Nahrungsergänzungsmittel: Das ist bei der Auswahl zu beachten

Frau hält Nahrungsergänzungsmittel
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Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich großer Beliebtheit – in einer Umfrage aus dem Jahr 2021 gaben 70 Prozent der Menschen an, Präparate zur Nahrungsergänzung zu konsumieren. Am häufigsten greifen die Deutschen dabei zu Vitaminen und Mineralstoffen. Das Angebot reicht von Einzelpräparaten wie Vitamin-D-Tabletten über Kombinationspräparate mit Vitamin C und Zink für das Immunsystem bis hin zu Präparaten für Haut und Haare, zum Abnehmen oder zur Unterstützung in der Schwangerschaft. Doch nicht alle der angebotenen Mittel werden von Fachleuten für gut befunden. Einige können sogar schädlich für die Gesundheit sein. Was bei der Auswahl von Nahrungsergänzungsmitteln zu beachten ist, erfahren Sie hier.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich betrachtet keine Arzneimittel, sondern Lebensmittel. In der Regel enthalten sie Inhaltsstoffe, die auch in der Ernährung vorkommen, etwa Vitamine, Mineralstoffe, Fettsäuren oder sekundäre Pflanzenstoffe – nur in einer konzentrierten Form und oft in einer höheren Dosierung. Sie sind rezeptfrei verkäuflich (zum Beispiel in der Apotheke, Drogerie, im Supermarkt oder online) und werden in verschiedenen Formen angeboten, etwa als Kapseln, Tabletten, Pulver, Säfte, Flüssigampullen oder Brausetabletten.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Mikronährstoffe wie Mineralstoffe und Vitamine sind für unsere Gesundheit essenziell. Bei einer ausgewogenen, gesunden und abwechslungsreichen Ernährung werden dem Körper einer gesunden Person in der Regel alle benötigten Nährstoffe zugeführt. Allerdings gelingt es nicht immer, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Auch kann ein erhöhter Bedarf an Mikronährstoffen dazu führen, dass dieser allein über die Nahrung nicht gedeckt werden kann.

Mögliche Gründe für eine unzureichende Nährstoffversorgung über die Ernährung sind zum Beispiel:

  • spezielle oder einseitige Ernährung beziehungsweise strikte Diät, zum Beispiel aufgrund von vegetarischer oder veganer Lebensweise, Nahrungsmittelallergien, häufigem Verzehr von Fertiggerichten anstelle von frisch zubereiteten Lebensmitteln oder nach einer OP
  • gesteigerter Verbrauch bei Menschen, die viel Sport treiben oder Stress haben
  • spezielle Lebenssituationen, die den Bedarf erhöhen, etwa Wachstum bei Kindern und Jugendlichen sowie Schwangerschaft oder Stillzeit
  • verminderte Nährstoffaufnahme durch Alkohol oder Nikotin
  • Einnahme von Medikamenten, welche die Verwertung von Nährstoffen aus der Nahrung erschweren
  • Erkrankungen, durch die die Aufnahme von Nährstoffen im Darm gehemmt wird
  • insgesamt geringe Nahrungsaufnahme, zum Beispiel bei Appetitmangel, Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie oder aufgrund von Erkrankungen
  • fortgeschrittenes Alter, das häufig mit verringertem Appetit oder gehemmter Aufnahme der Nährstoffe aufgrund von Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme einhergeht

In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, einer drohenden Mangelversorgung durch geeignete Nahrungsergänzungsmittel entgegenzuwirken. Wichtig zu wissen ist aber: Nahrungsergänzungsmittel können eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen – eine unausgewogene Ernährung sollte also stets vermieden werden. Welche Nahrungsergänzungsmittel geeignet sind und was bei der Auswahl der richtigen Produkte zu beachten ist, erfahren Sie im Folgenden.

Hinweis: Zeigen Sie bereits Symptome eines Nährstoffmangels, sollten Sie ärztlichen Rat einholen, um das geeignete Vorgehen zu besprechen. Zur Therapie von Krankheiten sind Nahrungsergänzungsmittel nicht geeignet.

Vorsicht vor Überdosierung

Die Dosierung spielt bei der Auswahl geeigneter Nahrungsergänzungsmittel eine wichtige Rolle. Denn über die Präparate nimmt der Körper die Inhaltsstoffe mitunter in einer viel größeren Menge auf, als es über die Ernährung überhaupt möglich wäre. Dies kann von Nutzen sein, aber ebenso von Nachteil, denn auch manche Vitamine und Mineralstoffe kann man überdosieren – teils mit gravierenden Folgen für die Gesundheit.

Während eine solche Überdosierung über die Ernährung nahezu ausgeschlossen ist, kann die Einnahme hochdosierter Nährstoffpräparate – vor allem über einen längeren Zeitraum – eine überhöhte Zufuhr begünstigen. Eine toxische Überdosierung ist vor allem bei Vitamin A, Vitamin D und Vitamin E möglich – je nach Vorerkrankungen können aber auch andere Mikronährstoffe wie Magnesium in zu großen Mengen schädlich für die Gesundheit sein.

Als Referenzwerte für eine sinnvolle Dosierung einzelner Mikronährstoffe dient zum Beispiel der empfohlene Tagesbedarf der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), aber auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Referenzwerte veröffentlicht. Zudem hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Höchstmengen für die tägliche Zufuhr von Mikronährstoffen definiert, die als sicher gelten. Dabei handelt es sich um Empfehlungen, gesetzliche Obergrenzen gibt es nicht.

