Verbrennungen & Verbrühungen – was tun?

Verbrennung und Brandblasen an der Hand © istockphoto, ogiana

In Deutschland zählen Brandverletzungen zu den häufigsten Unfallfolgen im Kindesalter. Meist trifft es Kinder bis zum 5. Lebensjahr. Und auch hier ist – wie zum Beispiel auch bei Vergiftungen – der Haushalt der gefährlichste Ort: Denn 80 Prozent dieser Unfälle geschehen am "heimischen Herd". Die Gefahren, die hier drohen, werden oft unterschätzt: Wasser zum Beispiel muss nicht 100 Grad heiß sein, um die Haut zu schädigen. Bereits Temperaturen um 50 Grad reichen für eine Verbrennung aus. Eine Temperatur von 54 Grad Celsius führt bei einem Erwachsenen nach 31 Sekunden zu einer Verbrühung dritten Grades – bei einem Kleinkind bereits nach 10 Sekunden.

Verbrühungen kommen besonders häufig vor

Obwohl drei Viertel aller durch Hitze bedingten Schädigungen Verbrühungen sind (zum Beispiel Wasser, Wasserdampf, Tee, Kaffee), spielen auch trockene Hitze (zum Beispiel offenes Feuer, heiße Oberflächen), elektrischer Strom (Elektrounfälle) und Strahleneinwirkung (Sonne, Radioaktivität) eine Rolle, wenn Kinder zu Schaden kommen. Es können aber auch heiße oder giftige Dämpfe eingeatmet werden.

Besondere Gefahr droht bei großflächigen Verbrennungen, die mit Gefäßschäden einhergehen. Die Flüssigkeitsverluste aus den Blutgefäßen ins Gewebe können zusammen mit den starken Schmerzen zu einem Schock führen. Sie sollten deshalb schnellstmöglich von einem Arzt behandelt werden.

Was passiert bei einer Verbrennung?

Leichte Verbrennungen sind charakterisiert durch Rötung, Schmerzen und leichter Blasenbildung. Bei schwereren Verbrennungen kommt es zu sehr schmerzhaften Brandblasen.

Die Blasenbildung kommt dadurch zustande, dass die Blutkapillaren der Haut durch die Hitze geschädigt und für Blutplasma durchlässig werden. Die oberste Hautschicht hebt sich durch die Blutflüssigkeit von der Unterlage ab.

Anzeichen für Verbrennungen und Verbrühungen

Zur Beurteilung der Schwere einer Verbrennung beziehungsweise Verbrühung gibt es zwei Kriterien:

  1. Ausdehnung: Wie viel Prozent der Körperoberfläche sind von der Verbrennung betroffen? Hierzu dient bei Erwachsenen die Neunerregel: Der Körper wird dabei in Regionen von jeweils neun Prozent aufgeteilt (Kopf 9 %, Rumpf vorne und hinten je 18 %, Arme je 9 %, Beine je 18 %, Anal-Genital-Region 1 %). Diese Regel ist leicht abgewandelt auch auf Kinder anwendbar: Hier werden Kopf und Hals mit 16 % angesetzt, Arme mit je 9 %, Beine mit je 17 % und Vorder- und Rückseite des Rumpfes mit je 16 %. Bei Säuglingen gilt als Faustregel: Die Handfläche, inklusive der Finger, entspricht einem Prozent der Körperoberfläche. Bei Kindern besteht bereits Lebensgefahr, wenn 8 % der Haut verbrannt sind, bei Erwachsenen gilt dies ab 15 %.
  2. Tiefe der Schädigung: Je mehr Hautschichten betroffen sind, desto höher ist der Verbrennungsgrad.

