Blutgruppen: Welche gibt es und was zeichnet sie aus?

Blutgruppen-Test
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Blutgruppe 0, AB, A oder B? Viele Menschen wissen nicht, welche Blutgruppe sie haben. Meist ist das auch nicht nötig. Erst wenn eine Bluttransfusion ansteht oder eine Schwangerschaft eintritt, gewinnt das Wissen um die Blutgruppe an Bedeutung und kann (über-)lebensnotwendig werden. Was es mit den einzelnen Blutgruppen auf sich hat, wie häufig oder selten jede Blutgruppe ist, wie die Bestimmung der Blutgruppen funktioniert, welche Blutgruppen zusammenpassen und viele weitere interessante Informationen rund um das Thema Blut und Blutgruppen erhalten Sie im Folgenden.

Blutgruppen – was macht den Unterschied?

Die Einteilung des Blutes in einzelne Blutgruppen richtet sich danach, ob bestimmte Merkmale vorhanden sind oder nicht. Bei diesen Merkmalen handelt es sich um die auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) vorkommenden Eiweiße (Proteine), die auch als Blutgruppenantigene bezeichnet werden.

Die beiden wichtigsten Systeme, die in der Medizin zur Einteilung der Antigene und zur Bestimmung der Blutgruppen angewendet werden, sind:

  1. Das AB0-Blutgruppensystem
  2. Das Rhesus-Blutgruppensystem

Die Sorte der Antigene und deren – möglicherweise gleichzeitiges – Vorkommen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen bestimmt die Blutgruppenzugehörigkeit.

Zusätzlich kommen im Blut verschiedene Antikörper vor. Das sind Proteine, die zum Immunsystem gehören und darauf ausgerichtet sich, Antigene, zum Beispiel Fremdstoffe oder Krankheitserreger, zu erkennen und zu binden. Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe weisen dabei auch Antikörper gegen körperfremde Blutgruppen beziehungsweise Antigene auf, die sogenannten Blutgruppenantikörper.

Ein Mensch hat niemals Antikörper gegen die eigenen Blutgruppenantigene im Blut, denn die Folgen könnten fatal sein: Durch die Bindung von Antikörper und Antigen würde eine Immunreaktion ausgelöst, die die Blutzellen gefährlich verklumpen ließe. Dadurch käme der Transport von Sauerstoff und Kohlendioxid und die Zellatmung zum Erliegen, ein tödlicher Ausgang könnte die Folge sein.

Welche Blutgruppen gibt es?

Die Bestimmung der Blutgruppen spielt eine ausschlaggebende Rolle bei Bluttransfusionen. Denn das Blut von Spender*in und Empfänger*in müssen zueinander passen – man sagt auch, es muss kompatibel sein – damit es nicht zu einer unerwünschten Reaktion des Immunsystems und zu einer Verklumpung des Bluts kommt.

Blutgruppen A, B, AB und 0

Nach dem AB0-Blutgruppensystem gibt es die Blutgruppen A, B, AB und 0:

  • Blutgruppe A: Es befindet sich nur das Antigen A auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen.
  • Blutgruppe B: Nur das Antigen B ist vorhanden.
  • Blutgruppe AB: Es kommen sowohl Antigen A als auch B auf den roten Blutkörperchen vor.
  • Blutgruppe 0: Es sind weder Antigen A noch B vorhanden.

Gleichzeitig lassen sich auch die im Blutplasma vorkommenden Blutgruppenantikörper A und B den einzelnen Blutgruppen zuordnen:

  • Blutgruppe A: Antikörper B
  • Blutgruppe B: Antikörper A
  • Blutgruppe AB: keine Antikörper
  • Blutgruppe 0: Antikörper A und B

Fasst man die Zugehörigkeit von Antigenen und Antikörpern für jede Blutgruppe in einer Tabelle zusammen, dann wird klar, dass es niemals Antikörper im Blutplasma gibt, die gleichzeitig zu den Antigenen auf der Oberfläche der eigenen roten Blutkörperchen passen.

