Grüner Kaffee
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Grüner Kaffee – positive Wirkung oder gesundheitsschädlich?

Von: Jasmin Rauch (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 27.02.2023 - 13:40 Uhr

Auf der Gesundheits- und Superfood-Welle als "green coffee" aus den USA zu uns herübergeschwappt, spricht man ihm wahre "Superkräfte" zu: dem grünen Kaffee. Bei regelmäßigem Konsum soll er beim Abnehmen helfen, den Blutdruck senken und den Blutzuckerspiegel regulieren. Was aber steckt wirklich in der grünen Kaffeebohne? Hat ihr Genuss tatsächlich positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit oder kann grüner Kaffee sogar gesundheitsschädlich sein?

Was ist grüner Kaffee?

Unter grünem Kaffee versteht man Kaffeebohnen im rohen, ungerösteten Zustand. Nach dem Pflücken wird die Kaffeefrucht, die im Aussehen einer reifen Kirsche ähnelt, lediglich getrocknet und geschält. Übrig bleibt die grüne Kaffeebohne.

Grüner Kaffee wird nicht getrunken, sondern auch häufig als Extrakt angeboten. Diesen gibt es als Nahrungsergänzungsmittel in unterschiedlichen Formen zu kaufen:

  • als Kapseln
  • als Pulver
  • als Tabletten

Wie gesund ist grüner Kaffee?

Grünem Kaffee werden zahlreiche positive Eigenschaften zugesprochen. So soll er beispielsweise den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel senken und beim Abnehmen helfen.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Chlorogensäure. Diese ist in grünem Kaffee im Vergleich zu anderen Lebensmitteln zu einem hohen Anteil enthalten. So liegt der durchschnittliche Wert in Lebensmitteln bei sieben Prozent, grüner Kaffee enthält hingegen etwa 15 Prozent beziehungsweise grüner-Kaffee-Extrakt sogar 45 bis 70 Prozent Chlorogensäure. In normalem Kaffee nimmt der Gehalt an Chlorogensäure durch die Röstung der Bohnen ab.

Weitere wichtige Inhaltsstoffe des grünen Kaffees sind:

Welche Wirkung hat grüner Kaffee?

Die verschiedenen Inhaltsstoffe des grünen Kaffees haben unterschiedlich starke positive Wirkung auf die Gesundheit. Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Inhaltsstoffe vor.

Chlorogensäure

Chlorogensäure verlangsamt nach den Mahlzeiten die Aufnahme von Zucker (Glukose) ins Blut. Damit kann grüner Kaffee langfristig den Blutzuckerspiegel senken.

Auch auf den Blutdruck soll sich Chlorogensäure positiv auswirken, indem sie die Entstehung des Hormons Cortisol, das nachweislich zur Erhöhung des Blutdrucks beiträgt, hemmt. Allerdings existieren für diesen Effekt bisher nur erste Hinweise, umfassende wissenschaftliche Studien gibt es nicht.

Ähnlich wie anderen Antioxidantien wird Chlorogensäure außerdem eine positive Wirkung auf die Hautalterung und den Schutz von Zellen zugeschrieben. Freie Radikale, also Sauerstoffverbindungen im Körper, die Zellschäden hervorrufen können, werden durch Antioxidantien neutralisiert.

Trigonellin

Dabei handelt es sich wie bei Koffein um ein sogenanntes Alkaloid. So werden Stickstoffverbindungen bezeichnet, die als Stoffwechselprodukte von Pflanzen entstehen. Trigonellin trägt zur Bildung von Niacin (früher Vitamin B3) bei. Trigonellin wird außerdem eine aufputschende Wirkung zugesprochen.

Aminosäuren

In grünem Kaffee lassen sich 18 verschiedene Aminosäuren nachweisen. Sie werden unter anderem für den Energiestoffwechsel, die Bildung von Hormonen sowie die Speicherung von Nährstoffen benötigt.

Lipide

Der höchste Anteil (circa 79 Prozent) an Lipiden in grünem Kaffee sind sogenannte Tryglyceride. Sie dienen als Fettspeicher und Energielieferant.

Koffein

Als Wachmacher kann grüner Kaffee nur bedingt dienen: So enthält er zwar Koffein, im Gegensatz zu geröstetem Kaffee aber deutlich weniger. Auf eine Portion Kaffee kommen circa 100 Milligramm Koffein, auf eine Portion grünen Kaffee nur etwa 20 Milligramm.

Kann man mit grünem Kaffee abnehmen?

Bei Versuchen an Mäusen wurde festgestellt, dass Chlorogensäure die Aufnahme von Glukose ins Blut hemmen kann.1 Dadurch wird verhindert, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt. Bei einem hohen Blutzuckerspiegel produziert der Körper vermehrt Insulin. Dieses Hormon bewirkt, dass Glukose von den Zellen aufgenommen wird. Das wiederum führt zur Neubildung von Fettreserven. Ein hoher Insulinspiegel kann zudem das Hungergefühl verstärken. Aus diesem Grund wird beim Abnehmen ein niedriger Blutzuckerspiegel angestrebt.

