Vitamin D: Mangel und Überdosierung

Frau nimmt Vitamin-D-Tablette gegen Vitamin-D-Mangel © Getty Images/apomares

Ein Vitamin-D-Mangel kann unterschiedliche Folgen haben. Doch auch eine Überdosierung kann gefährlich sein und Symptome wie Durchfall und Bauchschmerzen verursachen, aber auch schwere Organschäden auslösen. Wie erkennt man einen Mangel oder eine Überdosierung von Vitamin D und wie kann man vorbeugen? Was tun, wenn bereits an Vitamin-D-Mangel besteht? Das lesen Sie hier!

Vitamin-D-Mangel: Symptome und Folgen

Nach neueren Studien ist bei mindestens der Hälfte aller Deutschen der Vitamin-D-Spiegel zu niedrig. Wie ein Mangel definiert ist, wird kontrovers diskutiert. Meist gelten Werte von mindestens 20 bis 30 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut als normal, bei dauerhaft darunter liegenden Werten wird von einem Vitamin-D-Mangel ausgegangen.

Liegt ein Vitamin-D-Mangel vor, kann nicht mehr genügend Kalzium in die Knochen eingelagert werden. Dadurch werden die Knochen weich und biegsam. Bei Erwachsenen wird dieses Krankheitsbild der Knochenerweichung als Osteomalazie bezeichnet. Mögliche Symptome sind Deformationen in den Knochen des Beckens und des Brustkorbs, plötzliche Knochenbrüche und Knochenschmerzen, Muskelschwäche und eine Kraftminderung.

Bei Kindern können auch Verformungen am Schädel, an der Wirbelsäule und an den Beinen (O-Beine) auftreten. Dies wird als Rachitis bezeichnet. Neben der Kindheit ist vor allem im Alter eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D von Bedeutung, um Osteoporose vorzubeugen. Typisches Anzeichen für diesen sogenannten Knochenschwund sind häufige Knochenbrüche aufgrund von porösen Knochen.

Daneben wird der Körper durch einen Vitamin-D-Mangel aber auch anfälliger für Infekte. Ebenso wird vermutet, dass ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für die Entstehung bestimmter Erkrankungen erhöhen könnte: Dazu gehören beispielsweise Krebs, Autoimmunerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Eine Unterversorgung mit Vitamin D könnte darüber hinaus Störungen der Herz- oder Muskelfunktion zur Folge haben.

Ursachen eines Vitamin-D-Mangels

Die wohl häufigste Ursache für einen Vitamin-D-Mangel stellt zu wenig Sonnenlicht dar. Heutzutage halten sich viele Menschen nur noch wenig im Freien auf. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die nur selten an die frische Luft gehen und so weniger Vitamin D mithilfe von Sonneneinstrahlung bilden können. Bei ihnen kommt außerdem hinzu, dass die Vitaminbildung in der Haut schlechter funktioniert als bei jüngeren Menschen.

Zudem werden aus Angst vor Hautkrebs bei Sonnenschein oft Sonnencremes mit einem hohen Sonnenschutzfaktor verwendet. Bereits bei einer Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor acht geht jedoch die Vitamin-D-Herstellung um etwa 95 Prozent zurück. Deshalb sollte man sich vor dem Eincremen der Haut möglichst einige Minuten ohne Sonnenschutz im Freien aufhalten. Bei sehr starker Sonneneinstrahlung sollte man allerdings stets ein Sonnenschutzmittel verwenden.

Die mit der Nahrung zugeführten Mengen an Vitamin D sind meist zu gering, um einen Vitamin-D-Mangel durch fehlendes Sonnenlicht auszugleichen. Eine Alternative stellen jedoch spezielle Vitamin-D-Präparate dar.

Weitere mögliche Ursachen für einen Vitamin-D-Mangel sind bestimmte Erkrankungen wie chronische Nieren-, Magen-Darm- oder Lebererkrankungen sowie einige Medikamente, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen können (zum Beispiel Antiepileptika).

Vitamin-D-Mangel beheben: So gehts!

Ein Vitamin-D-Mangel kann entweder durch die künstliche Zufuhr von Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel oder durch mehr verbrachte Zeit im Freien behoben werden. Denn 80 bis 90 Prozent unseres Vitamin-D-Bedarfs bildet der Körper unter Einfluss von Sonnenlicht selbst. Lebensmittel mit Vitamin D tragen hingegen nur etwa 10 bis 20 Prozent zu unserer Vitamin-D-Versorgung bei. Gerade im Winter, wenn die Sonne nur selten und wenig intensiv scheint, ist es jedoch meist nicht möglich, einen Vitamin-D-Mangel auf natürlichem Wege auszugleichen. Ein ausgedehnter Winterspaziergang ab und an genügt also nicht, um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen.

