Spirulina-Kapseln
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Spirulina

Von: Daniela Heinisch (Medizinautorin)
Letzte Aktualisierung: 06.01.2022 - 16:42 Uhr

Die Spirulina gehört zu den Cyanobakterien, die umgangssprachlich auch als Blaualgen bezeichnet werden. Nach den bisher ältesten Fossilien-Funden kann die Existenz von Cyanobakterien schon vor 3,5 Milliarden Jahren nachgewiesen werden. Vermutlich waren sie somit auch schon an der Sauersoff-Anreicherung der Ur-Atmosphäre beteiligt und haben dadurch die heutige Zusammensetzung der Erdatmosphäre beeinflusst. Mittlerweile kann man Spirulina auch in Form von Pulver, Tabletten oder Flocken kaufen. Die Algen werden dabei von den Herstellern als wahres "Superfood" beworben. Aber wie gesund sind Spirulina wirklich und kann der Verzehr auch Nebenwirkungen haben?

Wandelbare Spirulina-Algen

Die Spirulina-Alge ist nicht nur sehr alt, sie kann auch ihre Erscheinungsform verändern: Je nach Nährstoffgehalt und pH-Wert des Wassers nimmt sie unterschiedliche Gestalt an. Deswegen ist auch unklar, ob die 35 unterschiedenen Arten, unter denen die Spirulina platensis die bekannteste ist, nicht doch alle derselben Art angehören.

Spirulina-Algen sind in stark alkalischen Salzseen beheimatet. Da die Spirulina in subtropischen bis tropischen Gewässern zu Hause ist, ist sie vor allem in Australien, Mittelamerika, Südostasien und Afrika verbreitet.

Spirulina: Wunder-Alge oder natürliches Placebo?

Die Spirulina wird – ähnlich wie die Süßwasseralge Chlorella – getrocknet in Form von Pulver, Tabletten oder Kapseln als Nahrungsmittelergänzung in Reformhäusern und Bioläden angeboten. Auch online kann man Spirulina kaufen. In Mexiko und Teilen Afrikas wird die Spirulina-Alge schon seit Jahrhunderten zum Verzehr genutzt. Bei uns erlangte die Spirulina erstmalig Anfang der 1980er Jahre Interesse, als Spirulina-Pillen als neues, natürliches Wundermittel zum Abnehmen angepriesen wurden. Klinische Studien konnten jedoch bisher nicht eindeutig nachweisen, dass man mit Spirulina abnehmen kann.

Ähnlich verhält es sich mit anderen Erkrankungen und Beschwerden, bei denen Spirulina-Algen angeblich eine große Wirkung bei praktisch keinen Nebenwirkungen haben sollen. So sagt man der Spirulina eine positive Wirkung bei Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Allergien und der Stärkung des Immunsystems nach. Fachleutesind jedoch weiterhin skeptisch, da in vielerlei Hinsicht noch weitere Untersuchungen zu einer vollständigen Erfassung der Wirkung und Nebenwirkungen von Spirulina nötig sind.

Bisherige Studien, die die vermeintliche Wirkung von Spirulina auf die Gesundheit beweisen sollen, weisen zu viele methodische Mängel auf, um aussagekräftig zu sein. Zudem wurden in einigen Studien lediglich Effekte im Labor oder an Tieren untersucht, sodass sich die Ergebnisse nicht einfach auf den Menschen übertragen lassen.

Spirulina: Wirkung

Fakt ist: Spirulina-Algen besitzen einen enorm hohen Anteil an Eiweiß (Proteinen). Der Anteil liegt bei etwa 60 Prozent. Für die Deckung des Tagesbedarfs spielen Spirulina-Pulver und Tabletten dennoch keine nennenswerte Rolle. Denn über die empfohlene Tageshöchstdosis von Sperulina-Präparaten können maximal 5,4 Gramm Proteine aufgenommen werden – eine erwachsene Frau mit einem Gewicht von 60 Kilogramm benötigt jedoch täglich circa 50 Gramm Eiweiß, ein 70 Kilogramm schwerer Mann etwa 56 Gramm.

