosol einatmen. Verbunden mit Bewegung, der richtigen Körperhaltung und einer verbesserten Atemtechnik stellt sich oft verblüffend schnell ein Kureffekt ein.

Reizarme Ostsee

An der Ostsee sind die Klimareize vermindert und erlauben eine langsamere Eingewöhnung und eine behutsamere Umstellung des Organismus. Die maximalen und minimalen Lufttemperaturen unterscheiden sich weniger als an der Nordsee. Auch die anderen Reizklimafaktoren treten an der Ostsee abgeschwächt auf. Der Anteil an Aerosol in der Luft an der Ostsee ist deutlich geringer als an der Nordsee (32 g/l), weil der Salzgehalt der Ostsee bei nur etwa 12 g/l liegt.

Ständige Überprüfung

Für die Kurorte in Deutschland erstellt die meteorologisch-medizinische Abteilung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bioklimatische und lufthygienische Gutachten nach den Qualitätsstandards für Kurorte und Heilbäder. Die Gutachten dienen den zuständigen Behörden der Länder als Entscheidungshilfen für die Vergabe oder Bestätigung der Kurortprädikate. Die Anforderungen zur Anerkennung als Heilklimatischer Kurort durch den Deutschen Wetterdienst sind besonders streng.

Gefordert werden:

  • Zweijährige Messungen einer automatischen Klimastation
  • Einjährige Messung der Luftgüte an mindestens 3 Standorten
  • Klimagutachten mit erweiterter Klimaanalyse und bioklimatologischer Bewertung
  • Gutachten über die Luftqualität
  • Bioklimatologische Bewertung der Wege, die zum Outdoor-Walking genutzt werden
  • Fortlaufende Messungen einer automatischen Klimastation zur Überwachung des Klimas vor Ort

Periodische Überprüfung alle 5 Jahre:

  • Ortsbesichtigung mit Beurteilung der lufthygienischen Verhältnisse

Periodische Überprüfung alle 10 Jahre:

  • Ortsbesichtigung
  • Einjährige Kontrollmessungen der Luftgüte
  • Bestätigung des Klimagutachtens
  • Gutachten über die Luftqualität

Darüber hinaus muss an einem heilklimatischen Kurort mindestens ein Kurarzt mit Kassenzulassung, der Erfahrung in Medizinischer Klimatologie hat, tätig sein sowie Fachpersonal mit Aus- und Weiterbildung im Bereich medizinische Klimatherapie. Kommunikations- und Schulungszentren oder Einrichtungen für Veranstaltungen zur Gesundheitsförderungen sind nach den Richtlinien des Deutschen Heilbäderverbandes ebenfalls zwingend. Spiel- und Sportanlagen dürfen ebenso wenig fehlen wie ein Kurpark und ausgedehnte Waldbereiche.

Aktualisiert: 28.03.2017 – Autor: Susanne Köhler

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