Vitamin D: Mangel und Überdosierung

Frau nimmt Vitamin-D-Tablette gegen Vitamin-D-Mangel
© Getty Images/apomares

Ein Vitamin-D-Mangel kann unterschiedliche Folgen haben. Da Vitamin D wesentlich an der Regulierung des Calciumhaushaltes beteiligt ist, kann es durch einen Mangel zu einer Instabilität der Knochen kommen. Allerdings kann nicht nur ein Vitamin-D-Mangel, sondern auch eine Überdosierung gefährlich sein und Symptome wie Durchfall und Bauchschmerzen, aber auch schwere Organschäden auslösen. Wie erkennt man einen Mangel oder eine Überdosierung von Vitamin D, welche Ursachen gibt es und wie kann man vorbeugen? Was tun, wenn bereits an Vitamin-D-Mangel besteht? Das lesen Sie hier!

Vitamin-D-Mangel – wann besteht er?

Nach Studien des Robert Koch-Instituts ist bei mindestens der Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland der Vitamin-D-Spiegel zu niedrig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. geht hingegen davon aus, dass bei einem Großteil der gesunden Bevölkerung kein Vitamin-D-Mangel vorliegt, wenngleich sie auch nicht optimal versorgt sind.

Auch wie ein Mangel definiert ist, wird kontrovers diskutiert. Meist gelten Werte von mindestens 20 bis 30 Nanogramm (ng) Vitamin D (genauer gesagt 25-Hydroxyvitamin-D, kurz 25(OH)D) pro Milliliter Blut als normal, bei dauerhaft darunter liegenden Werten, spätestens aber ab Werten unter 12 ng/ml (entspricht 30 nmol/l) wird von einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung ausgegangen. Andere setzen den optimalen Wert sogar höher an.

Vitamin-D-Mangel: Symptome und Folgen

Liegt langfristig ein Vitamin-D-Mangel vor, kann nicht mehr genügend Calcium aus dem Darm aufgenommen und in die Knochen eingelagert werden. Dadurch werden diese weich und biegsam. Bei Erwachsenen wird dieses Krankheitsbild der Knochenerweichung als Osteomalazie bezeichnet. Mögliche Symptome sind Deformationen in den Knochen des Beckens und des Brustkorbs, plötzliche Knochenbrüche und Knochenschmerzen, Muskelschwäche und eine Kraftminderung.

Bei Babys und Kindern können auch Verformungen am Schädel, an der Wirbelsäule und an den Beinen (O-Beine) auftreten. Dies wird als Rachitis bezeichnet. Neben der Kindheit ist vor allem im Alter eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D von Bedeutung, um Osteoporose vorzubeugen. Typisches Anzeichen für diesen sogenannten Knochenschwund sind häufige Knochenbrüche aufgrund von porösen Knochen.

Daneben wird der Körper durch einen Vitamin-D-Mangel aber auch anfälliger für Infekte. Ebenso wird vermutet, dass eine Unterversorgung mit Vitamin D das Risiko für die Entstehung bestimmter Erkrankungen erhöhen könnte: Dazu gehören beispielsweise Krebs, Autoimmunerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Eine Unterversorgung mit Vitamin D könnte darüber hinaus Störungen der Herz- oder Muskelfunktion sowie trockene Augen zur Folge haben.

Auch könnte ein Vitamin-D-Mangel indirekt Ursache für einen dicken Bauch sein: Liegt das Vitamin nicht ausreichend vor, wirkt sich das auf den Hormonhaushalt (zum Beispiel das Sättigungshormon Leptin) und den Energiestoffwechsel aus. Dadurch kann es zu Heißhunger sowie zur übermäßigen Einlagerung von Fett kommen, was wiederum eine Gewichtszunahme begünstigt. Einige Studien bringen die Einnahme von Vitamin D sogar in Zusammenhang mit besseren Diät-Erfolgen.