Blutgruppe Antigen (rote Blutkörperchen) Antikörper (Blutplasma)
A A B
B B A
AB A und B -
0 - A und B

Rhesusfaktor positiv oder negativ

Ein weiteres System, das die Bestimmung der Blutgruppen ergänzt und für Bluttransfusionen von großer Bedeutung ist, ist das Rhesus-Blutgruppensystem.

Beim Rhesus-Blutgruppensystem wird unterschieden, ob auf den roten Blutkörperchen einer der sogenannten Rhesusfaktoren vorkommt. Hierbei handelt es sich um eine große Gruppe an Blutgruppenantigenen, zu der insgesamt 55 verschiedenen Antigene zählen. Das bedeutsamste davon ist der Rhesusfaktor D, an dem sich auch die Einteilung des Rhesus-Blutgruppensystems orientiert. Ist dieses Antigen vorhanden, dann spricht man von "Rhesusfaktor positiv" (Rh+), fehlt es hingegen, dann wird die Blutgruppe als "Rhesusfaktor negativ" (Rh-) bezeichnet.

Wie viele Blutgruppen gibt es?

Es lassen sich auf Basis der oben genannten Systeme und durch die jeweiligen Kombinationen der einzelnen Merkmale insgesamt acht Blutgruppen unterscheiden:

  • Blutgruppe A Rh+ (A positiv)
  • Blutgruppe A Rh- (A negativ)
  • Blutgruppe B Rh+ (B positiv)
  • Blutgruppe B Rh- (B negativ)
  • Blutgruppe 0 Rh+ (0 positiv)
  • Blutgruppe 0 Rh- (0 negativ)
  • Blutgruppe AB Rh+ (AB positiv)
  • Blutgruppe AB Rh- (AB negativ)

Was bedeutet es also, wenn ein Mensch die Blutgruppe 0 positiv hat?

  1. Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen fehlen die Antigene A und B.
  2. Im Blutplasma sind die Antikörper A und B vorhanden.
  3. Der Rhesusfaktor ist auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen vorhanden.

Welche Blutgruppen passen zusammen?

Man kann nicht generell sagen, dass nur die gleichen Blutgruppen zusammenpassen und für eine Bluttransfusion infrage kommen. Die Verträglichkeit hängt auch davon ab, ob es sich um Spender- oder Empfängerblut handelt.

So ist beispielsweise die Blutgruppe 0 das perfekte Spenderblut, da die roten Blutkörperchen keine Antigene besitzen, die bei Empfänger*innen der Blutgruppen A, B oder AB eine Immunreaktion auslösen können. Andersherum ist Blutgruppe AB die beste Blutgruppe für eine*n Empfänger*in. Denn bei Empfänger*innen mit Blutgruppe AB befinden sich im Blutserum keine Antikörper und sie können daher alle anderen Blutgruppen erhalten, ohne dass eine Immunreaktion stattfindet.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, welche Blutgruppen zusammenpassen, je nachdem, wer Spender*in oder Empfänger*in ist:

  Spender*in: 0 Spender*in: A Spender*in: B Spender*in: AB
Empfänger*in: 0 verträgt sich verträgt sich nicht verträgt sich nicht verträgt sich nicht
Empfänger*in: A verträgt sich verträgt sich verträgt sich nicht verträgt sich nicht
Empfänger*in: B verträgt sich verträgt sich nicht verträgt sich verträgt sich nicht
Empfänger*in: AB verträgt sich verträgt sich verträgt sich verträgt sich

Auch der Rhesusfaktor spielt bei der Verträglichkeit der Blutgruppen eine Rolle. Menschen mit Rhesusfaktor positiv können sowohl Rhesusfaktor-positives als auch -negatives Blut erhalten. Wer umgekehrt selbst Rhesusfaktor-negativ ist, kann jedoch nur Blut erhalten, das ebenfalls negativ ist. Daher ist Rhesusfaktor-negatives Blut bei Blutspenden besonders gefragt.

Welche Bedeutung hat der Rhesusfaktor bei Schwangerschaften?

Erwartet eine Rhesus-negative Frau ein Rhesus-positives Kind, dann kann es vor allem bei der Geburt des zweiten Kindes zu einer sogenannten Rhesus-Unverträglichkeit kommen. Diese entsteht, wenn schon bei der ersten Schwangerschaft kleine Mengen des kindlichen Blutes in den Blutkreislauf der Mutter gelangen.