Aufgrund dessen wird ein Zusammenhang zwischen grünem Kaffee und Gewichtsverlust auch bei Menschen vermutet. Wer zum Abnehmen jedoch auf eine Diät mit Extrakt aus grünem Kaffee setzt, dem sei gesagt: Wissenschaftlich belegt ist dieser Zusammenhang bislang nicht.

Zwar gibt es einige US-amerikanische Studien zum Thema, diese gelten jedoch aufgrund formaler Fehler oder einer zu geringen Anzahl an Testpersonen als nicht repräsentativ. So wurde beispielsweise im Jahr 2012 im Rahmen einer Studie an der Universität Scranton in Pennsylvania zwar ein Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust und der Einnahme von grünem-Kaffee-Extrakt festgestellt. An der Studie nahmen aber lediglich 16 Personen teil.2 Zudem wurde die Studie später wegen Datenmanipulation zurückgezogen.

Nebenwirkungen: Kann grüner Kaffee gesundheitsschädlich sein?

Die im grünen Kaffee enthaltene Chlorogensäure kann, genauso wie Koffein, den Homocystein-Spiegel erhöhen. Ein zu hoher Anteil dieser Aminosäure im Blut kann eine Verengung der Gefäße begünstigen. Damit steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ist der Homocystein-Spiegel bekanntermaßen schon erhöht oder wird dies vermutet, sollte der Konsum von grünem Kaffee ärztlich abgesprochen werden.

Auch sollte die Anwendungsmenge die Dosierungsempfehlung des Herstellers nicht übersteigen. Trotz des vergleichsweise geringen Koffeingehalts kann es – genau wie bei herkömmlichem Kaffee – bei übermäßigem Genuss zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, einem gereizten Magen oder Nervosität kommen.

Sofern keine gesundheitlichen Vorbelastungen bestehen und grüner Kaffee in geringen Mengen konsumiert wird, ist mit einer gesundheitsschädlichen Wirkung nicht zu rechnen. Die empfohlene Tageshöchstmenge für grünen Kaffee liegt bei drei Tassen sowie für grünen-Kaffee-Extrakt bei drei Kapseln.

Wo kann man grünen Kaffee kaufen?

Seit einiger Zeit wird grüner Kaffee als klassische Bohnen oder gemahlen zum Aufbrühen angeboten. Grünen Kaffee erhält man in Form von Kapseln, Pulver oder Tabletten in Apotheken oder bei Online-Versandhändlern. Als Bohnen oder gemahlen kann man ihn sowohl im Internet als auch in Lebensmittel-Fachgeschäften kaufen.

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Wie macht man grünen Kaffee?

Ganze grüne Kaffeebohnen sollten über Nacht im Wasser eingeweicht werden. Am nächsten Morgen werden sie in einem Topf auf dem Herd kurz aufgekocht. Unter mäßiger Hitze und regelmäßigem Umrühren müssen die Bohnen im Wasser dann noch 15 Minuten ziehen. Anschließend das Wasser leicht abkühlen lassen und durch ein Sieb abgießen.

Wem das zu kompliziert ist, der sollte auf gemahlenen grünen Kaffee zurückgreifen: Für dessen Zubereitung füllt man das Pulver in einen Teebeutel. Dann einfach mit kochendem Wasser übergießen und ein paar Minuten ziehen lassen. Alternativ kann das Pulver auch direkt in die Tasse gegeben und nach dem Ziehen durch ein feines Sieb gefiltert werden.

Da die Bohnen nicht geröstet werden, schmeckt grüner Kaffee eher nach Kräutertee oder grünem Tee als nach Kaffee.

In Kapsel-, Tabletten- oder Pulverform wird der grüne-Kaffee-Extrakt nach Packungsanweisung zu oder kurz vor den Mahlzeiten eingenommen.

Fazit: Eine gesunde Ergänzung, aber keine "Wunderwaffe"

Grüner Kaffee kann durchaus zu den gesunden Lebensmitteln mit wertvollen Inhaltsstoffen gezählt werden. Umfassende Studien zum Zusammenhang zwischen einigen gesundheitlichen Effekten sowie grünem Kaffee und Gewichtsverlust liegen aber bisher nicht vor.

Wer abnehmen möchte, sollte sich also nicht allein auf den Genuss des grünen Kaffees verlassen – dieser kann nach aktuellem Wissensstand höchstens unterstützend wirken. Eine ausgewogene Ernährung und Bewegung im Rahmen eines gesunden Abnehmprogramms kann der grüne Kaffee auf keinen Fall ersetzen.