Ursachen eines Vitamin-D-Mangels

Die wohl häufigste Ursache für einen Vitamin-D-Mangel stellt zu wenig Sonnenlicht dar – vor allem, weil sich viele Menschen wenig im Freien aufhalten. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die nur selten an die frische Luft gehen und so weniger Vitamin D mithilfe von Sonneneinstrahlung bilden können. Bei ihnen kommt außerdem hinzu, dass die Vitaminbildung in der Haut schlechter funktioniert als bei jüngeren Menschen.

Doch auch, wer aus anderen Gründen kaum Zeit im Freien verbringt oder wessen Haut stets bedeckt ist (etwa vollverschleierte Frauen), gehört zur Risikogruppe. Da Säuglinge im ersten Lebensjahr keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein sollen, sind sie zur Rachitisprophylaxe ebenfalls auf eine Supplementierung des Sonnenvitamins angewiesen.

Zudem werden aus Angst vor Hautkrebs bei Sonnenschein oft Sonnencremes mit einem hohen Sonnenschutzfaktor verwendet. Diese Vorsicht ist grundsätzlich richtig, hat jedoch auch Nebeneffekte: Bereits bei einer Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor acht geht die Vitamin-D-Herstellung um etwa 95 Prozent zurück. Deshalb sollte man sich vor dem Eincremen der Haut möglichst einige Minuten ohne Sonnenschutz im Freien aufhalten. Bei sehr starker Sonneneinstrahlung sollte man allerdings stets ein Sonnenschutzmittel verwenden.

Die mit der Nahrung zugeführten Mengen an Vitamin D sind meist zu gering, um einen Vitamin-D-Mangel durch fehlendes Sonnenlicht auszugleichen.

Weitere mögliche Ursachen für einen Vitamin-D-Mangel sind bestimmte Erkrankungen wie chronische Nieren- oder Lebererkrankungen sowie einige Medikamente, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen können (zum Beispiel Antiepileptika). Ein Vitamin-D-Mangel steht zudem häufig in Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms, etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Dadurch kann beispielsweise die Aufnahme von Vitamin D aus der Nahrung beeinträchtigt sein.

Vitamin-D-Mangel beheben: So geht's!

Ein Vitamin-D-Mangel kann entweder durch die künstliche Zufuhr von Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel oder durch mehr verbrachte Zeit in der Sonne behoben werden. Denn 80 bis 90 Prozent unseres Vitamin-D-Bedarfs bildet der Körper unter Einfluss von Sonnenlicht selbst. Lebensmittel mit Vitamin D tragen hingegen nur etwa 10 bis 20 Prozent zu unserer Vitamin-D-Versorgung bei.

Gerade im Winter, wenn die Sonne nur selten und wenig intensiv scheint, ist es meist nicht möglich, einen Vitamin-D-Mangel auf natürlichem Wege auszugleichen, wenn die Speicher nicht schon vor der Winterzeit ausreichend aufgefüllt wurden. Ein ausgedehnter Winterspaziergang ab und an genügt also nicht, um einen Vitamin-D-Mangel zu beheben.

Solarium gegen Vitamin-D-Mangel?

Einige Menschen glauben, einen Vitamin-D-Mangel durch einen Besuch im Solarium beheben zu können. Doch ob dies hilft, ist in der Wissenschaft stark umstritten. Denn viele Solarien verwenden für die Bestrahlung nur noch UV-A-Licht, während für die Bildung von Vitamin D UV-B-Licht benötigt wird. Zudem steigt durch den regelmäßigen Besuch im Solarium das Krebsrisiko.

Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D

Wird der Vitamin-D-Mangel durch die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten bekämpft, sollte zuvor ein*e Arzt*Ärztin den Vitamin-D-Gehalt im Blut bestimmen. Anschließend kann die benötigte Dosis genau festgelegt werden. Dieses Vorgehen ist besonders wichtig, da es durch Vitamin-D-Präparate – im Gegensatz zur Vitamin-D-Produktion durch Sonnenlicht – zu einer Überdosierung von Vitamin D kommen kann.