Die Folge: Der Körper der Mutter bewertet das kindliche Blut als fremd und bildet Antikörper gegen die Rhesus-positiven roten Blutkörperchen des Kindes. Bei einer erneuten Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind sind dann schon zu Beginn eine Menge Antikörper gegen den Rhesusfaktor vorhanden. Diese können über die Plazenta zum Kind gelangen und dort die roten Blutkörperchen des Kindes zerstören.

Inzwischen gibt es aber Tests, mit deren Hilfe man die Blutgruppe des ungeborenen Kindes feststellen kann. Droht eine Rhesus-Unverträglichkeit, dann wird der behandelnde Arzt eine entsprechende Behandlung einleiten, um mögliche Komplikationen zu verhindern.

Wie häufig sind die Blutgruppen?

Die Verteilung der einzelnen Blutgruppen ist je nach Region unterschiedlich. In Deutschland ist die Blutgruppe AB die seltenste Blutgruppe. Sie kommt hierzulande nur bei 5 Prozent der Menschen vor. Die häufigsten Blutgruppen sind A und 0. Rhesusfaktor-positiv sind 85 Prozent der Personen und 15 Prozent sind Rhesusfaktor-negativ. Es ergeben sich unter Berücksichtigung des Rhesusfaktors folgende prozentuale Häufigkeiten für die Bevölkerung in Deutschland:

Blutgruppe Rhesusfaktor Häufigkeit
0 + 35 %
- 6 %
A + 37 %
- 6 %
B + 9 %
- 2 %
AB + 4 %
- 1 %

Welches ist die seltenste Blutgruppe der Welt?

Wie oben erwähnt, gibt es beim Rhesus-Blutgruppensystem insgesamt 55 verschiedene Antigene auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Fehlen den roten Blutkörperchen alle diese Antigene, dann spricht man auch vom "Goldenen Blut". Dieses Blut stellt die seltenste Blutgruppe der Welt dar. Weltweit sind lediglich 43 Menschen bekannt, bei denen diese Seltenheit in den Adern fließt.

Wie funktioniert die Vererbung der Blutgruppen?

Wie die Vererbung der Blutgruppen funktioniert, beschreiben die Mendelschen Gesetze. Für jedes Antigen, also Merkmal einer Blutgruppe, besitzt der Mensch ein Gen, das aus zwei Varianten besteht. Diese Varianten nennt man auch Allele. So funktioniert die Vererbung:

  • Je nach Kombination der Allele A und B bilden sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen die Antigene A oder B aus. Bei Allel 0 kommt es nicht zu einer Bildung von Antigenen.
  • Jeder Elternteil vererbt an das Kind immer nur ein Allel. Es kommt also zu einer Kombination jeweils eines Allels der Mutter und des Vaters.
  • Wichtig zu wissen ist, dass die Allele A und B dominant gegenüber 0 vererbt werden. Wird also A mit 0 kombiniert, dann "gewinnt" A und das Antigen A wird gebildet, die Blutgruppe A entsteht.
  • Dagegen sind A und B gleichwertig und beide Antigene werden gebildet. Die Blutgruppe AB ist die Folge.
  • Bei den Blutgruppen kann es Unterschiede geben, je nachdem, ob von beiden Elternteilen das gleiche Allel vererbt wurde, oder ob verschiedene Allele vorhanden sind. So kann die Blutgruppe A beispielsweise bedeuten, dass man die Allele AA oder A0 hat. Blutgruppe 0 bedeutet hingegen immer, dass man die Allele 00 hat, denn in Kombination mit einem anderen Allel hätte sich dieses dominant durchgesetzt. Haben beide Eltern jeweils die Allele A0, kann das Kinder daher Blutgruppe A (mit den Allelen AA oder A0) oder Blutgruppe 0 (Allele 00) haben.

Welches der beiden Allele von Vater und Mutter an ein Kind weitergegeben wird, entscheidet der Zufall. Daraus können sich die folgenden in der Tabelle gezeigten Blutgruppen ergeben:

Allel-Kombination der Eltern Mögliche Blutgruppe des Kindes
A + 0 A oder 0
A + A A oder 0
B + 0 B oder 0
B + B B oder 0
A + B A oder B oder AB oder 0
0 + 0 0
0 + AB A oder B
A + AB A oder B oder AB
B + AB A oder B oder AB
AB + AB A oder B oder AB

Wie kann man die Blutgruppe bestimmen?