Darüber hinaus werden Spirulina-Kapseln und Spirulina-Tabletten meist als Vitaminspender, Calciumspender, Eisenspender und Magnesiumspender beworben, da sie reich an diesen Inhaltsstoffen sind. Dabei wird jedoch häufig verschwiegen, dass die Spirulina-Alge zwar einen relativ hohen Vitamin-B12-Wert hat, jedoch nur 20 Prozent davon vom menschlichen Körper verwertet werden können.

Eine Nahrungsergänzung mit Spirulina-Tabletten führt in dieser Hinsicht also kaum zum erwünschten positiven Effekt. Die Erforschung von Nebenwirkungen bei Spirulina hält sich genauso vage wie die der Wirkungen.

Spirulina: Nebenwirkungen und Risiken

Zwar gibt es Stimmen, die besagen, dass Nebenwirkungen eigentlich gar nicht auftreten, da die Spirulina-Alge ja bereits seit Jahrhunderten verzehrt und erprobt wird. Andere Quellen konstatieren dagegen mögliche allergische Reaktionen.

Sicher ist, dass Spirulina-Tabletten, Spirulina-Kapseln und Spirulina-Pulver von Chemiekonzernen teils mit Inhaltstoffen wie Biokomplexen angereichert werden, die synthetisch hergestellt sind. Kommt es zu einer Unverträglichkeit mit den natürlichen Komplexen, können schwerwiegende Nebenwirkungen die Folge sein. Bei allen Tabletten, Kapseln und Pulver-Variationen sollte man deshalb immer auf die Inhaltsstoffe achten.

Auch können Algen mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK, belastet sein. Diese gelten als krebserregend und entstehen vermutlich, wenn die Spirulina nicht sachgemäß getrocknet werden. Seit 2015 sind daher innerhalb der Europäischen Union Höchstwerte für PAK in Produkten mit Spirulina festgelegt. Durch das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel wurde zudem wiederholt eine hohe Belastung von Spirulina mit Sulfaten festgestellt. Auch diese können zu allergischen Reaktionen führen.

Nicht geeignet sind Spirulina in jedem Fall für Personen, die an der Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie leiden. Die Algenpräparate enthalten die Aminosäure Phenylalanin, welche die Erkrankung negativ beeinflussen kann.

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Natürliches Entgiften mit Spirulina?

Neben der allgemein beworbenen Wirkung von Spirulina erntet die Alge zum Teil Lob in anderer Hinsicht: Aufgrund ihrer Inhaltstoffe werden Algen häufig als natürliches Entgiftungsmittel eingesetzt. Im Rahmen von heilpraktischen und zahnärztlichen Behandlungen werden bisweilen Spirulina-Kapseln zum Beispiel bei Amalgam-Sanierungen angewendet. Denn Spirulina absorbiert Schwermetalle und nimmt besonders gut Quecksilber auf – ein Fakt, der auf der anderen Seite wieder zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann, denn wenn das Gewässer, aus dem sie geerntet wurde, einen erhöhten Anteil an Quecksilber, Blei oder Cadmium aufweist, kann durch den Verzehr eine körperliche Belastung entstehen.

Auf die in Verbindung mit einer Körper-Entgiftung auftretenden Nebenwirkungen soll die Spirulina-Alge auch abmildernde Wirkung haben. Hier wird meist eine Kombination der Algen Chlorella und Spirulina empfohlen.

Blaue Spirulina

Die Spirulina-Alge wird zwar auch Blaualge genannt, weist natürlicherweise aber eine dunkelgrüne bis blau-grüne Farbe auf. Im Handel gibt es jedoch auch Produkte mit der Kennzeichnung "Blaue Spirulina" zu kaufen. Bei diesen wurde nach Herstellerangaben der in der Alge enthaltene Farbstoff Phycocyanin extrahiert. Dieser Farbstoff sorgt für die blaue Farbe der Produkte.

In Geschmack und Wirkung unterscheidet sich die blaue nicht von der "gewöhnlichen" Spirulina. Wegen ihrer intensiven Farbe wird sie jedoch gerne genutzt, um Gerichte, wie beispielsweise Joghurt oder Bowls, optisch aufzupeppen.

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