Zimt – gesund oder Genuss mit Nebenwirkungen?

Zimt
© Anna Quaglia

Würzig, herb und etwas süß – das einzigartige Aroma von Zimt begleitet uns besonders in der Weihnachtszeit. Doch Zimt kann der Gesundheit auch Schaden zufügen, denn das Gewürz ist nicht nur gesund, sondern kann auch Nebenwirkungen haben. Vor allem Schwangere und Kinder sowie Menschen mit bestimmten Allergien und verschiedene andere Risikogruppen sollten beim Verzehr von Zimt Vorsicht walten lassen. Doch auch generell empfiehlt es sich, Zimt nur in Maßen zu verzehren. Wir haben für Sie sowohl die gesundheitlichen Vorteile als auch die Nachteile von Zimt zusammengestellt.

Zimt – ein exotisches Gewürz

Zimtsterne und Spekulatius, Glühwein und Punsch: Der unverkennbare Geschmack und Duft von Zimt begleiten uns vor allem durch den Winter. War es früher ein Zeichen von Exklusivität und Macht, wenn man sich dieses Gewürz leisten konnte, ist Zimt heute für den normalen Geldbeutel erschwinglich.

Wir wissen mittlerweile, dass er weder auf dem Grund von Seen wächst (wie Herodot noch 450 v. Chr. glaubte), noch – wie man in Arabien propagierte – von Zimtvögeln in ihren Nestern gesammelt wird. Dennoch: Der betörende Duft und unvergleichliche Geschmack haben nach wie vor etwas Exotisches.

Zimtrinde dient vor allem als Gewürz, aber auch als Aromastoff und Heilmittel. So kommt sie in Form von Rollen (Zimtstangen), als Bruch oder Zimtpulver, als ätherisches Öl, Kapseln oder in Form anderer Extrakte ("Oleoresin") in den Handel. Zimt wird nicht nur Pfeffernüssen und Zimtsternen, sondern auch Likör und Magenbitter, Zahnpasta, Kaugummi, Kosmetika und Parfüms beigemischt. Doch auch in Tee oder Eis sowie beim Kochen erfreut sich Zimt großer Beliebtheit.
Darüber hinaus ist Zimt auch ein altbekanntes Hausmittel, das der Gesundheit auf verschiedene Weise nützlich sein kann.

Cassia- oder Ceylon-Zimt: Wo ist der Unterschied?

Das, womit wir unseren Lebkuchen würzen, ist nichts anderes als Baumrinde. Freilich muss diese auf besondere Art gewonnen werden. Es gibt zwei Arten von Zimtbäumen:

  • der Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum), der auch Kaneel genannt wird und vor allem aus Sri Lanka (früher Ceylon) stammt, und
  • der Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia), der ursprünglich in China, heute auch in Vietnam, Indonesien und auf Sumatra angebaut wird.

Ceylon-Zimt ist duftiger und süßer, Cassia-Zimt hat eher einen kräftigen, schärferen Charakter. Während dem Ceylon-Zimt überwiegend als gesund gilt und ihm diverse positive Effekte auf die Gesundheit zugeschrieben werden, kann der günstigere Cassia-Zimt mitunter sogar schädlich für die Gesundheit sein.

Gewinnung von Zimt

Die Gewinnung von Ceylon-Zimt benötigt etwas Arbeit: Da die Rinde nur von den zarten Wurzelschösslingen abgeschält wird, werden die Bäume durch ständiges Abschlagen kurzgehalten und die Wurzelstöcke angeregt, immer neue Ableger zu treiben. Cassia-Zimt wird hingegen vom etwas älteren Zimtbaum abgeschnitten.

Die Rinde wird über Nacht in Matten fermentiert. Um an das zarte, nur millimeterdicke Innere der Rinde zu gelangen, werden beim Ceylon-Zimt am nächsten Tag Borke und Mittelrinde entfernt. Beim Cassia-Zimt wird die Rinde in aller Regel nicht mehr abgeschält.

Beim Trocknen entsteht nicht nur die typische Farbe des Zimts, zusätzlich rollt sich die Rinde beider Zimtsorten auf. Beim Ceylon-Zimt geschieht dies von beiden Seiten, während sich die dickere Rinde des Cassia-Zimts nur von einer Seite einrollt.

Wie viele Kalorien hat Zimt?