Ohne dass ein entsprechender Nährstoffmangel ärztlich festgestellt wurde, sollten man bei hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln daher Vorsicht walten lassen. Niedrig dosierte Präparate, welche sich am empfohlenen Tagesbedarf orientieren und die Obergrenzen nicht überschreiten, können jedoch eingenommen werden, ohne dass eine Überdosierung droht – die Verbraucherzentrale beurteilt die Einnahme solcher Mittel für Personen ab 15 Jahren als sicher.

Beachten Sie auch die Einnahmeempfehlungen des Herstellers zur täglichen Verzehrmenge und überschreiten Sie diese nicht. Kombinieren Sie außerdem nicht mehrere Präparate mit den gleichen Inhaltsstoffen, sonst kann es in der Summe zu einer Überdosierung kommen.

Nahrungsergänzung: unseriöse Wirkversprechen erkennen

Da es sich rechtlich betrachtet nicht um Arzneimittel, sondern um Lebensmittel handelt, dürfen Präparate zur Nahrungsergänzung nicht mit Wirkversprechen wie "senkt den Blutdruck" beworben werden. Werben Anbieter damit, dass ihr Produkt bestimmte Krankheiten heilen, lindern oder ihnen vorbeugen kann, sollten Sie deshalb misstrauisch werden. Das gilt auch bei unrealistischen Erfolgsversprechen, wie sie etwa bei manchen Produkten zum Abnehmen oder zum Muskelaufbau aus dem Internet zu finden sind.

Welche Aussagen für welche Präparate zulässig sind, ist genau geregelt. Erlaubt sind beispielsweise Aussagen wie "Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei" oder "Vitamin C trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei", sofern diese Aussagen für den jeweiligen Nährstoff in einem speziellen Online-Register der Europäischen Kommission gelistet sind.

Auf die Inhaltsstoffe achten

Die Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln können natürlichen Ursprungs sein oder synthetisch hergestellt. In einigen Fällen werden natürliche Stoffe vom Körper besser aufgenommen als die synthetische Form, weshalb natürliche Inhaltsstoffe in der Regel bevorzugt werden sollten. Eine große Vielfalt an natürlichen Inhaltsstoffen liefert oft eine abwechslungsreiche Bandbreite verschiedener Nährstoffe – neben Vitaminen und Mineralstoffen sind beispielsweise oft auch sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.

Folgende Tipps sollten Sie außerdem beherzigen:

  • Bei bekannten Allergien oder Unverträglichkeiten sollten Sie vorab einen gründlichen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen.
  • Das gilt auch, wenn Sie sich beispielsweise vegan ernähren, denn nicht alle Präparate kommen ohne tierische Zutaten aus.
  • Falls Sie Medikamente einnehmen, informieren Sie sich über mögliche Wechselwirkungen.
  • Auch über Ihnen unbekannte Zutaten sollten Sie am besten vorab Informationen einholen.
  • Positiv zu beurteilen ist es in der Regel, wenn Produkte ohne überflüssige Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Zucker oder Süßstoff auskommen.
  • Prüfsiegel können helfen, die Qualität der Inhaltsstoffe besser zu beurteilen. Solche Siegel können beispielsweise bestätigen, dass die Zutaten aus Bio-Anbau stammen oder frei von Pestiziden sind.

Nahrungsergänzungsmittel: Einzel- oder Kombinationspräparate?

In bestimmten Situationen können Einzelpräparate sinnvoll sein. Das gilt beispielsweise bei einem diagnostizierten Mangel an einzelnen Nährstoffen, aber auch für die Einnahme von Folsäure vor und in der Schwangerschaft, da dieses Vitamin für die Entwicklung des Fötus von großer Bedeutung ist.

Ohne eine medizinische Empfehlung sollten isolierte Präparate jedoch mit Vorsicht betrachtet werden. Insbesondere, wenn sie hoch dosiert sind oder zu häufig eingenommen werden, droht eine Überdosierung oder ein Ungleichgewicht im Nährstoffhaushalt. Denn zu viel von einem Nährstoff kann leicht die Aufnahme eines anderen behindern.

Umgekehrt können manche Mikronährstoffe nicht richtig verwertet werden, wenn es an anderen fehlt (zum Beispiel wird Vitamin C für die Aufnahme von Eisen benötigt). Ganzheitliche Kombinationspräparate, die das Zusammenspiel der verschiedenen Mikronährstoffe berücksichtigen, sind daher oftmals besser geeignet.

Herkunft und Hersteller beachten

Nahrungsergänzungsmittel unterliegen dem deutschen Lebensmittelrecht. Bezieht man jedoch Produkte aus dem Ausland, besteht das Risiko, dass die Inhaltsstoffe beispielsweise zu hoch dosiert sind oder dass Substanzen enthalten sind, die von den deutschen Behörden nicht als sicher erachtet werden. Schlimmstenfalls sind diese Produkte gefährlich für die Gesundheit. Auch kann ihre Einfuhr illegal sein.

Insbesondere bei Präparaten, die nur im Internet vertrieben werden, sollten Sie deshalb besonders gründlich hinschauen. Betrachten Sie überschwängliche Erfahrungsberichte in Online-Foren lieber mit Skepsis – es könnte sich um getarnte Werbung handeln. Ein Firmensitz in Deutschland bietet Ihnen übrigens auch im Streitfall bessere Möglichkeiten für rechtliche Schritte.

Darüber hinaus sind die Hersteller für die Sicherheit und Qualität ihrer Produkte in erster Linie selbst verantwortlich, denn im Gegensatz zu Arzneimitteln benötigen Nahrungsergänzungsmittel keine Zulassung. Kaufen Sie daher nur Produkte von einem Hersteller, dem Sie vertrauen. Eine langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Nahrungsergänzung sowie telefonische Beratungsangebote bei Rückfragen sind positiv zu bewerten.

Aktualisiert: 18.01.2022
Autor*in: Silke Hamann, Medizinredakteurin

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