Je nach Schwere der Verbrennung werden die Verletzungen in Verbrennungen 1. Grades, 2. Grades und 3. Grades unterteilt:

  • Verbrennung 1. Grades: Rötung der betroffenen Hautbezirke, starke Schmerzen, es kann zu einer Schwellung kommen.
  • Verbrennung 2. Grades: Rötung mit Blasenbildung beziehungsweise weißen, nässenden Wundflächen.
  • Verbrennung 3. Grades: trockene dicke lederartige Haut, die Haut kann weißlich bis bräunlich verfärbt sein, das betroffene Gewebe ist abgestorben und dort ohne Schmerzempfindung (die Außenbezirke schmerzen dagegen sehr).

Erste Hilfe – was tun?

Sind weniger als fünf Prozent der Haut durch Verbrennungen ersten Grades geschädigt oder ist die Verbrennung zweiten Grades nicht größer als die Hand des Kindes, kann die Schädigung selbst behandelt werden, zum Beispiel mit speziellen Gels (zum Beispiel Fenestil) oder Salben. Alle anderen Verbrennungen müssen ärztlich behandelt werden.

  • Löschen: Ersticken Sie die Flammen mit Decken (Achtung, verwenden Sie hitzeresistente Materialien) oder indem sie das Kind auf dem Boden wälzen beziehungsweise löschen Sie mit Wasser oder einem Feuerlöscher (nie auf den Kopf richten, die Atmung könnte beeinträchtigt werden).
  • Kühlen: Sind kleinere Körperstellen betroffen, können diese zur Schmerzlinderung gekühlt werden (unter fließendem handwarmem Wasser oder mit kühlen Kompressen, jeweils nur für wenige Minuten). Hierzu keine Eiswürfel oder zu kaltes Wasser verwenden (Gefahr der Unterkühlung und Gewebeschädigung). Bei Säuglingen, wenn der Rumpf betroffen ist oder wenn die verbrannte Fläche groß ist, sollte die Stelle nicht gekühlt werden, vor allem bei Verbrennungen am Körperstamm – es besteht die Gefahr, dass das Kind (vor allem das kleine Kind oder der Säugling) auskühlt.
  • Notruf wählen: Fahren Sie Ihr Kind nicht selbst ins Krankenhaus, sondern rufen Sie den Rettungsdienst. So ist eine frühzeitige und bestmögliche Versorgung sichergestellt.
  • Brandblasen nicht öffnen beziehungsweise aufstechen. Sie schützen das verletzte Gewebe und trocknen nach einiger Zeit von selbst ab.
  • Hausmittel wie Mehl, Puder, Butter und Öl sind bei größeren Verbrennungen oder offenen Wunden tabu, da sie die Beurteilung und Behandlung der Wunde beim Arzt erschweren und Infektionen begünstigen können. Salben oder Gele sollten ebenfalls erst verwendet werden, nachdem ein Arzt die Verletzung beurteilt hat.
  • Verbrennungen nicht mit flauschigen Materialien (wie etwa Watte) abdecken, sie können mit der Wunde verkleben. Besser sind sterile Kompressen oder Pflaster mit Aluminiumbeschichtung. 
  • Kind trösten (zum Beispiel mit einem Kuscheltier etwas ablenken) und warm halten. Am besten eignet sich dazu die Rettungsdecke aus dem Verbandkasten (silberne Seite nach innen, nicht zu eng anliegend), da diese keinen Druck auf verbrannte Körperteile ausübt. Alternativ kann auch eine leichte Decke verwendet werden.

Auch bei Erwachsenen besteht die Gefahr der Unterkühlung, wenn verbrannte oder verbrühte Hautstellen zu lange oder zu stark gekühlt werden. Daher sollten nur kleinere Verbrennungen oder Verbrühungen gekühlt werden. Verwenden Sie dabei keinesfalls eiskaltes Wasser, sondern handwarmes.