Wer seine Blutgruppe bestimmen lassen möchte, dem stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Am einfachsten ist die Bestimmung der Blutgruppe über den Hausarzt oder die Hausärztin. Sprechen Sie diese*n bei Interesse beim nächsten Besuch auf einen Blutgruppentest an. Der einzige Nachteil: Die Krankenkasse übernimmt nicht die Kosten für den Test, sodass man sie selber tragen muss.
  2. Bei einer Blutspende ist die Blutgruppenbestimmung inklusive und völlig kostenfrei. Wenn Sie also etwas Gutes tun wollen, dann spenden Sie Blut und Sie erfahren automatisch, welche Blutgruppe Sie haben.
  3. In der Apotheke oder im Online-Shop sind Schnelltests zur Bestimmung der Blutgruppe erhältlich. So können Sie ganz praktisch zu Hause Ihre Blutgruppe selber herausfinden. Die Durchführung eines solchen Tests ist sehr einfach, eine ausführliche Anleitung liegt in der Regel bei.
  4. Zu Beginn einer Schwangerschaft wird die Blutgruppe der Mutter im Rahmen der normalen Vorsorgeuntersuchung bestimmt. Das ist wichtig, da es Unverträglichkeiten zwischen mütterlichem und kindlichem Blut geben kann, die im Vorfeld erkannt werden müssen, um Komplikationen zu vermeiden. Entscheidend hierbei ist die Bestimmung des Rhesusfaktors.

Hat die Blutgruppe einen Einfluss auf COVID-19?

Während manche Menschen von ihrer Infektion mit dem Coronavirus nichts merken, müssen andere über lange Zeit künstlich beatmet werden. Warum COVID-19 bei den Menschen so unterschiedlich verläuft, ist bis heute nicht geklärt. Im Verdacht stehen neben zahlreichen anderen Faktoren auch die Blutgruppen, wie eine Studie aus Dänemark zeigt. In dieser konnte festgestellt werden, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 seltener an COVID-19 erkranken als solche mit Blutgruppe A, B oder AB.

Laut einer Studie aus Kanada gibt es zusätzlich Hinweise, dass auch die Schwere der Erkrankung von der Blutgruppe abhängig ist. Einer deutsch-norwegischen Studie zufolge könnte vor allem Blutgruppe A positiv schwere Verläufe begünstigen. Es sind aber noch weitere Studien notwendig, um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen und die ersten Ergebnisse zu bestätigen.

Was ist eine Blutgruppendiät?

Die sogenannte Blutgruppendiät (Blutgruppenernährung) hat der amerikanische Naturheilforscher Peter D'Adamo im Jahr 1996 entwickelt. Nach dieser Diät werden den einzelnen Blutgruppentypen bestimmte Lebensmittel zugewiesen, die für diese Gruppen besonders gesund sein und beim Abnehmen helfen sollen.

Wissenschaftliche Belege für einen gesundheitlichen Nutzen und die Wirksamkeit dieser Ernährungsweise gibt es nicht. Das hat eine Analyse der vorhandenen Studien zu diesem Thema durch das belgische Rote Kreuz ergeben. Auch andere Autoren sehen die Blutgruppendiät sehr kritisch. Deren Meinung nach konnte beispielsweise nicht gezeigt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen der Blutgruppe sowie der Verträglichkeit und den gesundheitsfördernden Eigenschaften von bestimmten Nahrungsmitteln gibt.

Möchte man gesund und dauerhaft sowie ohne Jo-Jo-Effekt abnehmen, dann ist eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie ein angemessenes Bewegungsprogramm sicherlich der beste Weg zur Traumfigur. Die Blutgruppe spielt dabei aber aller Wahrscheinlichkeit nach keine Rolle.

Aktualisiert: 17.05.2021 - Autor: Dr. rer. nat. Isabel Siegel, Diplom-Biologin und Medizinautorin

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