Sonnenbaden beugt Vitamin-D-Mangel vor

Im Winter leben wir vor allem von den in unserem Fettgewebe angelegten Vitamin-D-Vorräten. Zwischen Oktober und März nehmen diese Vorräte nahezu um die Hälfte ab. Besonders bei Personen, die bereits vor Beginn des Winters einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Blut haben, kann es dann während der dunklen Jahreszeit zu einem Vitamin-D-Mangel kommen. Deshalb ist es wichtig, während der Sommermonate viel Zeit im Freien zu verbringen, um einen Vitamin-D-Vorrat anzulegen.

Empfohlen wird, sich zwei- bis dreimal wöchentlich für etwa zwölf Minuten bei Sonnenschein im Freien aufzuhalten. Dabei sollten die Hände, das Gesicht und Teile der Arme und Beine unbedeckt und nicht durch Sonnencreme geschützt sein.

Solarium gegen Vitamin-D-Mangel?

Einige Menschen glauben, einen Vitamin-D-Mangel durch einen Besuch im Solarium beheben zu können. Doch ein Besuch im Solarium ist unter Wissenschaftlern stark umstritten. Denn viele Solarien verwenden für die Bestrahlung nur noch UVA-Licht, während für die Bildung von Vitamin D UVB-Licht benötigt wird. Zudem steigt durch den regelmäßigen Besuch im Solarium das Krebsrisiko deutlich.

Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D

Wird der Vitamin-D-Mangel durch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten bekämpft, sollte zuvor ein Arzt den Vitamin-D-Gehalt im Blut bestimmen. Anschließend kann die benötigte Dosis genau festgelegt werden. Dieses Vorgehen ist besonders wichtig, da es durch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten – im Gegensatz zur Vitamin-D-Bildung durch Sonnenlicht – zu einer Überdosierung von Vitamin D kommen kann.

Deswegen raten Experten dringend davon ab, Vitamin-D-Präparate auf eigene Faust einzunehmen. Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Herzglykosiden empfohlen, da es hier zu Wechselwirkungen und einer gefährlichen Veränderung des Kalziumspiegels kommen kann.

Überdosierung von Vitamin D

Bei Werten von mehr als 50 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut ist von einer Überversorgung mit Vitamin D auszugehen. Das Risiko für eine Überdosierung von Vitamin D auf natürlichem Weg ist relativ gering. Vermutlich hat erst die 20-fach erhöhte Aufnahme von Vitamin D negative Auswirkungen auf unseren Körper. In der Regel ist das Erreichen einer solchen Dosis nur über den unsachgemäßen Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln zu erreichen.

Eine dauerhaft überhöhte Vitamin-D-Zufuhr kann zu einer erhöhten Kalziumaufnahme im Darm und einer verstärkten Freisetzung von Kalzium aus den Knochen führen. Die Folge ist eine Hypercalcämie. Das bedeutet einen erhöhten Kalzium-Spiegel im Blut, was diverse gesundheitliche Beschwerden mit sich bringen kann. Zu den möglichen Symptomen gehören:

  • Harndrang
  • Durst
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall
  • Muskelschwäche
  • Kopfschmerzen

Auch Erkrankungen des Verdauungstrakts, Herz-Rhythmus-Störungen, Bewusstlosigkeit oder Depressionen können Folge einer Überdosierung von Vitamin D sein. Langfristig kann es durch eine Überdosierung außerdem zu einer Verkalkung der inneren Organe kommen. Dadurch können besonders an den Nieren schwere Schäden entstehen, wie etwa Nierensteine, Nierenverkalkungen bis hin zu Nierenversagen. Sogar ein tödlicher Verlauf der Vergiftung ist möglich.

Daher empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als Richtwert für eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin D durch Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 20 Mikrogramm oder 800 i. E. (internationale Einheiten) täglich. Auch eine Menge von 1.000 i. E. am Tag gilt in der Regel als unbedenklich. Vitamin-D-Präparate mit einer höheren Dosierung gelten als Arzneimittel und sollten nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Hier gilt als Höchstgrenze eine Menge von 100 Mikrogramm (4.000 i. E.) Vitamin D pro Tag.

Aktualisiert: 16.02.2021 - Autoren: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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