Eisen-Überdosierung – zu viel Eisen im Blut

Frau hat Bauchkrämpfe nach Eisen-Überdosierung © Getty Images/Deagreez

Während Eisenmangel in der Bevölkerung recht verbreitet ist, kommt eine Überversorgung mit Eisen bei einer ausgewogenen Ernährung kaum vor. Zu den möglichen Ursachen einer Eisenanhäufung zählt jedoch eine Überdosierung von Eisenpräparaten, gerade wenn Menschen befürchten, an Eisenmangel zu leiden und daher ohne ärztliche Rücksprache zu Eisentabletten greifen. Doch es können auch verschiedene Krankheiten und andere Faktoren einen Eisenüberschuss auslösen. Welche Symptome und Folgen treten bei einer Eisen-Überdosierung auf? Wann ist der Eisenwert im Blut zu hoch und was kann man bei einem erhöhten Eisenwert tun?

Überdosierung von Eisen: Auslöser & Ursachen

Bei gesunden Menschen ist eine Eisenanhäufung über die Ernährung nahezu ausgeschlossen, da es verschiedene Regulationsmechanismen gibt, die eine solche Überversorgung verhindern. Sind die Eisenspeicher gefüllt, nimmt der Körper automatisch weniger Eisen auf. Eine Eisenüberladung durch eisenhaltige Nahrung kann jedoch beispielsweise im Rahmen einer Eisenspeicherkrankheit, der Hämochromatose oder Hämosiderose, auftreten. Doch es gibt noch weitere Ursachen für eine Überversorgung:

  • Bei der Hämochromatose (Hämosiderose) handelt es sich um eine Eisenstoffwechselstörung, die zu einer vermehrten Eisenaufnahme im Darm führt. Zu viel Eisen im Körper kann jedoch bewirken, dass das Spurenelement sich in der Leber und in anderen Organen ablagert. Im schlimmsten Fall kann ein Organversagen die Folge sein.
  • Daneben können schwere Leberschäden, etwa durch Alkoholmissbrauch oder eine Hepatitis, Ursache für eine Überdosierung von Eisen durch die Nahrung sein.
  • Auch bestimmte Formen der Blutarmut, die aplastische Anämie und die hämolytische Anämie, können einen Eisenüberschuss hervorrufen. Ebenfalls zählt Leukämie zu den möglichen Auslösern.
  • Darüber hinaus kann eine übermäßige Einnahme von Eisentabletten oder mit Eisen angereicherten Lebensmitteln eine Überdosierung von Eisen bewirken. Daher sollten solche Tabletten und andere Eisenpräparate niemals ohne ärztliche Empfehlung verwendet werden. Eine solche Empfehlung erfolgt oft bei einem diagnostizierten Eisenmangel, einer Eisenmangelanämie oder einem erhöhten Bedarf, etwa in der Schwangerschaft und Stillzeit. Doch auch hier ist es wichtig, sich genau an die empfohlene Dosierung zu halten.
  • Daneben können zu hohe Eisenwerte im Blut auch eine Folge einer größeren Menge an Bluttransfusionen sein.
  • Erhöhte Eisenwerte in der Schwangerschaft sind normal und daher meist nicht besorgniserregend.

Eisen-Überdosierung: Symptome und Folgen

Die langfristige Einnahme von Eisenpräparaten kann bei Erwachsenen eine chronische Eisenüberversorgung verursachen. Eine unkontrolliert hohe Eisenzufuhr ist keinesfalls ratsam.

Es besteht der Verdacht, dass bei hohen Eisenkonzentrationen im Blut die vor Krebs schützende Wirkung von Vitaminen reduziert wird und mehr freie Radikale freigesetzt werden. Erhöhte Eisenwerte werden mit einzelnen Krebserkrankungen in Verbindung gebracht, aber auch das Risiko für die Entstehung von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte durch eine Überversorgung mit Eisen steigen. Darüber hinaus sind Eisenablagerungen in der Leber möglich, die zu einer Leberzirrhose führen können, und auch Schäden der Bauchspeicheldrüse können auftreten.

Eine Eisenüberladung verursacht oft keine spezifischen Symptome. Es können jedoch Schmerzen wie Bauchkrämpfe, Gelenkschmerzen oder stechende Schmerzen in der Brust auftreten. Solche Beschwerden sollten daher immer ärztlich abgeklärt werden. Weitere mögliche Symptome sind Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sowie eine bronzefarbene Verfärbung der Haut.