100 Gramm Zimt liefern 247 Kilokalorien (kcal), beziehungsweise 1.034 Kilojoule. Das klingt zwar viel, doch bedenkt man, in welch kleinen Mengen man Zimt üblicherweise konsumiert, wird deutlich, dass die Kalorien beim Zimt kaum ins Gewicht fallen.

Gesunde Inhaltsstoffe von Zimt

Die Zimtrinde enthält das geschmacks- und geruchsgebende ätherische Zimtrindenöl, das vor allem aus Zimtaldehyd (65 bis 75 Prozent) und Eugenol (etwa 5 bis 15 Prozent) besteht. In Cassia-Zimt ist kein Eugenol enthalten.

Daneben sind in geringen Mengen zahlreiche weitere Stoffe enthalten, wie etwa:

  • Alkohole
  • Schleimstoffe
  • Stärke
  • Gerbstoffe
  • Methylhydroxy-Chalcone-Polymer (MHCP)
  • Phenylpropanoide (Safrol, Cumarin)

Aus gesundheitlicher Sicht schätzt man Zimt unter anderem wegen seiner Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt. Darüber hinaus soll er den Blutdruck und Cholesterinspiegel senken und so das Herz schützen können. Hier erfahren Sie mehr zur gesundheitlichen Wirkung von Zimt.

Allergie gegen Zimt

Bereits seit längerem ist bekannt, dass Zimt bei empfindlichen Personen Allergien hervorrufen kann. Interessanterweise kann der Genuss von Zimt auch bei Personen, die allergisch gegen Kräuterpollen (zum Beispiel von Beifuß) sind, zu allergischen Reaktionen und den typischen Symptomen einer Allergie führen (sogenannte Kreuzallergien).

Zudem kommt es häufig zu Allergien gegen sogenannte Zimtderivate. Dazu gehören insbesondere Zimtaldehyd und Zimtester. Seit 2005 sind sie wegen ihrer allergieauslösenden Wirkung in Mitteln zur Hautreinigung innerhalb der Europäischen Union verboten. Allerdings dürfen sie weiterhin in Parfüms, Waschmitteln oder auch pharmazeutischen Salben und Cremes eingesetzt werden. Bei einer Allergie auf ein Zimtderivat entsteht oftmals Hautausschlag als typisches Symptom.

Kann zu viel Zimt Nebenwirkungen auslösen?

Seit einigen Jahren weiß man, dass – in Zimt natürlicherweise enthaltene – Phenylpropanoide (vor allem Cumarin, aber auch Safrol) gesundheitsschädigend sein können. Insbesondere Cumarin kann bei einem bestimmten Anteil der Bevölkerung in hohen Konzentrationen zu Leberentzündungen führen.

Nimmt man zu viel Zimt und damit zu viel Cumarin auf, können zahlreiche Symptome auftreten. So kann Cumarin Beschwerden wie Erbrechen, Kopfschmerzen oder Schwindel auslösen. Auch Herzrasen, eine erhöhte Darmtätigkeit, Schweißausbrüche und eine schnelle Atmung können als Nebenwirkung von zu viel Zimt auftreten.

Obgleich einige Studien zudem eine krebserregende Wirkung von Cumarin bei Tieren feststellten, konnte dieses Ergebnis für Menschen bislang nicht bestätigt werden.

Während Cumarin in Cassia-Zimt oft vorkommt, ist Ceylon-Zimt unkritisch, da dieser meist nur Spuren von Cumarin enthält.

Höchstwerte für Cumarin

Aufgrund der krankmachenden Eigenschaft gelten für Zimtsterne im Handel seit einigen Jahren Höchstwerte. Für gemahlenen Zimt oder Zimtstangen ist jedoch kein Cumarin-Grenzwert vorgegeben. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Zimtstangen in der Regel weniger Cumarin enthalten als Zimtpulver – vermutlich, weil aus optischen Gründen bei den Zimtstangen die Rinde gründlicher entfernt wird.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist die Tagesdosis für Cumarin überschritten, wenn ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener zwei Gramm Cassia-Zimt oder mehr als sechs Milligramm Cumarin täglich konsumiert. Das entspricht einem Wert von 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Dieser Wert wird bei einem maßvollen Verzehr von Zimt im Rahmen einer normalen Ernährung in der Regel nicht überschritten.

