Welche Aufgaben hat der Speichel?

Speichel am Mund eines Babys © iStock.com/Brosa

Unser Speichel hat verschiedene Funktionen für unsere Gesundheit. So leistet er nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Verdauung, sondern auch zur Zahnpflege, denn er übernimmt eine wichtige Schutzfunktion vor Karis. Welche Aufgaben hat der Speichel? Was tun, wenn man zu viel Speichel hat? Wissenswertes über den Speichel lesen Sie hier.

Aufgaben des Speichels

Speichel hat verschiedene Funktionen. Er befeuchtet die Nahrung, erleichtert zugleich das Schlucken und bildet die erste Barriere im Mund gegenüber Krankheitserregern, womit er zur Immunabwehr beiträgt.

Außerdem übernimmt er eine wichtige Aufgabe in Bezug auf die Zahnpflege: Der Speichel neutralisiert Säuren nach dem Essen oder Trinken und remineralisiert durch seine Mineralien den Zahnschmelz. Denn Speichel enthält alle Mineralsalze, die den Zahnschmelz härten und zugleich den Säureattacken widerstehen können.

Schutzfunktion vor Karies

Ganz gleich, ob süße Snacks oder Obst: Jedes Mal bauen Bakterien den in der Nahrung enthaltenen Zucker zu Säure ab. Karies entsteht, weil die Zahnoberfläche von diesen Säuren angegriffen und entmineralisiert wird.

Nun setzt die natürliche Schutzfunktion des Speichels ein: Der Speichel verdünnt die Säuren und baut sie ab. Damit nicht genug: Speichel fördert zudem den Wiedereingliederung (Remineralisation) Zahn härtender Mineralien in den Zahnschmelz und wirkt damit der Entstehung von Karies entgegen.

Zu viel Speichel im Mund

Während zu wenig Speichel zu Mundtrockenheit führt, kann man im Gegensatz dazu auch zu viel Speichel haben. Übermäßiger Speichelfluss (Sialorrhö oder Hypersalivation) ist für Betroffene sehr unangenehm.

Oft äußert sich zu viel Speichel im Mund durch Sabbern oder Spucken beim Sprechen, also eine feuchte Aussprache. Dies kann nicht nur zu sozialer Ausgrenzung führen, sondern auch medizinische Folgen haben, etwa Husten, Würgen, Erbrechen, Infektionen der Haut am Mundwinkel oder ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen und Lungenentzündungen, wenn der Speichel in die Atemwege gelangt.

Ursachen von Hypersalivation

Zu viel Spucke im Mund kann viele verschiedene Ursachen haben. Dabei kann sowohl die Produktion erhöht als auch der Abfluss des Speichels behindert sein. Mögliche Gründe einer vorübergehenden Hypersalivation sind beispielsweise:

  • appetitanregende Reize oder saure Nahrungsmittel
  • Übelkeit
  • Fremdkörper im Rachen
  • in der Schwangerschaft eine verstärkte Aktivität des Parasympathikus

Ein dauerhaft erhöhter Speichelfluss kann unter anderem folgende Gründe haben:

  • Nebenwirkungen von Medikamenten, wie beispielsweise Neuroleptika oder urologische Mittel für die Blase
  • neurologische Störungen, zum Beispiel Morbus Parkinson oder die amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  • Allgemeinerkrankungen, wie Diabetes insipidus oder die Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis
  • lokale Faktoren, etwa Karies, Zahnfehlstellungen, schlechtsitzende Zahnprothesen oder eine Entzündung der Mundschleimhaut oder Mandeln
  • psychische Erkrankungen, bei denen es zu Schluckstörungen kommt, wie Schizophrenie oder manische Depression

Übermäßiger Speichelfluss – was tun?

Die Behandlung einer Hypersalivation ist immer abhängig von den Ursachen, weshalb diese zunächst abgeklärt und nach Möglichkeit beseitigt werden sollten. So können beispielsweise eine Zahnfehlstellung korrigiert oder entzündete Mandeln entfernt werden.

Auch eine medikamentöse Behandlung kann in Erwägung gezogen werden, um den Speichelfluss zu reduzieren. Seit Frühjahr 2018 ist dazu der Wirkstoff Glycopyrronium zugelassen. Zu geeigneten Medikamenten kann der behandelnde Arzt beraten.

Darüber hinaus können, abhängig von der Ursache, auch Methoden wie Akupunktur, Logopädie, Physiotherapie, Bestrahlung oder eine Operation helfen, wenn zu viel Speichel im Mund entsteht. Zum Einsatz kommen unter anderem auch Botulinum-Injektionen, wobei das Verfahren bislang noch nicht zugelassen ist. Als Hausmittel eignet sich Salbei, um den Speichelfluss zu regulieren.

13 Fakten rund um Speichel und Mundgesundheit

Hätten Sie gewusst, dass ...

  1. ein Erwachsener täglich ein bis zwei Liter Speichel produziert?
  2. Speichel zu 99,5 Prozent aus Wasser besteht?
  3. der Mensch vier Speicheldrüsen besitzt – wobei die vierte Speicheldrüse, die im Nasenrachen sitzt, erst im Oktober 2020 entdeckt wurde?
  4. eine Überproduktion von Speichel bis zum vierten Lebensjahr als normal gilt?
  5. 300 verschiedene Bakterienarten in der Mundhöhle eines Menschen leben?
  6. 80 Bakterienarten in der Mundhöhle für unangenehme Gerüche verantwortlich sind?
  7. die Ursachen von Mundgeruch in rund 85 Prozent der Fälle im Mund-Rachenbereich liegen?
  8. Mundgeruch ein Alarmsignal des Körpers ist und auf ernste Erkrankungen hinweisen kann?
  9. die deutschen Bundesbürger rund 1 Milliarde Euro jedes Jahr für die Mundpflege ausgeben?
  10. der erste Zungenschaber bereits 4.500 Jahre alt ist?
  11. die Zungenreinigung zum Morgenritual der ayurvedischen Lehre gehört?
  12. sich schätzungsweise 7 Prozent der Deutschen regelmäßig die Zunge reinigen?
  13. Säuglinge etwa 10.000 Geschmacksknospen haben und damit einen deutlich feineren Gaumen als Erwachsenen?
ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
K11.-

Aktualisiert: 26.10.2020 - Autor: prodente; überarbeitet: Silke Hamann

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