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Kinderkrankheiten – nur was für Kleine?

Ein roter, juckender Ausschlag: Bei Erwachsenen denkt man dabei oft zuerst an eine Allergie. Doch Alter schützt vor Kinderkrankheiten nicht – anders als der Name vermuten lässt, können diese auch Erwachsene ereilen und das dann häufig heftig. Doch was sind Kinderkrankheiten eigentlich?

Typische Kinderkrankheiten

Zunächst lassen sich als Kinderkrankheiten alle Erkrankungen bezeichnen, die die Kleinen treffen können, etwas enger gefasst vor allem diejenigen, die im Kindesalter besonders häufig auftreten. Dazu gehören Atemwegsinfekte, Mandel-, Mittelohr-, Lungen- und Hirnhautentzündungen, aber auch Allergien, Pseudokrupp und Magen-Darm-Infekte. Nicht immer lassen sich für die typischen Beschwerden im Kindesalter wie Fieber (inklusive Fieberkrämpfe), Husten, Bauchweh, Durchfall und Erbrechen eine Ursache nachweisen.

Mit der engsten, gleichzeitig auch klassischen Bedeutung des Begriffs sind nur bestimmte Infektionskrankheiten gemeint:

Gemeinsamkeiten

Fasst man unter Kinderkrankheiten nicht alle Erkrankungen, die die Kleinen treffen können, sondern nur die klassischen Kinderkrankheiten im engeren Sinn, haben diese eines gemeinsam: Sie sind ziemlich ansteckend. Deshalb bleiben die Erreger immer schön im Umlauf, sind weit verbreitet und man gerät früh im Leben damit in Kontakt und infiziert sich – Kinderkrankheiten eben.

Einmal durchgemacht, ist man bei meist den Rest des Lebens vor einer erneuten Infektion gefeit. Aber: In den letzten Jahrzehnten wurden große Anstrengungen unternommen, Kinderkrankheiten auszurotten oder zumindest den Einzelnen vor einer Ansteckung zu bewahren.

Die dafür eingesetzten Schutzimpfungen haben allerdings den Nachteil, dass der damit erzielte Infektionsschutz oft nicht das ganze Leben anhält. Mögliche Folge ist, dass immer mehr Erwachsene sich erstmalig mit einer Kinderkrankheit anstecken, nämlich dann, wenn die durch die Impfungen erzielte Immunität nachlässt. Leider sind die Verläufe dann oft kein Kinderspiel, sondern die Betroffenen ganz schön außer Gefecht gesetzt; auch Komplikationen treten im Erwachsenenalter häufiger auf.

Unterschiede

Mit der Tatsache, dass Kinderkrankheiten hoch ansteckende Infektionskrankheiten sind, enden die für alle geltenden Gemeinsamkeiten. Kinderkrankheiten werden durch Viren oder Bakterien verursacht und verlaufen ganz unterschiedlich – verschiedene Inkubationszeiten (Dauer zwischen Ansteckung und Ausbruch), Dauer der Symptome von wenigen Tage bis mehreren Wochen, mit oder ohne Ausschlag, von leichten erkältungsähnlichen Beschwerden bis zu schwerwiegenden Komplikationen. Manche der Kinderkrankheiten sind in der Schwangerschaft gefährlich, andere harmlos für das Ungeborene. Gegen manche kann man impfen, gegen andere nicht.

  Inkubations­zeit Krankheits­dauer
Dreitage­fieber 7-14 Tage meist 3-4 Tage, max. 1 Woche
Keuch­husten 7-20 Tage Vorstadium 1-2 Wochen, Krampf­stadium 3-6 Wochen, Erholungs­phase mehrere Wochen
Kinder­lähmung meist keine oder leichte Beschwerden über 2-3 Tage; sonst längere Dauer mit Lähmungen  
Masern 7-12 Tage nach ca. 5 Tagen besser, dann noch einige Tage; bei Kompli­kationen länger; Spätfolge: schleichende Hirnhaut­entzündung (SSPE)
Mumps 14-21 Tage ca. 1 Woche; bei Kompli­kationen länger
Ringelröteln 7-18 Tage wenige Tage Symptome einer Erkältung, Ausschlag evtl. über Wochen
Röteln 14-21 Tage wenige Tage
Scharlach 3-5 Tage wenige Tage Symptome einer Hals­entzündung, Aus­schlag und Schuppung 1-2 Wochen; bei Kompli­kationen länger
Wind­pocken 14-21 Tage Tage bis Wochen

 

  Ausschlag Lebens­lange Immunität i. d. Regel Impfung mgl.
Dreitagefieber ja ja nein
Keuch­husten nein nein ja
Kinder­lähmung nein nein ja
Masern ja ja ja
Mumps nein ja ja
Ringelröteln ja ja nein
Röteln ja ja ja
Scharlach ja nein nein
Wind­pocken ja ja; aber Gürtelrose als Folge­erkrankung ja

Schutzimpfung

Gegen die meisten Kinderkrankheiten lässt sich vorbeugend impfen – die Klassiker unter den Schutzimpfungen. Leider kommt es in den letzten Jahren zunehmend zu Kontroversen zwischen Impfbefürwortern und Impfkritikern oder sogar -gegnern. Da diese Diskussionen oft wenig sachlich und sehr dogmatisch geführt werden, helfen sie den Eltern, die das Beste für ihr Kind wollen und sich zwischen den einzelnen Argumenten entscheiden müssen, herzlich wenig.

Am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin sitzt ein vom Bundesminister für Gesundheit berufenes Expertengremium, die ständige Impfkommission (STIKO). Diese spricht ständig aktualisierte Impfempfehlungen aus. Sind diese von den Landesgesundheitsbehörden in deren "öffentliche Empfehlungen“ aufgenommen worden, übernehmen gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Schutzimpfungen. Darüber hinaus ist der Staat bei etwaigen Impfschäden entschädigungspflichtig. Der Nachteil ist allerdings, dass damit nur ein allgemein gültiges Impfschema für alle Personen einer entsprechenden Altergruppe gegeben wird; die individuelle Situation von Kind und Eltern kann dabei nicht berücksichtigt werden.

Da die Schutzimpfungen in Deutschland keine Pflicht sind, ist auf Wunsch der Eltern ein Abweichen vom allgemeinen Schema möglich. Deshalb sollten Eltern das Für und Wider von Impfungen und das individuelle Vorgehen mit ihrem Kinderarzt besprechen.

Aktualisiert: 01.06.2018 – Autor: Dagmar Reiche

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