Nach Angaben des Instituts liegt bei einem 15 Kilogramm schweren Kind die Grenze bei 0,5 Gramm Cassia-Zimt. Das entspricht ungefähr sechs kleinen Zimtsternen am Tag oder 100 Gramm Lebkuchen.

Zimt: Genuss nur in bestimmten Mengen

Insbesondere bei Kindern ist der Grenzwert schnell erreicht – Bund und Länder empfehlen beispielsweise, dass Kinder täglich nicht mehr als

  • 4 Zimtsterne à 5,6 Gramm oder
  • 1 Lebkuchen à 30 Gramm oder
  • Milchreis mit Zimt und Zucker à 200 Gramm oder
  • 2 Müsliriegel à 35 Gramm oder
  • Fertig-Müsli mit Zimt à 75 Gramm

verzehren sollten. Erwachsene können doppelt so viele Zimtsterne und Lebkuchen täglich essen, bei den anderen aufgeführten Lebensmitteln gilt die gleiche Verzehrempfehlung.

Herausforderungen beim Kauf

Untersuchungen zeigen allerdings immer wieder, dass in zimthaltigen Lebensmitteln die Grenzwerte häufig überschritten werden. Zum Teil liegt das daran, dass in Fertigprodukten fast immer der erheblich billigere Cassia-Zimt verwendet wird, der eine vielfach höhere Cumarin-Konzentration als Ceylon-Zimt aufweist.

Der Grund dafür liegt darin, dass Cumarin vor allem in der Rinde enthalten ist, die bei Ceylon-Zimt sehr viel sorgfältiger entfernt wird als bei Cassia-Zimt. Zum anderen können aber auch das Alter und die Sorte der Zimtpflanze sowie klimatischer Stress eine erhöhte Cumarin-Konzentration im Zimt zur Folge haben.

Da die Hersteller nicht verpflichtet sind, die verwendete Zimtart anzugeben, ist es für die Verbraucher*innen schwierig abzuschätzen, ob sie unter dem erlaubten Cumarin-Grenzwert von täglich 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht bleiben, zumal auch Lebensmittel wie Müsli oder Cola Zimt enthalten und (in geringem Maß) eine Aufnahme über die Haut (zum Beispiel Seife oder Bodylotion) erfolgen kann. Besondere Vorsicht ist zudem bei Nahrungsergänzungsmitteln geboten, die Cassia-Zimt enthalten, da bei diesen häufig eine besonders hohe Dosierung von Zimt vorliegt.

Insofern empfiehlt es sich, Zimt oder Produkte mit Zimt immer nur in Maßen zu genießen oder zu verwenden, um die angegebenen Grenzwerte nicht zu überschreiten.

Wer sollte Zimt nicht einnehmen?

Nicht nur bei Kindern oder Unverträglichkeiten in Form einer Allergie wird vor dem Verzehr von Zimt beziehungsweise der Nutzung von Pflegeprodukten mit Zimtderivaten gewarnt. Auch in der Schwangerschaft sollte Zimt nur mit Vorsicht genossen werden – sein Öl gilt als wehenfördernd. In kleinen Mengen verzehrt, ist Zimt aber auch für schwangere Frauen in aller Regel unbedenklich.

Daneben sollte auf Zimt verzichten, wer Medikamente einnimmt, welche die Leber beeinflussen können, beispielsweise Statine oder Paracetamol. Zudem können Wechselwirkungen von Zimt und Antidiabetika auftreten. Auch wer an einem Magen- oder Darmgeschwür leidet, sollte lieber keinen Zimt konsumieren.

Wissenswertes über Zimt

Das ist Zimt aus botanischer Sicht:

  • Art: Cinnamomum verum, Cinnamomum cassia (plus weitere 250 Arten)
  • Gattung: Cinnamomum
  • Familie: Lorbeergewächse (Lauraceae)
  • Ordnung: Lorbeerartige (Laurales)
  • Unterklasse: Magnolienähnliche (Magnoliidae)
  • Klasse: Einfurchenpollen-Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
  • Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)

Übrigens: Auch der für sein ätherisches Öl in Erkältungsbalsam bekannte Kampferbaum (Cinnamomum camphora) gehört zur Gattung der Zimtpflanzen.

Aktualisiert: 22.12.2022
Autor*in: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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