Was tun bei Vergiftungen?

Meist wollen sie nur herausfinden, wie der interessante grüne Saft schmeckt, den Mama immer zum Spülen des Geschirrs benutzt. Oder sie wollen die bunten Bonbons kosten, die Oma morgens und abends schluckt. Der Neugier kleiner Kinder sind keine Grenzen gesetzt und der eigene Haushalt ist im Hinblick auf Vergiftungen immer noch der gefährlichste Ort.

Reinigungsmittel als besondere Gefahr

Die Industrie hat darauf in einigen Fällen reagiert: Manchen Reinigungsmitteln werden inzwischen Bitterstoffe zugesetzt, die so übel schmecken, dass sie von Kindern sofort wieder ausgespuckt werden. Bsonders attraktiv wirken auf Kleinkinder Reinigungsmittel wie

  • Geschirrspülmittel,
  • Sanitärreiniger oder
  • Allzweckreiniger.

Die auffallenden Flaschen mit den attraktiven farbigen Flüssigkeiten sind in jedem Haushalt zu finden und oft viel zu leicht zugänglich für Kinder. Und nicht immer ist es ganz leicht zu erkennen, dass sich das Kind vergiftet hat und vor allem womit.

Eine Vergiftung erkennen

Bei Eltern sollten die Alarmglocken klingeln, wenn das Kind von einem üblen Geschmackserlebnis erzählt oder eine leere Packung vorzeigt. Ein äußerlicher Hinweis auf eine Vergiftung können Spuren der giftigen Substanz an Mund, Gesicht und Händen sein oder stark gerötete Schleimhäute der Augen und Lippen. Bei bestimmten Substanzen wie Alkohol, Lösungsmitteln, Kosmetika oder Tabak kann ein starker Mundgeruch einen Hinweis geben. Tabak verursacht noch dazu eine bräunliche Verfärbung des Speichels.

Weitere Zeichen einer Vergiftung:

  • plötzliche Verhaltensänderung des Kindes, zum Beispiel Müdigkeit, Erregung, Zittern, Unsicherheit beim Gehen
  • Speichelfluss
  • krampfartige Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Kopfschmerzen, Schwindel
  • Bewusstseinstrübung, Apathie, Bewusstlosigkeit

Im schlimmsten Fall drohen eine Atemstörung bis hin zum Atemstillstand, Schock und Herz-Kreislauf-Versagen.

Was tun bei Vergiftungen?

  • Sind noch Reste des Eingenommenen im Mund des Kindes? Versuchen Sie, diese mit einem Finger aus dem Mund zu wischen.
  • Wenn der Giftstoff bekannt ist und das Kind keine Vergiftungserscheinungen zeigt: Giftnotruf oder Kinderarzt anrufen.
  • Ansonsten: Rufen Sie ärztliche Hilfe über den Notruf 112 oder suchen Sie sofort eine Ambulanz auf. Bewahren Sie alle (vermuteten) Reste des Eingenommenen oder Erbrochenes auf und nehmen Sie alles mit zum Arzt.
  • Geben Sie dem Kind nichts zu essen oder zu trinken. Vor allem Milch ist gefährlich. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist sie im Vergiftungsfall nicht nützlich, sondern bewirkt, dass das Gift schneller ins Blut aufgenommen wird.
  • Kind nicht gezielt erbrechen lassen.
  • Beobachten Sie Atmung und Kreislauf.
  • Achtung bei Aufnahme von stark ätzenden Stoffen! Sie sind vor allem in Spülmaschinen-, Toiletten- und Haushaltsreinigern enthalten.

Hier gilt: Lassen Sie das Kind viel trinken, um die giftige Substanz zu verdünnen (Wasser, Tee, jedoch keine kohlensäurehaltigen Getränke, keine Milch). Das Kind darf auf keinen Fall erbrechen (Verätzungsgefahr von Speiseröhre und Mund!).

Wie lässt sich eine Vergiftung verhindern?

  • Erste-Hilfe-Medikamente: Nehmen Sie Aktivkohle und einen Entschäumer als Erste-Hilfe-Medikamente für den Vergiftungsfall in Ihre Haushaltsapotheke auf; außerdem sollte hier auch die Nummer der Giftnotrufzentrale zu finden sein. Lassen Sie sich zu den Medikamenten von Ihrem Kinderarzt oder Apotheker beraten.
  • Medikamente (auch täglich mehrmals einzunehmende) gehören in ein verschließbares Hausapotheken-Schränkchen. Auch Putz-, Spül- und Waschmittel sollten verschlossen aufbewahrt werden.
  • Achten Sie bei Chemikalien auf kindersichere Verschlüsse. Füllen Sie diese niemals in Lebensmittelverpackungen um.
  • Bedenken Sie, dass alles, was Sie wegwerfen von Ihrem Kind im Abfalleimer oder Papierkorb gefunden werden kann.
  • Machen Sie auch Ihre Handtasche kindersicher: Wenn sie vom Kind durchwühlt wird, sollte es weder Parfüm, noch Zigaretten oder Arzneimittel finden können.
  • Tabak: Zigarettenstummel und -packungen auf keinen Fall offen herumliegen lassen. Schon kleinste Tabakreste können beim Kind Vergiftungen hervorrufen.
  • Alkohol: Alkohol immer in verschließbaren oder für das Kind unerreichbaren Schränken aufbewahren. Schon geringe Mengen Alkohol sind für Kleinkinder sehr gefährlich.
  • Giftige Pflanzen: Verzichten Sie auf giftige Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon, zum Beispiel: Arnika, Aronstab , Bilsenkraut, rohe grüne Bohnen, Christusdorn, Dieffenbachia, Eibe, Eisenhut, Fingerhut, Goldregen, Herbstzeitlose, Kakteen (mit giftigen Stacheln), Lupine, Maiglöckchen, Narzisse, Oleander, Rizinus, Mohn, Schierling, Stechapfel, Tollkirsche, Weihnachtsstern, Wiesen-Bärenklau, Zaunrübe, grüne und unreife Kartoffeln, grüne, unreife Tomaten.
  • Kosmetika wie Nagellack und -entferner, Parfüm, Haarfestiger, Körperspray, Hautpflegemittel werden häufig für Kinder leicht zugänglich aufbewahrt. Schon das Einatmen der Gase kann Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
  • Minibatterien: Sie können von Kindern verschluckt werden. Hochgiftige Chemikalien (zum Beispiel Quecksilberoxyd) können freigesetzt werden.

Hält sich das Kind regelmäßig in anderen Haushalten (Großeltern, Tagesmutter usw.) auf, so gelten die Vorsichtsmaßnahmen auch dort.

Broschüre: Achtung! Giftig! Vergiftungsunfälle bei Kindern Wissenswertes über alle "gängigen" Vergiftungsarten bei Kindern (Reinigungsmittel, Alkohol, Nikotin, Kosmetika, Giftpflanzen etc.). Die Broschüre kann auf der Internetseite das-sichere-haus.de kostenfrei heruntergeladen oder in Papierform bestellt werden.

Aktualisiert: 24.10.2018 – Autor: Ina Mersch

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