Ursachen für Übergewicht

Die Ursachen für zu hohes Gewicht sind vielfältig. Diskutiert werden als Hauptursachen Lebensweise (Ernährung und Bewegung), Erbanlagen und sozio-kulturelle Faktoren. Allerdings können auch einige Krankheiten wie Schilddrüsenunterfunktion und Störungen des Kortisonhaushaltes (Cushing-Syndrom) sowie einige Medikamente wie Hormone, Antidepressiva und Kortikosteroide das Gewicht erhöhen.

Lebensgewohnheiten

Die kontinuierliche Zunahme der Adipositas lässt sich nicht allein durch genetische Veranlagung begründen. Man kann davon ausgehen, dass sich die Erbanlagen der Mitteleuropäer in den letzten 100 Jahren kaum verändert haben. Trotzdem nimmt das Problem rapide zu. Der Grund dafür ist zunehmende Kalorienzufuhr, bei gleichzeitig abnehmender körperlicher Aktivität.

Es wird zu viel, zu fett und zu süss gegessen und es werden zu viele kalorienhaltige Getränke (Alkohol, Soft Drinks) konsumiert. Andererseits wird infolge sitzenden Lebenstils zu wenig Energie durch Körperarbeit verbraucht. Das führt zu einer positiven Energiebilanz. Die überschüssige Energie wird als Fettreserve gespeichert, was sich in steigendem Körpergewicht niederschlägt. Die unserem Körper umgesetzte Energie wird in Kilokalorien (kcal) oder Kilojoules (kJ) gemessen und setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

Grundumsatz (Ruheumsatz):

Das ist die Energie, die zur Aufrechterhaltung aller lebensnotwendigen Stoffwechselvorgänge und Körperfunktionen im Ruhezustand beansprucht wird. Der Grundumsatz wird zu einem gewissen Masse erblich festgelegt und macht 50 bis 70 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Er ist von Alter, Geschlecht und insbesondere der Muskelmasse abhängig. Mehr Muskeln führen - im Gegensatz zu trägem Fettgewebe - zu einem erhöhten Ruheumsatz.

Nahrungsbedingter Verbrauch:

Darunter versteht man die Energie, die zum Verwerten der Nahrung notwendig ist. Dieser Energieanteil macht ungefähr 8 Prozent des gesamten Energieaufwandes aus. Wenn also weniger gegessen wird, sinkt dieser Energieverbrauch. Während der Körper relativ viel Energie für die Verwertung von Kohlenhydraten braucht, wandelt er Nahrungsfette mit sehr wenig Energieaufwand in Körperfett um. Darin liegt auch ein Teil der Problematik einer fettreichen Ernährung.

Arbeitsumsatz:

Dieses ist die Energie, die für die Bewegung, die physischen Aktivitäten aufgewendet wird. Sie macht 20 bis 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauches aus und ist am besten zu beeinflussen. Durch Bewegung und Sport kann der Arbeitsumsatz gesteigert werden, d.h. wie hoch dieser Anteil ist, liegt al lein in unserer Hand.

Soziokulturelle Aspekte

Soziokulturelle Hintergründe haben einen wichtigen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten: was und wie gegessen wird, Geschmackspräferenzen, Portionengrösse, Essgeschwindigkeit usw. Eine repräsentative Befragung in Deutschland zeigt, dass im Osten der Bundesrepublik viel häufiger Süsshunger, Heisshunger, Essen in Gesellschaft und Alkohol als Ernährungsproblem genannt werden als im Westen. Dagegen kommt Essen aus Langeweile und bei Stress häufiger im Westen als im Osten vor.

Aus dem 3. und 4. Schweizer Ernährungsbericht ist auch ganz klar erkennbar, dass es Ernährungsunterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Romandie gibt. Solche Unterschiede innerhalb eines Landes können sich kaum mit dem Ernährungsangebot erklären, sondern viel eher mit der vorherrschenden Esskultur.

Erbanlagen als Grund für Übergewicht?

Wissenschaftliche Studien mit Zwillingen sowie Familienuntersuchungen belegen, dass Erbanlagen für die Gewichtszunahme mitverantwortlich sind. Schätzungen über den erblich bedingten Anteil am Übergewicht schwanken sehr stark (30 bis 70 Prozent). Man geht heute davon aus, dass bei 30 bis 40 Prozent der Adipösen eine Veranlagung vorliegt. Der Grundumsatz, der 50 bis 70 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ausmacht, wird zu einem gewissen Masse erblich festgelegt.

Nahrungsverwertung spielt eine Rolle

Es gibt die guten Futterverwerter, die mit ihrem Energiehaushalt sehr ökonomisch umgehen. Sie verbrennen nicht nur weniger Kalorien beim "Nichtstun", sie sind auch besonders gut im Anlegen von Fettreserven. Schlechte Futterverwerter dagegen verbrennen täglich bis zu 400 Kilokalorien mehr, die sie meist als Wärme abgeben.

Set-Point-Theorie

Die Set-Point-Theorie nimmt an, dass jeder Mensch eine individuelle Anzahl Fettzellen hat, die im erwachsenen Alter konstant bleiben. Der Set-Point, auch Gleichgewichts-Punkt genannt, deutet an, dass jeder ein körpereigenes Gewichtsziel hat, das der Körper anstrebt und verteidigt. Er scheint neben der Anzahl auch stark vom Volumen (Füllzustand) der vorhandenen Fettzellen abhängig zu sein. Am Zustandekommen des individuellen Set-Points sollen Erbanlagen, Alter, Geschlecht, Körpergrösse, Essgewohnheiten und körperliche Aktivität beteiligt sein.

Fazit: Übergewicht wird nicht vererbt

Welche Rolle auch immer die Gene spielen, entscheidend für die Auswirkung der Erbanlagen sind die Faktoren Ernährung und Bewegung. Nicht Übergewicht wird vererbt, sondern die Veranlagung dazu. Wer einen ökonomischen Stoffwechsel geerbt hat, kann - ungerecht oder nicht - nur durch mehr Bewegung und weniger Kalorienzufuhr seine Energiebilanz im Gleichgewicht halten.

Aktualisiert: 23.09.2016

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