Eisenvergiftung: Anzeichen erkennen

In Extremfällen kann eine Überdosierung mit eisenhaltigen Tabletten oder Nahrungsergänzungsmitteln akute Vergiftungserscheinungen auslösen. Vor allem bei Kindern kann dies passieren, wenn diese unbeaufsichtigt eine große Menge an Eisentabletten schlucken. Mögliche Symptome einer Eisenvergiftung sind:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Fieber
  • Bauchschmerzen
  • Blutungen im Verdauungstrakt, Blut im Stuhl

Die Symptome treten bereits innerhalb weniger Stunden auf. In der Folge kann es zu Störungen der Blutgerinnung, aber auch zu Schäden der Niere und Leber sowie zu Herzrhythmusstörungen kommen. Eine Eisenvergiftung kann in schweren Fällen tödlich verlaufen, daher handelt es sich dabei um einen Notfall.

Ab wann eine Überdosierung von Eisen gefährlich wird, hängt vom Alter, Gewicht und Eisenstatus der Person ab. Eine giftige Dosis für ein zwei- bis dreijähriges Kind wären beispielsweise 400 Milligramm Eisen.

Wie viel Eisen maximal am Tag?

Um eine Überdosierung von Eisen zu vermeiden, sollte man darauf achten, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten. Diese beträgt bei Frauen im gebärfähigen Alter 15 Milligramm pro Tag, nach den Wechseljahren liegt der Tagesbedarf bei 10 Milligramm. In der Schwangerschaft und Stillzeit beträgt die empfohlene Tagesdosis 30 beziehungsweise 20 Milligramm. Männer ab 19 Jahren sollten 10 Milligramm Eisen täglich über die Ernährung zu sich nehmen.

Um eine Überdosierung zu vermeiden, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) in Bezug auf Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6 Milligramm pro Tag.

Eisenwert erhöht: Wann ist der Blutwert zu hoch?

Der Eisenwert (Ferrum, FE) im Blut gilt ab folgenden Werten zu hoch:

Alter Obergrenze Frauen Obergrenze Männer
18-39 Jahre über 165 µg/dl über 155 µg/dl
40-59 Jahre über 134 µg/dl über 168 µg/dl
ab 60 Jahre über 149 µg/dl über 120 µg/dl

Bei Babys und Kindern richtet sich die Obergrenze vor allem nach dem Alter.

Ist der Eisenwert im Blut erhöht, sollten stets auch der Ferritinwert sowie der Transferrinwert und die Anzahl der roten Blutkörperchen gemessen werden, um eine Ursache der Eisenüberladung zu bestimmen.

Eisenwert zu hoch: Was tun bei zu viel Eisen im Blut?

Bei einer akuten Eisenvergiftung wird – je nachdem, wie lange die Einnahme der Eisen-Überdosis her ist – versucht, durch Erbrechen oder Absaugen des Mageninhaltes versucht, die Eisenpräparate aus dem Körper zu bekommen. Ist es dafür zu spät, wird in Fällen einer schweren Vergiftung das Medikament Deferoxamin verabreicht, um die Ausscheidung des Eisens zu unterstützen. Zudem wird intravenös Flüssigkeit zugeführt.

Bei einer leichten Eisenanhäufung ohne Symptome ist in der Regel keine Therapie erforderlich. Betroffene sollten aber darauf achten, weniger Eisen zu sich zu nehmen. Das bedeutet den Verzicht auf besonders eisenhaltige Lebensmittel wie Innereien und Vollkornprodukte, aber auch auf Nahrungsergänzungsmittel mit Eisen, etwa Multivitaminpräparate. Während die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C die Aufnahme von Eisen fördert, können die Gerbsäure in Kaffee und schwarzem Tee, das Phosphor in Cola oder das Kalzium in Milch die Eisenaufnahme hemmen. Auch Zink-Tabletten können dazu beitragen, die Eisenaufnahme zu reduzieren.

Eine gängige Form der Behandlung eines zu hohen Eisenwertes ist außerdem der sogenannte Aderlass, bei dem in regelmäßigen Abständen eine größere Menge Blut abgenommen wird, bis die Eisenwerte nicht mehr erhöht sind. Bis dies der Fall ist, kann es jedoch mehrere Wochen oder Monate dauern.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
E83.1, T45.4

Aktualisiert: 17.03.2021 - Autor: Silke Hamann, Medizinredakteurin

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