Deswegen raten Fachleute dringend davon ab, Vitamin-D-Präparate auf eigene Faust einzunehmen. Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Herzglykosiden empfohlen, da es hier zu Wechselwirkungen und einer gefährlichen Veränderung des Calciumspiegels kommen kann.

Sonnenbaden beugt Vitamin-D-Mangel vor

Im Winter leben wir vor allem von den in unserem Muskel- und Fettgewebe angelegten Vitamin-D-Vorräten. Zwischen Oktober und März nehmen diese Vorräte nahezu um die Hälfte ab. Besonders bei Personen, die bereits vor Beginn der Wintermonate einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel im Blut haben, kann es dann während der dunklen Jahreszeit zu einem Vitamin-D-Mangel kommen. Deshalb ist es wichtig, während der Sommermonate viel Zeit im Freien zu verbringen, um einen Vitamin-D-Vorrat anzulegen.

Empfohlen wird, sich zwei- bis dreimal wöchentlich für etwa fünf bis 25 Minuten bei Sonnenschein zur Mittagszeit im Freien aufzuhalten. Dabei sollten die Hände, das Gesicht und Teile der Arme und Beine unbedeckt und nicht durch Sonnencreme geschützt sein.

Überdosierung von Vitamin D

Bei Werten von mehr als 50 Nanogramm Vitamin D pro Milliliter Blut ist von einer Überversorgung mit Vitamin D auszugehen. Das Risiko für eine Überdosierung von Vitamin D auf natürlichem Weg ist relativ gering. Vermutlich hat erst die zwanzigfach erhöhte Aufnahme von Vitamin D negative Auswirkungen auf unseren Körper und verursacht somit Nebenwirkungen. In der Regel ist das Erreichen einer solchen Dosis nur über den unsachgemäßen Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln zu erreichen.

Eine dauerhaft überhöhte Vitamin-D-Zufuhr kann zu einer erhöhten Calciumaufnahme im Darm und einer verstärkten Freisetzung von Calcium aus den Knochen führen. Die Folge ist eine Hypercalcämie. Das bedeutet einen erhöhten Calciumspiegel im Blut, was diverse gesundheitliche Beschwerden mit sich bringen kann. Zu den möglichen Symptomen einer Überversorgung gehören:

Auch Erkrankungen des Verdauungstrakts, Herz-Rhythmus-Störungen, Bewusstlosigkeit oder Depressionen können Folge einer Überdosierung von Vitamin D sein.

Langfristig kann es durch eine Überdosierung außerdem zu einer Verkalkung der inneren Organe kommen. Dadurch können besonders an den Nieren schwere Schäden entstehen, wie etwa Nierensteine, Nierenverkalkungen bis hin zu Nierenversagen. Sogar ein tödlicher Verlauf der Vergiftung ist möglich.

Zu viel Vitamin D vermeiden

Um nicht zu viel Vitamin D aufzunehmen, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als Richtwert für eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin D durch Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 20 Mikrogramm oder 800 i. E. (internationale Einheiten) täglich. Auch eine Menge von 1.000 i. E. am Tag gilt in der Regel als unbedenklich.

Vitamin-D-Präparate mit einer höheren Dosierung gelten als Arzneimittel und sollten nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Hier gilt als Höchstgrenze eine Menge von 100 Mikrogramm (4.000 i. E.) Vitamin D pro Tag.

Darüber hinaus gibt es hochdosierte Depot-Präparate, die nach ärztlicher Verordnung einmal wöchentlich oder alle 20 Tage eingenommen werden. Die Tabletten oder Kapseln enthalten häufig 20.000 i. E. Vitamin D.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
E55.-, E67.3

Aktualisiert: 16.11.2022
Autor*in: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?