Giftpflanzen: Vergiftungsgefahr für Kinder (Giftpflanzen in Haus und Garten)

Kind mit giftiger Pflanze © rawpixel

In der warmen Jahreszeit spielen Kinder häufig draußen. Ihre Fantasie wird dabei mit Dingen beflügelt, die sie dort vorfinden. Beim Spiel "Essen kochen" zum Beispiel kommen oft Beeren, Blätter oder andere Pflanzenteile zum Einsatz. Allerdings ist solch eine Mahlzeit manchmal schwer verdaulich. Kleinere Kinder lassen sich oft von den hübschen Farben und Formen dazu verleiten, Pflanzenteile in den Mund zu stecken.

Jährliche Vergiftungsfälle

Jedes Jahr rufen fast 100.000 Menschen in den Giftinformationszentralen an, die den Verdacht haben, dass sich das Kind in ihrer Obhut vergiftet haben könnte – in fast 20.000 Fällen bestätigt sich dieser Verdacht. In 9 von 10 Fällen sind dabei Kinder unter 6 Jahren betroffen – vor allem die 1- bis 3-Jährigen, die ihre Umwelt gern auch mit dem Mund erforschen.

Zwar stehen insgesamt die Haushaltschemikalien – Reiniger, Geschirrspülmittel & Co. – an erster Stelle der Vergiftungsursachen, gefolgt von Medikamenten. Doch gerade bei den 1- bis 4-Jährigen spielen auch Pflanzen eine große Rolle, insbesondere solche mit attraktiven Beeren.

Die gute Nachricht: Die allermeisten Vergiftungsfälle verlaufen glimpflich – in drei Viertel der Fälle kommt es zu keinen Beschwerden, weil die aufgenommen Menge der giftigen Substanz sehr gering war, die übrigen Vergiftungen verlaufen überwiegend mild. Das gilt insbesondere bei Vergiftungen mit Pflanzen. Trotzdem: In Haushalten mit kleinen Kindern bis ins Grundschulalter sollten giftige Pflanzen in Wohnung und Garten gemieden werden.

Welche Pflanzen sind giftig?

Viele giftige Pflanzen schmecken nicht besonders gut, sodass die Kinder die Blätter, Stängel und Früchte schnell wieder ausspucken. Allerdings ist bei den modernen Zuchtformen dieses Merkmal oft abgeschwächt – so schmecken die Beeren der heutigen Ligusterhecken oft weit weniger bitter als deren Urform. W

elche Pflanzenteile gesundheitsschädlich wirken, ist von Art zu Art verschieden. Jede Pflanze hat unterschiedliche Inhaltsstoffe, Gefährdungsgrade und Wirkungen.

Die Symptome reichen von Hautreizungen über Magenverstimmungen mit Übelkeit oder leichtem Erbrechen bis – glücklicherweise selten – hin zu Kreislaufkollaps und Atemlähmung. Als grobe Faustregel gilt, dass Kinder von jeder heimischen Pflanze, auch wenn sie giftig ist, 1 Beere unbeschadet verspeisen können. (Eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  • Giftige Pflanzen im Garten und in freier Natur: An erster Stelle steht der Eisenhut (Aconitum), gefolgt von Eibe (Samen und Nadeln), Tollkirsche (und andere Nachtschattengewächse), Bilsenkraut, Schierling, Herbstzeitlose (Colchicum, wird häufig mit dem Krokus verwechselt), Stechapfel, Seidelbast, Engelstrompete und Wunderbaum. Etwas weniger giftig, aber trotzdem in größeren mengen potenziell gefährlich sind Wolfsmilchgewächse, Goldregen, Fingerhut (Digitalis), rohe Bohnen, Rhododendron, Oleander, Aronstab, Maiglöckchen (Blätter werden häufig mit Bärlauch verwechselt), Lampignonblume, Efeu und Lebensbaum (Thuja). Von Liguster, Knackbeere und Vogelbeere (Eberesche) sind bis zu 5 Beeren sicher unbedenklich.
  • Zimmerpflanzen: Potenziell giftig sind Alpenveilchen, Korallenstrauch, Gummibaum, Birkenfeige (Ficus benjamini), Affenbrotbaum, Dieffenbachie. Der weiße Milchsaft des zu den Wolfsmilchgewächsen gehörenden Weihnachtssterns ist nur bei den Wildformen giftig; bei den gezüchteten Arten verursacht dieser allenfalls leichte Reizungen des Magen-Darm-Trakts.

Vergiftungen mit Pflanzen vorbeugen

  • Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Unschädlichkeit einer Pflanze.
  • Kontrollieren Sie, ob aufgeführte Pflanzen am Schulweg und im Spielumfeld Ihrer Kinder wachsen. Beraten und die Pflanzen bestimmen können z. B. Gärtner, Förster und Blumenhändler, evtl. auch Apotheker.
  • Besprechen Sie Vergiftungsrisiken behutsam mit Ihren Kindern und bringen Sie ihnen bei, keine Pflanzenteile zu probieren, die sie nicht kennen.

Aktualisiert: 03.12.2013 – Autor: Dagmar Reiche

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