Bei kleineren Verbrennungen oder Verbrühungen

  • Verbrühung: Sofort die Kleidung vorsichtig entfernen (gegebenenfalls mit der Schere), um einen Hitzestau und ein "Nachbrennen" zu verhindern.
  • Verbrennung: Kleidung nur entfernen, wenn sie nicht haftet, denn sonst entstehen Hautverletzungen.
  • Unter fließendem (nicht zu kaltem!) Wasser wenige Minuten kühlen und sicherstellen, dass das Kind nicht auskühlt (nur die verbrannte Stelle kühlen, nicht den ganzen Körper). Im Gesicht können feuchte Tücher zur Kühlung verwendet werden – achten Sie darauf, die Atemwege frei zu halten.
  • Wenn keine Blasen vorhanden sind, betroffene Körperstelle nicht abdecken, sondern desinfizieren und an der Luft heilen lassen. Ansonsten Wunde sauber abdecken, am besten mit einem sterilen Verbandtuch aus dem Erste-Hilfe-Kasten.

Bei großflächigeren Verbrennungen oder Verbrühungen

  • Verbrühung: Kleidung rasch, aber vorsichtig entfernen.
  • Verbrennung: Kleidung am Körper lassen, denn meist ist sie in die Wunde eingebrannt. Das Entfernen würde zu Hautverletzungen führen.
  • Verbrannten Stellen nicht kühlen, da das Kind sonst unterkühlen könnte.
  • Den betroffenen Bereich steril abdecken. Am besten eignet sich dazu ein steriles Metalline-Brandtuch. Es verklebt nicht mit der Wunde und erhält die Wärme.
  • Rettungsdienst rufen!
  • Vorsicht bei Verbrennungen im Gesicht: Wenn das Kind Rauch eingeatmet hat, können die Schleimhäute anschwellen, was zu Atemnot führt. Deshalb gilt: Rettungsdienst verständigen, Brandwunden nicht abdecken, aufrechte Sitzposition (erleichtert die Atmung), regelmäßig Atmung kontrollieren.
  • Vorsicht, nach großflächigen Verbrennungen können Atem- oder Kreislaufprobleme auftreten. Beobachten Sie das Kind daher bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes genau und kontrollieren Sie Atmung und Bewusstsein. 

Verbrennungen und Verbrühungen vorbeugen

Beherzigen Sie folgende 10 Tipps, um Verbrennungen und Verbrühungen bei Kindern vorzubeugen:

  1. Am häufigsten ziehen sich Kinder Verbrühungen zu, wenn sie Töpfe mit heißen Speisen oder kochendem Wasser vom Herd ziehen. Bringen sie deshalb ein Sicherheitsgitter an.
  2. Achten Sie darauf, dass das Kind Geräte wie Wasserkocher, Bügeleisen etc. nicht am Kabel zu sich herunter ziehen kann.
  3. Kinder sollten nicht alleine am Wasserhahn spielen.
  4. Baden: Lassen Sie erst das kalte Wasser einlaufen und dann erst das warme. Bevor der Badespaß losgehen kann, sollten Sie die Temperatur mit einem Badethermometer überprüfen.
  5. Kontrollierten Sie nach dem Erwärmen die Temperatur von Milch oder Gläscheninhalt bevor Sie Ihr Kind füttern. Vor allem in der Mikrowelle erwärmte Nahrung kann ungleichmäßig warm sein.
  6. Wenn Sie ihren Säugling auf dem Arm tragen, sollten Sie nicht gleichzeitig heiße Getränke zu sich nehmen. Er könnte Ihnen durch eine unkontrollierte Bewegung die Tasse aus der Hand schlagen.
  7. Zündhölzer und Feuerzeuge immer kindersicher aufbewahren. Um die Sache nicht unnötig interessant zu machen, nutzt bei älteren Kindern Aufklärung mehr als Verbote.
  8. Kinder nicht mit brennenden Kerzen alleine lassen.
  9. Kinderbekleidung: Vermeiden Sie synthetische Fasern; sie können leicht entflammbar sein.
  10. Grillen: Gießen Sie niemals flüssige Brandbeschleuniger (Brennspiritus, Alkohol, Benzin) auf Feuerstellen. Es kommt dabei leicht zu Verpuffungen mit extrem hohen Temperaturen.

Aktualisiert: 25.07.2018 – Autor: Ina Mersch; überarbeitet: Silke Hamann

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