Dick oder schlank per Veranlagung?

Übergewichtige und schlanke Frau © istockphoto, hartphotography1

„Ich kann nichts dafür, dass ich so dick bin. Das ist Veranlagung." So oder ähnlich entschuldigen viele Übergewichtige ihr Übergewicht und ziehen sich so aus der Verantwortung. Dabei liegen sie damit aber gar nicht einmal so falsch. In der Tat haben manche Menschen eine Erbsubstanz, die Fettleibigkeit quasi vorprogrammiert. Dennoch kann dieser Veranlagung mit etwas Disziplin, gesunder Ernährung und viel Bewegung entgegengewirkt werden. Übergewicht ist in Deutschland längst keine Randerscheinung mehr. Bereits jeder dritte Bundesbürger ist nach Angaben der Deutschen Adipositas Gesellschaft deutlich übergewichtig.

Übergewicht als Veranlagung?

Dabei ist es kein Zufall, dass dicke Paare auch überdurchschnittlich häufig fettleibige Kinder haben. Verschiedene Studien lieferten bereits den Beweis, dass nicht nur die Erziehung und die Ernährung, sondern auch genetische Veranlagungen Einfluss auf den Körperumfang eines Menschen haben.

Dazu untersuchten Wissenschaftler beispielsweise Adoptivkinder, die schon sehr jung von ihren Eltern getrennt wurden und verglichen das Gewicht der leiblichen Eltern mit dem der Adoptiveltern. Dabei wurde ein deutlicher Einfluss der Gene der biologischen Eltern festgestellt. Auch Studien mit eineiigen Zwillingen, die getrennt voneinander aufwuchsen, bestätigten dies. Forscher schätzen mittlerweile den Einfluss, den die genetische Veranlagung auf die Körpermasse eines Menschen hat, auf bis zu 60 Prozent.

Erbsubstanz ist nicht an allem schuld

Bereits wenn ein Elternteil dick ist, erhöht sich das Risiko für Kinder, später einmal selbst übergewichtig zu werden. Sind beide Eltern fettleibig, steigt es weiter. Dennoch muss das Kind nicht zwangsläufig dick werden. Es wird allerdings mehr Schwierigkeiten haben, schlank zu bleiben, als manche Altersgenossen. Denn die Erbsubstanz sorgt nicht automatisch dafür, dass die Betroffenen dick werden, sondern sie ebnet nur den Weg dafür.

Während manche Menschen scheinbar so viel essen können wie sie wollen, ohne dabei zuzunehmen, landet bei dick Veranlagten meist jede kleine Sünde sofort auf den Hüften. Sie sind häufig schneller und öfter hungrig und verbrauchen weniger Energie als andere Menschen. Sie nehmen leichter Gewicht zu und haben größere Schwierigkeiten, es wieder zu verlieren. Manche Forscher vermuten außerdem, dass die Geschmacksknospen auf der Zunge bei manchen Menschen genetisch bedingt sehr sensibel auf Bitterstoffe reagieren und so den Hang zu Süßem und Fetten fördern, während Gemüse verabscheut wird.

Erziehung und Ernährungsmuster

Dicke Eltern sollten daher ein besonderes Augenmerk auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung ihrer Kinder haben, sodass diese keine falschen Essgewohnheiten erlernen. Wenn Eltern ihren Kindern vorleben, dass Schokolade tröstet, Fernsehen und Chips als Belohnung gelten und jede noch so große Portion aufgegessen werden muss, werden die Kinder diese Verhaltensweisen übernehmen und laufen damit große Gefahr, selbst übergewichtig zu werden.

Durch solche Maßregelungen geht nämlich das natürliche Gefühl für Ernährung verloren, was im Erwachsenenalter dazu führt, dass nicht nur Hunger das Signal zum Essen auslöst, sondern auch Ärger, Stress oder Langeweile. Wer jedoch von klein auf lernt, sich ausgewogen zu ernähren und eine gesunde Haltung gegenüber Lebensmitteln entwickelt, der muss auch nicht fürchten, dick zu werden.

Bei Übergewicht: Bewegung fördern

Auch Sport und Bewegung tun nicht nur den Kindern gut, deshalb sollten gemeinsame Radtouren oder Wanderungen am Wochenende und Spielplatzbesuche oder Spaziergänge unter der Woche keine Ausnahmen sein. Dicke Kinder tun sich oft schwer beim Sport, sie kommen schnell aus der Puste und fallen eher durch einen roten Kopf, als durch ihre sportlichen Fähigkeiten auf.

Eltern sollten daher von Anfang an auf viel körperliche Betätigung achten und den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder fördern und nicht bremsen. Später macht eine Anmeldung im Sportverein Sinn, denn wer als Kind und Jugendlicher viel Sport treibt, der wird diese Gewohnheit auch als Erwachsener selten ablegen.

Grundsätzlich haben also alle Menschen die Chance, fit und schlank zu sein. Manchen fällt dies allerdings relativ leicht, während sich andere aufgrund ihrer Veranlagung ihr Leben lang beim Essen zügeln und diszipliniert auf Bewegung und Genussverzicht achten müssen. Das kostet oft viel Energie und ein Stück Lebensfreude. Im Extremfall kann diese Art des gezügelten Essens sogar zu einer Essstörung führen.

Aktualisiert: 23.05.2012 – Autor: Kristina Klement

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