Scheidensekret richtig deuten

Scheidensekret

Wie viel Vaginalsekret Tag für Tag produziert wird, ist von Frau zu Frau verschieden: So ist bei manchen Frauen der Slip abends fast blütenweiß, für andere sind ein, zwei Slipeinlagen am Tag normal. Üblicherweise werden insgesamt 5 ml pro Tag nicht überschritten. In seltenen Fällen werden ständig auch größere Mengen abgesondert, die mehrmals täglich das Wechseln von Slip oder Slipeinlage erfordern, ohne dass ein organischer Grund gefunden wird – ein Zustand, der äußerst belastend sein kann.

Es wird vermutet, dass diese betroffenen Frauen überaktive Drüsen in der Scheidenregion besitzen, ähnlich wie manche Menschen zum extremen Schwitzen neigen. Verwirrend ist, dass manche Autoren anders unterscheiden: Vaginalsekret ist bei ihnen das, was der Befeuchtung der Scheide beim Geschlechtsverkehr dient, Ausfluss dagegen immer krankhaft. Dies entspricht allerdings nicht der bei den Medizinern üblichen Einteilung, bei der Ausfluss, also Fluor – je nach Ausprägung, Zusammensetzung und Ursache – sowohl normal als auch krankhaft sein kann.

Kranke Vaginalflora

Menge, Farbe und Geruch des Scheidensekrets variieren nicht nur hormonbedingt (also während des Menstruationszyklus, während der Schwangerschaft, unter der "Pille“), sondern können sich kurzfristig auch durch die Nahrung ändern. So werden z.B. Zwiebeln, Knoblauch und scharfe Gewürze nicht nur über den Atem und die Haut ausgedünstet, sondern auch über die Schleimhäute. Eine dauerhaft ungesunde Ernährung kann ebenso wie andere Faktoren, z.B. übertriebene Intimhygiene, sehr enge Hosen besonders aus Kunststofffasern, medikamentöse Therapien, Allergien, eine Zuckerkrankheit, Stress und seelische Belastungen, auch die Vaginalflora stören und damit zu Beschwerden und Krankheiten führen.

Ist das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht gebracht, haben krankmachende Bakterien ein leichtes Spiel: Sie können überhand nehmen und die gesunde Schleimhautflora "überwachsen“ (bakterielle Vaginose); auch Trichomonaden (Geißeltieren, die eine Geschlechtskrankheit auslösen), Pilzen (v.a. der Hefepilz Candida albicans) und Viren (z.B. das Herpes-Virus) gelingt dann eher ein Wachsen und Eindringen.

Neben den Infektionen führen auch gut- und bösartigen Tumoren in Scheide und Gebärmutter und – vor allem bei neugierigen kleinen Mädchen – eingebrachte und vergessene Fremdkörper zu krankhaftem Ausfluss. Sind die Entzündungsreaktionen im Bereich der Schamlippen lokalisiert, werden sie vom Arzt auch als Vulvitis, in der Scheide als Vaginitis (bzw. Kolpitis) oder – da oft beide Bereiche betroffen sind – als Vulvovaginitis bezeichnet.

Aktualisiert: 01.11.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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