Scheidensekret richtig deuten

Scheidensekret: Frau hält Intimbereich © istockphoto, Anetlanda

Der Ausfluss von Scheidensekret ist normal, doch wie viel ist üblich und welche Hinweise können Veränderungen des Sekrets auf mögliche Erkrankungen der Scheide liefern? Was Menge, Konsistenz, Geruch und Farbe der Scheidenflüssigkeit über die Vaginalflora und mögliche Erkrankungen der Scheide aussagen, erfahren Sie hier.

Scheidensekret: Wie viel ist normal?

Wie viel Vaginalsekret Tag für Tag produziert wird, ist von Frau zu Frau verschieden: So ist bei manchen Frauen der Slip abends fast blütenweiß, für andere sind ein, zwei Slipeinlagen am Tag normal. Üblicherweise werden insgesamt 5 ml pro Tag nicht überschritten.

In seltenen Fällen werden ständig auch größere Mengen abgesondert, die mehrmals täglich das Wechseln von Slip oder Slipeinlage erfordern, ohne dass ein organischer Grund gefunden wird – ein Zustand, der äußerst belastend sein kann. Es wird vermutet, dass diese betroffenen Frauen überaktive Drüsen in der Scheidenregion besitzen, ähnlich wie manche Menschen zum extremen Schwitzen neigen.

Was bedeutet Ausfluss?

Verwirrend ist, dass manche Autoren anders unterscheiden: Vaginalsekret ist bei ihnen das, was der Befeuchtung der Scheide beim Geschlechtsverkehr dient, Ausfluss dagegen immer krankhaft.

Dies entspricht allerdings nicht der bei den Medizinern üblichen Einteilung, bei der Ausfluss, also Fluor – je nach Ausprägung, Zusammensetzung und Ursache – sowohl normal als auch krankhaft sein kann.

Veränderungen des Vaginalsekrets

Normales, gesundes Scheidensekret ist weiß-transparent, flüssig und verströmt keinen besonderen Geruch. Während der Zyklusmitte kann die Menge zunehmen, der Ausfluss ist dann klar. Rund um den Eisprung herum wird das Sekret häufig zähflüssiger.

Veränderungen in Konsistenz, Farbe und Geruch des Scheidensekrets können auch Hinweise auf eine Störung der Vaginalflora liefern:

  • Wenn der Scheidenausfluss beispielsweise übel riecht, kann das ein Anzeichen einer bakteriellen Fehlbesiedelung der Scheide sein. Oft nehmen betroffene Frauen einen "fischigen" Geruch wahr, das Sekret kann dünnflüssig werden.
  • Ein Scheidenpilz (Vaginalmykose) äußert sich oft durch einen weißlich-gelben Scheidenausfluss. Die Konsistenz des Scheidensekrets ist dann oftmals eher cremig oder krümelig.
  • Auch wenn der Ausfluss gelb, bräunlich oder grünlich ist, kann dies ein Hinweis auf eine krankhafte Veränderung sein. Dies gilt auch, wenn der Scheidenausfluss blutig, schaumig oder bröckelig ist.
  • Ebenso sind Jucken, Schmerzen und Brennen im Intimbereich Warnsignale, die ernst genommen werden sollten.

Allerdings variieren Farbe, Menge und Geruch des Vaginalsekrets nicht nur hormonbedingt (also während des Menstruationszyklus, während der Schwangerschaft, unter der "Pille"), sondern können sich kurzfristig auch durch die Nahrung ändern. So werden zum Beispiel Zwiebeln, Knoblauch und scharfe Gewürze nicht nur über den Atem und die Haut ausgedünstet, sondern auch über die Schleimhäute.

Kranke Vaginalflora

Eine dauerhaft ungesunde Ernährung kann ebenso wie andere Faktoren die Vaginalflora stören und damit zu Beschwerden und Krankheiten führen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • übertriebene Intimhygiene
  • sehr enge Hosen, besonders aus Kunststofffasern
  • medikamentöse Therapien, zum Beispiel mit Antibiotika
  • Allergien
  • Diabetes mellitus
  • Stress und seelische Belastungen

Infektionen und andere Probleme der Scheide

Ist das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht gebracht, haben krankmachende Bakterien ein leichtes Spiel: Sie können Überhand nehmen und die gesunde Schleimhautflora "überwachsen" (bakterielle Vaginose). Auch Trichomonaden (Geißeltieren, die eine Geschlechtskrankheit auslösen), Pilzen (vor allem der Hefepilz Candida albicans) und Viren (zum Beispiel das Herpes-Virus) gelingt dann eher ein Wachsen und Eindringen. 

Neben den Infektionen führen auch gut- und bösartigen Tumoren in Scheide und Gebärmutter und – vor allem bei neugierigen kleinen Mädchen – eingebrachte und vergessene Fremdkörper zu krankhaftem Ausfluss. Sind die Entzündungsreaktionen im Bereich der Schamlippen lokalisiert, werden sie vom Arzt auch als Vulvitis, in der Scheide als Vaginitis (beziehungsweise Kolpitis) oder – da oft beide Bereiche betroffen sind – als Vulvovaginitis bezeichnet.

Aktualisiert: 14.08.2019 - Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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